Bizarre DGV-Politik – wer führt wen am Nasenring?

Neulich blätterte ich durch die VcG-Homepage. Der VcG-Newsletter 04/2010 brannte mir fast Löcher in die Augen. Unter:“Platzreife – Nutzen Sie den Herbst“ wird die DGV-Platzreifeprüfung angeboten. Für nur 75 €, egal ob man VcG-Mitglied ist oder nicht. Die Tatsache allein, dass DGV und VcG eine Win-Win-Konstruktion unter gemeinsamem Dach in Wiesbaden bilden, ist schon äußerst bedenklich. Diese Adresse besitzt also die Chuzpe, den Golfpro’s hierzulande mit diesem Dumpingangebot das Wasser abzugraben. Der aus Wiesbaden zentral gelenkte Angriff ist für sich genommen eine Katastrophe. Es ist für die PGA an der Zeit, zu handeln. Was gibt es noch? Am 14. Oktober sandte der BVGA eine Rundmail an alle Golfclubs in Deutschland. In dieser Mail warb der Bundesverband der Golfanlagenbetreiber für das eigenständige Konzept „play golf* in Deutschland“. Über dieses Konzept sollen mehr Interessenten an den Golfsport herangeführt werden. So der Plan. Dass damit gleichzeitig auch wirtschaftliche Interessen verfolgt werden, ist legitim, also nicht unanständig. Wer dieses Konzept genauer betrachtet, erkennt sehr schnell, dass hier Golfinteressenten eine Alternative zum VcG geboten wird.

In Wiesbaden schloss man messerscharf, dass hier was ist, was nicht sein darf. Und prompt malt der kaufmännische Geschäftsführer des DGV in einer Rundmail am 21. Oktober den Teufel BVGA an die Wand und macht das Konzept runter. Er redet von Kannibalisierung, von Preiserosion und beklagt in diesem Zusammenhang, dass das BVGA-Konzept zur Verschlechterung der Erlöse vieler Golfanlagen beitragen würde. Herr Dallmeyer scheint ein Verdrängungsmeister zu sein. Denn der Kanibalisierungsprozeß ist bereits seit der VcG-Inszenierung in den 90er Jahren im Gang. Wird es nicht so sein, dass nicht die Golfclubs, sondern die VcG erodiert werden könnte? Dass die DGV-Cash Cow VcG plötzlich mit leerem Euter dastünde?

Dallmeyers Vorstoß fand gleich am nächsten Tag ein jähes Ende. In der Rundmail am 22. Oktober rückte er von seinem Rundumschlag ab und empfahl, das BVGA-Angebot sorgfältig zu prüfen. Dieser plumpe Vorstoß allein lässt tief blicken. Aber wie geht es weiter?

Die VcG, selbsternannter Förderer des Golfsports, ist nun auch Cash Cow für den Profisport. Die nicht unbeträchtlichen Mittel, die sonst in „Abschlag Schule“ flossen, sind umgeleitet worden und bereichern jetzt den Pott der Rydercup-Enthusiasten. So weit so gut oder so weit so schlecht. Jetzt kommt der DGV daher und will in altbekannter Manier in einem Parforceritt an das Geld der Amateure. Tatort Frankfurt, einmal mehr ein außerordentlicher Verbandstag Ende November 2010. Tagesordnung: Eröffnung / Begrüßung, Informationen zur Ryder-Cup-Bewerbung, Erweitertes Schulgolf-Konzept und „Beschlussfassung über die Erhöhung des DGV-Jahresbeitrages für Schulgolf-Aktivitäten“. Von drei Euro mehr ist die Rede.

Ich möchte keinem meiner werten Vorstandskollegen in den Golfclubs zu nahe treten. Aber Hand aufs Herz, ist denn der Schulsport im eigenen Revier Sache des DGV? Was hat der DGV sich in unsere regionalen Marketingaktivitäten einzumischen. Wir kennen die Leute vor Ort, wir haben unsere eigenen Connections und wir arbeiten ohnehin schon eng mit Schulträgern und deren Sportpädagogen zusammen. Warum sollen wir den Umweg über den DGV machen, warum die Sportlehrer beim DGV betteln lassen, wenn sie ohnehin zu uns kommen? Ich kann es ja verstehen, wenn der DGV sein Budget künstlich aufblasen möchte. Aber vor Ort hat er nichts zu suchen, das ist unsere alleinige Domäne. Und wir können das Geld unserer Mitglieder selbst zweckdienlich und erfolgsorientiert verteilen. Denn wir haben die Nähe, nicht der DGV.

Und noch etwas dürfte von Relevanz sein: Die Erhöhung der Verbandsbeiträge ist gleichbedeutend mit einer Beitragserhöhung vor Ort. Mit anderen Worten, Beitragsordnungen sind zu überarbeiten und Erhöhungen sind durch Mitgliederversammlungen zu legitimieren. Und jetzt greift wieder die altbewährte Praxis der DGV-Strategen: Man legt schnell einen außerordentlichen Verbandstag vor die regulären Mitgliederversammlungen und lässt die Erhöhung der Verbandsbeiträge beschließen – das Quorum von zwanzig Prozent der Verbandsmitglieder hat bislang immer ausgereicht für Entscheidungen bzw. Beschlüsse, die der Mehrheit der Verbandsmitglieder in der Regel schwer im Magen lagen. Damit muss langsam Schluss sein.

Warum diese Eile des DGV? Was brennt denn an? „The answer my friend is blowing in the wind“, könnte man sagen. Geht es etwa um Besitzstandswahrung? Warum will der DGV Clubvorstände einmal mehr in Verlegenheit bzw. in Zugzwang bringen? Mit dem Votum der Mitglieder könnte eine zweifelsfreie demokratische Entscheidung zur Erhöhung der Verbandsabgaben gefällt werden. Aber so? So kann es ein, dass der außerordentliche Verbandstag die Erhöhung beschließt, die Mitglieder hingegen sie ablehnen – der Club muss auf jeden Fall zu Lasten eigener Projekte bezahlen. Die geplante Verbandsabgabenerhöhung muss die „Rote Karte“ bekommen.

Der DGV wäre gut beraten, die Schulsportaktivitäten den Clubs zu überlassen. Dann könnte dieser Punkt von der Tagesordnung des außerordentlichen Verbandstags 2010 genommen werden. Und da dieser Verbandstag dann keinen Sinn mehr machen würde, könnte er ganz gestrichen werden. Das spart Zeit und Geld, die für wichtigere Dinge eingesetzt werden könnten.

Schließlich noch einige Worte zum Ryder Cup: Dieser Cup ist an Profis gerichtet, die in der Rangliste der Millionengewinne ganz vorn rangieren. Beim Aufmarsch solcher Prominenz müssten Sponsorengelder nur so sprudeln. Warum sollen also Amateure dafür bluten, wenn Funktionäre die Backen aufblasen, aber nicht pfeifen können.

Sicher dürfte der Ryder Cup für Deutschland interessant sein. Aber wenn die großen Unternehmen hierzulande nicht in Geberlaune sind, wie das in den angelsächsischen Staaten beispielsweise üblich ist, kann das nur bedeuten, dass unsere potenziellen Sponsoren dem Ryder Cup kaum Bedeutung beimessen.

Über den Ryder Cup Austragungsort haben wir noch nicht gesprochen. Müssen wir aber, damit das Bild vollständiger wird. Zwei real existierende Golfanlagen waren als Austragungsort im Fokus: Green Eagle bei Hamburg und Arosa bei Berlin. Aus Golfersicht wären beide Anlagen völlig Ryder Cup geeignet gewesen. Den Zuschlag für die Ausrichtung des Ryder Cups erhielt jedoch der Wittelsbacher Golfclub in Bayern, und zwar mit einer Golfanlage, die nur auf dem Papier bestand. Wer akquirierte? Frank Thonit, Geschäftsführer des Wittelsbacher Golfclubs, seit 2006 Präsidiumsmitglied des DGV, seit kurzem auch DGV-Vizepräsident. Nicht zuletzt in diesem Zusammenhang dürfte interessant sein, dass vier der neun DGV-Präsidiumsmitglieder aus Bayern stammen. Ach, bevor ich es vergesse: Der Präsident des Bayerischen Golfverbandes ist der Aufsichtsratsvorsitzende der 2008 gegründeten RC Deutschland GmbH. Ein Schelm ist, wer böses dabei denkt.

Liebe Golferinnen und Golfer im GC Am Deister, mein nächster Kommentar wird sich mit den Strukturanpassungen im DGV befassen. Der Teufel steckt im Detail, wie die Sonderveröffentlichung des DGV zu diesem Thema offenbart.

Friedrich Schröder