Zehn Monate Insolvenzverfahren, mehrere gescheiterte Investorengespräche – und am Ende retten die Mitglieder ihren Club selbst. Der Golfclub Schloss Weitenburg im oberen Neckartal wird künftig von einer eigens gegründeten Betriebsgesellschaft und einem neuen Verein getragen. Alle Arbeitsplätze bleiben erhalten, der Spielbetrieb läuft ohne Unterbrechung weiter. Die eigentliche Arbeit beginnt aber jetzt erst.
Die Lösung: übertragende Sanierung ohne externen Investor
Insolvenzverwalter Steffen Beck von der PLUTA Rechtsanwalts GmbH hat für die Golfanlage in Starzach eine Fortführungslösung erzielt – allerdings nicht die, auf die im Verfahren lange hingearbeitet wurde. Gespräche mit mehreren externen Interessenten, teils weit fortgeschritten, führten zu keiner Einigung. Stattdessen greift nun eine sogenannte Inhouse-Lösung im Rahmen einer übertragenden Sanierung.
Mitglieder des Clubs haben dafür zwei neue Rechtsträger geschaffen: die Golfclub Schloss Weitenburg Betriebs GmbH i. G. und den Golfclub Weitenburg 1984 e. V. Beide erwerben sämtliche Assets sowie die Anteile an der „Golfanlage unter der Weitenburg UG“. Sämtliche Mitarbeiter werden übernommen.
„Besonders erfreulich ist, dass sich Mitglieder des Clubs zusammengeschlossen haben und damit selbst Verantwortung für die Zukunft des Golfclubs übernehmen“, sagt Beck. Für die Gläubiger sei damit das bestmögliche Ergebnis erzielt worden. Joachim Kern, Geschäftsführer der neuen Betriebsgesellschaft, ordnet den Schritt so ein: „Der Golfclub Schloss Weitenburg ist für seine Mitglieder weit mehr als eine Sportanlage.“
Angaben zu Kaufpreis und Finanzierung der Übernahme wurden nicht veröffentlicht.
Der Grund für die Pleite: 400 Mitglieder weniger
Die Insolvenz hat eine Vorgeschichte – und die ist für jeden Clubmanager in Deutschland lehrreich. Der Schwarzwälder Bote sprach im November 2025 mit AG-Vorstand Michael Kraus. Dessen Zahlen zeichnen ein deutliches Bild: In den besten Zeiten hatte der Club rund 1.200 Mitglieder, zuletzt waren es wieder etwa 800 – rund 60 Prozent davon aus dem Großraum Stuttgart. Allein die Platzpflege verschlingt nach Angaben von Kraus eine halbe Million Euro pro Jahr.
Diese Kostenbasis lässt sich nicht beliebig herunterfahren: Ein 18-Loch-Platz braucht dieselben Greenkeeper-Stunden, ob 800 oder 1.200 Mitglieder zahlen. Sparen sei deshalb nicht die Lösung, sagte Kraus – er setzte schon damals auf einen Neuanfang.
Dazu kommt ein Faktor, der viele deutsche Anlagen trifft: Wasser. Im Dürresommer 2022 galt am Neckar ein Entnahmeverbot, der Rasen vertrocknete. Inzwischen existiert ein Speicherteich neben dem Fluss, der die Grüns laut Kraus etwa vier bis fünf Wochen über eine Hitzeperiode bringen kann. Eine Gästebewertung vom Juni 2026 beschreibt den Platzzustand dennoch als stark unter Trockenheit leidend – ein Hinweis darauf, dass die neuen Betreiber operativ einiges vor sich haben.
Das Gelände selbst gehört dem Club nicht: Es ist von Max-Richard Freiherr von Rassler, dem Eigentümer der Weitenburg, angepachtet. Die Pacht bezeichnete Kraus als „moderat“.
Chronologie des Verfahrens
Die Golfclub Schloss Weitenburg AG stellte wegen Liquiditätsproblemen Insolvenzantrag. Am 7. November 2025 ordnete das Amtsgericht Tübingen die vorläufige Insolvenzverwaltung an und bestellte Beck zum vorläufigen Verwalter. Am 28. Januar 2026 folgte ein allgemeines Verfügungsverbot, am 1. Februar 2026 wurde das Verfahren unter dem Aktenzeichen 22 IN 439/25 eröffnet – laut Gerichtsbeschluss wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Die Frist zur Forderungsanmeldung lief bis zum 3. März 2026.
Der Geschäftsbetrieb lief während der gesamten zehn Monate uneingeschränkt weiter, Platz und Gastronomie blieben durchgehend geöffnet. Auf der Club-Website steht inzwischen schlicht: „Beim Golfclub Schloss Weitenburg geht es weiter!“
Inhouse-Lösung: Chance und Risiko zugleich
Das gewählte Modell – Verein plus Betriebsgesellschaft – ist in der deutschen Golflandschaft verbreitet und hat einen klaren Vorteil: Die Mitglieder, die den Club finanzieren, entscheiden auch über ihn. Kein Investor zieht Kapital ab, keine Renditeerwartung drückt auf Beiträge oder Greenfees.
Der Nachteil liegt ebenso offen: Ein Mitgliederkonsortium bringt in der Regel kein frisches Investitionskapital in nennenswerter Höhe mit. Beseitigt ist mit der übertragenden Sanierung die Altlast – die strukturelle Lücke zwischen Fixkosten und Mitgliederbasis besteht fort. Gelingt es nicht, die Zahl der Beitragszahler wieder Richtung 1.000 zu bringen, stellt sich dieselbe Frage in einigen Jahren erneut.
Bemerkenswert ist zudem die Namensvielfalt: Neben der abzuwickelnden AG existiert bereits ein „Golfclub Stuttgart Weitenburg e. V.“, an den laut Schwarzwälder Bote der 9-Loch-Kurs in den Talauen verpachtet wurde. Der neue Träger heißt nun „Golfclub Weitenburg 1984 e. V.“. Wie sich diese Strukturen künftig zueinander verhalten, ist bislang nicht öffentlich erläutert.
Einordnung: Golf wächst, Golfanlagen werden weniger
Der Fall Weitenburg steht exemplarisch für eine Entwicklung, die in den Verbandszahlen untergeht. Der Deutsche Golf Verband meldete im Januar 2026 mit 695.617 registrierten Mitgliedschaften einen Rekordwert, ein Plus von 8.909 gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig sank die Zahl der Golfanlagen um fünf auf 721 – und nur 47,7 Prozent aller Anlagen berichteten überhaupt von steigenden Mitgliederzahlen. Mehr als die Hälfte stagniert oder schrumpft. Wir beobachten schon länger den wirtschaftlichen Druck unter dem viele Golfanlagen stehen.
Der Sport wächst also, aber das Wachstum verteilt sich ungleich. Anlagen in Ballungsraumnähe mit guter Erreichbarkeit profitieren, Standorte im ländlichen Raum mit langen Anfahrtswegen geraten unter Druck. Weitenburg liegt rund 60 Kilometer südlich von Stuttgart – für 60 Prozent der Mitglieder eine gute Stunde Fahrt pro Richtung.
Die Anlage
Der Club wurde 1984 gegründet und liegt in Starzach-Sulzau im Landkreis Tübingen, eingebettet in das Landschaftsschutzgebiet des oberen Neckartals. Der 18-Loch-Platz stammt vom Architekten Heinz Fehring und spielt sich über Par 72 auf rund 5.978 Metern von den gelben Abschlägen. Die Bahnen 2 bis 6 verlaufen auf einem Plateau oberhalb des Tals, ab Bahn 7 öffnet sich der Platz in ein Parkland-Layout entlang des Neckars, der mehrfach überquert wird. Über allem liegt das namensgebende Schloss Weitenburg im Blickfeld.
Ergänzt wird die Anlage durch einen öffentlichen 9-Loch-Platz von 2001, der ohne Platzreife bespielbar ist – zusammen die vom Club beworbenen 27 Löcher. Gespielt wird ganzjährig.
Der Platz liegt im Landschaftsschutzgebiet des oberen Neckartals, und die Landschaft ist hier nicht Kulisse, sondern Gegner. Heinz Fehring hat 1984 einen Kurs gezogen, der sich in zwei klar getrennte Hälften teilt. Schon Bahn 1 zieht schräg und bergauf, danach führen die Bahnen 2 bis 6 über ein Plateau oberhalb des Tals: Höhenmeter, Schräglagen, kein ebener Stand, dafür weite Blicke über die bewaldeten Hügel. Wer die Runde genießen statt erarbeiten will, bucht ein E-Cart.
Ab Bahn 7 kippt der Charakter. Der Platz öffnet sich in ein ebenes Parkland-Layout in den Auen, breite Fairways wechseln mit Abschlägen aus schmalen Schneisen, und der Neckar wird mehrfach überspielt. Die zweiten Neun sind flach, aber lang – Bäche, Biotope und gut platzierte Grünbunker halten den Druck hoch. Über allem bleibt das Schloss Weitenburg im Blick, das von vielen Bahnen aus zu sehen ist und dem Platz seine Bildsprache gibt.
Par 72, 5.978 Meter von Gelb, Slope 126: sportlich fordernd, aber kein reiner Kraftplatz. Wer den Kurs zum ersten Mal spielt, tut sich mit dem Fairwayverlauf stellenweise schwer – eine zweite Runde lohnt hier mehr als anderswo.