British Open 2019 und der Gewinner ist: „Der Amateurgolfer“

Manche Leser werden sich jetzt fragen spinnt der Autor dieser Zeilen? Hat er nicht gesehen, dass der sympathische Ire Shane Lowry beeindruckender Weise Sieger dieser Open 2019 geworden ist? 

Natürlich ist klar, dass Lawry die Open gewonnen hat, auch wenn er nicht zum innersten Kreis der Favoriten vor dem Turnier gehört hat. Wie aber komme ich zu der These, dass die „Amateurgolfer“ die eigentlichen Gewinner dieser Open sind? Nun, schon aufgrund der Ergebnisse der ersten beiden Runden hat sich gezeigt, dass die Superstars auch nur Menschen sind. Wenn Sie sich die Ergebnisse auf dem Par 71 Platz ansehen:

  • Mc Ilroy 78
  • Woods 78
  • Jimenez 82
  • Stenson 76
  • Schauffele 78
  • Garcia 78

und last but not least, die frühere Nummer 1 der Welt und oftmaligen Majorsieger

  • David Duval mit einer 91 und 78, insgesamt mit 27 über Par.

Wir sprechen hier nicht über die Ergebnisse einer Clubmeisterschaft des Golfclubs XY, sondern über die Crème de la Crème des Golfsports.

Es handelt sich hier um die Superstars, Majorsieger, ehemalige Nummer 1 der Weltrangliste der internationalen Golfszene.

Warum also der Bezug auf den Amateurgolfsport? Seit langer Zeit bin ich nun schon ein Gegner des hiesigen Handicapsystems, dass ja nur eines von weltweit insgesamt sechs Systemen ist und zugleich das komplizierteste System in meinen Augen. Es fördert vor allem die Statusgeilheit, heißt es bei uns doch: „Sage mir welches Handicap Du hast und ich stufe Dich ein.“

Spielt jemand bei uns einige Zeit sein Handicap um einige Schläge nicht, so wird ihm vielfach unterstellt, dass er sich sein Handicap erschwindelt hat oder es nicht richtig ist.

Dies kennen Sie doch oder?

Eindeutig ist, dass dieses bei uns praktizierte System fast nie das aktuelle Spielvermögen der meisten Golferinnen und Golfer wiederspiegelt. Es ist zu unflexibel um auf die Leistungsschwankungen z.B durch Krankheit, Alter, wenig Spielpraxis aus diversen Gründen, zu reagieren. Auch dass ein Handicap zumeist nur in Turnieren erworben kann, ohne Ergebnisse in Runden auf privater Basis, welche ja die Mehrheit der Golfrunden darstellen, zu berücksichtigen ist falsch. Es wird leider dabei sofort „Schwindeln“ unterstellt.

Irgendwie kommt es mir dabei vor, dass man den Golferinnen und Golfern in Deutschland und Österreich den Sinn und Zweck des Handicapsystems nicht richtig vermittelt?

Im Tennis beispielsweise wird ihnen ein besserer Spieler kaum Punkte vorgeben und somit wird dies dann sehr einseitig.

Foto: Heinz Schmidbauer

The Open 

Anstelle des Statussymbols z.B. „ach du lieber Gott , er/sie hat ja ein Singlehandicap“, sollte begriffen werden, dass diese in anderen Sportarten nicht bekannte Spielmöglichkeit eben kein Statussymbol ist, sondern die Möglichkeit, dass sich bessere Spieler durchaus mit weniger guten Spielern matchen können. Voraussetzung dabei müsste aber sein, dass beiderseits die Vorgabe aktuell ist. Diese Aussage soll keinesfalls den Respekt vor der Leistung eines sogenannten Singlehandicapers“ verfehlen. Es geht doch darum, dass mit einer ehrlichen, der gerade möglichen, angepassten Leistung mittels einer entsprechenden Vorgabe gespielt werden soll. Bei allem Verständnis, die Wurzel allen Übels ist, dass bei uns Golfer, besonders im fortgeschrittenem Alter, sich zusehends Turnieren verweigern, weil man Angst hat, sich zu „blamieren“. Damit meine ich, dass viele Golferinnen und Golfer – aus welchen Gründen auch immer – nicht in der Lage sind, die irgendwann erzielte Leistung bestätigen zu können. Ist es beispielsweise eine Schande, wenn man mit 70 oder älter nicht mehr das Handicap erspielen kann, wie mit 40? Nein, es ist der natürliche Lauf der Dinge und auch richtig so und man sollte dazu auch ohne Jammern stehen. Auch ein Armin Harry (für Jüngere: er war 1960 Olympiasieger über 100m und ehemals schnellster Mann der Welt, und auch ein sehr guter Golfer) kann heute mit 80 nicht annähernd so schnell laufen!

Foto: Heinz Schmidbauer

Wenn man nun die Ergebnisse bei den Open betrachtet und gesehen hat, wie JB Holmes und auch Justin Rose in der letzten Runde Bälle geshankt haben wie Platzreifespieler, dann muss dies auch für Amateurgolfer eine Genugtuung sein. Keiner dieser Superprofis käme jedoch auf die Idee, sein Statussymbol, wegen schlechter Ergebnisse angekratzt zu fühlen. Warum? Diese Profis ärgern sich zwar wegen schlechtem Spiels. Aber sie wissen: diese Leistungsschwankungen gehören zum Golfsport.

Im Gegensatz zu anderen Sportarten gibt es auch in der Spitze keine sogenannten Seriensieger, wie z.B im Tennis. Auch als ehemaliger Profi kann ich Ihnen sagen, das alte Sprichwort meines Lehrmeisters Arnold Palmer gilt für alle:

Golf keeps you always small, equal which level you are playing!“

Wenn nun Amateurgolferinnen und Amateurgolfer dies begreifen, dann sind sie mit Blick auf die Ergebnisse der diesjährigen Open die wahren Gewinner,

In meinem neuen Buch „Die Jagd nach Golf können Sie vieles nachlesen und sich diesbezüglich viele Tipps abholen.

Weiterhin wünsche ich allen Lesern ein

schönes Spiel!

Ihr

Heinz Schmidbauer

Autor des Buches „Die Jagd nach Golf“ (Redi Romaverlag, erhältlich in Buchhandlungen und auch bei Amazon)

Heinz Schmidbauer

Über Heinz Schmidbauer

Der Golfpro Heinz Schmidbauer blickt auf eine 40 jährige Golferkarriere zurück. Der Diplomierte Sportlehrer betreute als Trainer viele internationale Sportstars und arbeitete mit berühmten Sportlern wie Arnold Palmer, Nick Bolletieri und Patrick Ortlieb zusammen. Seine Golferfahrung, auch als ehemaliges Mitglied der European Challenge-Tour, brachten ihn auf alle Kontinente der Erde. Wobei er auf 3 Kontinenten Profiturniere gewann. Auch als Erbauer und Manager zahlreicher Golfanlagen (ua. Golfclub Kobernausserwald, GC Maria -Theresia) machte er sich einen Namen. Er lebt heute vorwiegend in Italien und Österreich.

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