Alex Cejka: „Jeder in meiner Situation würde Angst um die Zukunft haben“

Alex Cejka

Alex Cejka bei den BMW International Open 2011

Für Alex Cejka war es ein wechselvolles Jahr: In der gesamten Saison 2011 litt er an einer Grasallergie, zum Jahresabschluss erreichte er trotzdem wieder zwei Top-10 Platzierungen. Wie wird 2012 werden?

Doch erstmal blicken wir zurück. Was charakterisiert ihre Golfsaison 2011, der Kampf mit der Allergie oder der gute Abschluss mit einem zweiten Platz beim Omega Mission Hills World Cup mit Martin Kaymer und dem achten Platz bei den Thailand Golf Championship?

Ich denke beides. Klar, meine Allergie hat mich vom Anfang des Jahres richtig belastet. Bis zur US Open konnte ich noch das ein oder andere Turnier spielen, ab da ging dann nichts mehr. Ich freue mich natürlich über die letzten beiden guten Ergebnisse des Jahres, denn ich habe wieder sehr gut gespielt.

Wie sieht es denn momentan mit der Grasallergie aus? Ist denn in den letzten Wochen eine Besserung eingetreten?

Ich kann leider noch nicht behaupten, dass die Grasallergie ausgeheilt wäre, denn dafür habe ich noch zu wenig gespielt. Ich befürchte, dass manchmal zu warmes Klima die Allergie zum Ausbruch brachte. Ich versuche die Faktoren, die zum Ausbruch führen, herauszufiltern und sie dann hoffentlich erfolgreich zu behandeln.

Also ist die Hitze teil weise Auslöser der Probleme?

Ich denke schon, denn bei sehr warmen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit tritt der Juckreiz meist heftiger auf. Ich kann es aber nicht genau beurteilen, denn es könnte auch an den Grassorten auf dem jeweiligen Platz liegen. Ich arbeite immer noch mit meinen Ärzten in Las Vegas und München daran, die genauen Auslöser für die Allergie herauszufinden und in den Griff zu bekommen.

Sie haben einen Albatros in Pebble Beach gespielt und beim World Cup spektakulär von außen eingechippt. Wie wichtig ist ihnen denn neben guten Scores auch spektakuläres Golf?

Es macht Spaß, wenn man außergewöhnliche Schläge macht, aber jeder weiß, mit einem spektakulären Schlag gewinnt man kein Turnier. Beim Albatros beim AT&T in Pebble Beach hat man es ja gesehen, ich habe am Ende kein Top 10 Gesamtergebnis erzielt. Der Albatros hat mir also nicht viel geholfen. Was wichtig ist bei Turnieren, man braucht Konstanz über vier Runden. Ein Albatros oder ein Hole in One kann dazu beitragen, dass man weiteres Selbstvertrauen bekommt, aber wie gesagt, die Konstanz ist wichtiger, als außergewöhnliche Schläge.

Schauen Sie sich solche Höhepunkte nochmals auf Video an?

Eigentlich gar nicht. Man sieht solche Schläge ab und zu noch im TV, wenn ich im Hotelzimmer bin und mir den amerikanischen Golf Channel anschaue. Wichtiger ist jedoch, dass man sich nach solch einem spektakulären Schlag wieder auf die nächsten Schläge konzentriert, dies ist auch für die meisten Spieler sehr schwer, denn man hat in dem Moment ein außergewöhnliches Glücksgefühl und verliert etwas den Fokus auf das Wesentliche. Das bringt nicht selten Unruhe ins eigene Spiel.

Wie viel Selbstvertrauen gibt ihnen denn jetzt der achte Platz, den sie am letzten Wochenende in Thailand erzielt haben für die neue Saison?

Ganz viel. Ich muss sagen ich bin sehr stolz und habe sehr gut gespielt. Dieses Ergebnis zeigt mir, dass ich wieder auf einem guten Weg bin. Ich weiß, dass ich ein guter Spieler bin und in den letzten Jahren weit unter meinem Niveau gespielt habe. Dies zeigt auch meine Platzierung in der Weltrangliste, wo ich vor ein paar Jahren noch unter den Top-50 war. Die Ergebnisse beim World Cup und in Thailand zeigen aber auch, dass mit mir immer noch zu rechnen ist. Ich muss versuchen mehr Konstanz in mein Spiel zu bringen, denn ich habe immer eine Runde dabei, die mir ein gutes Gesamtergebnis verhagelt. Wenn ich es schaffe die Konstanz in mein Spiel zu bekommen, dann kann ich Turniere gewinnen, da bin ich mir sicher.

Jetzt ist Winterpause, werden da die Schläger erst einmal in die Ecke gestellt oder trainieren sie weiter, um beim Saisonstart wieder in Form zu sein?

Eigentlich trainiere ich immer. Meine Kinder kommen nach Las Vegas, um gemeinsam Weihnachten und Silvester zu feiern, darüber freue ich mich sehr. Ich werde aber trotzdem täglich ein oder zwei Stunden trainieren, dass bin ich halt. Natürlich werde ich auch Ruhepausen einlegen, um mich zu erholen. Ich muss sagen, ich habe immer noch großen Spaß am Golfspiel und am Trainieren.

Fünf Turniere bleiben ihnen 2012 durch die „Medical Extension“ auf der US PGA Tour, ihre volle Tourkarte doch noch zu schaffen. Wie groß ist da der Druck für sie gleich am Anfang der Saison?

Es gibt immer Druck. Egal, ob ich eine Tourkarte habe oder nicht. Jedes Jahr beginnt der Kampf darum im Januar und endet im Herbst. Egal welches Turnier man spielt, die Konkurrenz ist immer groß. Es kommen immer neue und junge Spieler nach, die teilweise stärker sind oder die Bälle weiter schlagen und keine Angst haben. Bei fünf Turnieren gibt es natürlich einen gewissen Druck, denn ich muss ein paar sehr gute Ergebnisse abliefern. Wenn ich in Form bin, kann ich mich bei ein paar Turnieren unter die Top-5 spielen und die Tourkarte doch noch schaffen. Es wird allerdings nicht einfach werden.

Steht denn schon fest welche Turniere sie spielen werden?

Ja, ich werde zum ersten Mal bei der Human Challenge, der ehemaligen Bob Hope Classic, am 19. Januar 2012, an den Start gehen. Dann ist mein Plan als nächstes beim AT&T Pebble Beach National Pro-Am zu spielen, denn ich liebe dieses Turnier. Anschließend steht die Honda Classic im PGA National Resort in Palm Beach auf meinem Programm, wo ich meine Freunde Claudia und Jürgen Rassmann wieder treffen werde.

Sollte der Fall eintreten, dass sie bei den fünf Turnieren ihre Tourkarte nicht erzielen können, was passiert dann?

Ich bin in der Moneylist momentan auf Rang 163 und benötige nur $ 67.041,– an Preisgeld in den fünf Turnieren, um mich unter die Top-150 zu schieben. Schaffe ich das, bekomme ich eine Kategorie auf der US PGA Tour und kann dadurch noch einmal sieben bis zehn Turniere spielen. Ich habe auch eine „Medical Extension“ auf der European Tour bekommen und dadurch die Möglichkeit auf der European Tour zu spielen.

Macht man sich denn Gedanken über die berufliche und finanzielle Zukunft, wenn man wie Sie, einer hartnäckigen Krankheit ausgesetzt ist?

Klar, jeder in meiner Situation würde Angst um die Zukunft haben, wenn man sechs Monate nicht richtig spielen konnte. Man macht sich viele Gedanken darüber, wie es weiter geht. Ich versuche daran zu denken, welch tollen Beruf ich habe und die positiven Dinge in den Vordergrund zu stellen. Ich setzte alles daran und werde weiter kämpfen, um an meine einstigen Erfolge anknüpfen zu können.

Auf welcher Tour kommen sie denn am besten zurecht, Amerika oder Europa?:

Ich muss sagen auf beiden Touren. Ich mag beide Touren, doch momentan bin ich in Las Vegas zuhause. Auf der US PGA Tour zu spielen war immer ein Traum von mir, den ich mir erfüllt habe. Es macht großen Spaß hier, doch meine Wurzeln liegen in Europa. Ich habe noch viele Verbindungen und Freunde dort. Ich freue mich immer auch Turniere in Europa spielen zu können.

Gibt es für sie eine Spielsituation der vergangen Saison, die ihnen besonders stark im Gedächtnis geblieben ist. Zum Beispiel der Putt für den zweiten Platz beim World Cup?

Ich denke sie haben es richtig eingeschätzt. Beim letzten Putt in Mission Hills beim World Cup stand ich schon mächtig unter Druck. Es hat sehr großen Spaß gemacht mit Martin Kaymer zu spielen und ich hätte es schade gefunden, wenn wir nicht Rang zwei belegt hätten, denn wir haben uns sehr gut ergänzt und gut gespielt. Dieser Putt aus gut 5m war kein „Gimmie“, aber ich war mir sicher, dass ich ihn lochen konnte. Mein gutes kurzes Spiel hat mir in der Woche viel Selbstvertrauen gegeben. Ich hatte in den Runden zuvor auch ein paar Bälle von außen eingechippt und lange Putts versenkt.

Wir danken Ihnen für das Gespräch!

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