Neben Hüfte und Wirbelsäule ist die Schulter bzw. das Schultergelenk eine der Schwachstellen vieler Golferinnen und Golfer. Besonders betroffen von diesen Problemen sind ältere Menschen.
Vor ca. 40 Jahren war z. B. eine Kreuzbandruptur eine sehr schwere Verletzung. Mein Bein wurde bei meinem ersten Kreuzbandriss in den 1980er-Jahren wochenlang in einen Vollgips und sechs Wochen in eine Gipsschale gepackt. Man kann sich vorstellen, wie das Bein danach aussah. Obwohl ich trotz Gips täglich den Weg von einer Privatklinik in Feldafing/Starnberg zur Drivingrange des GC Feldafing nicht scheute, dauerte es fast ein Jahr, bis ich wieder normal gehen und spielen konnte. Nun, nach weiteren OPs (u. a. zwei neue Knie, sieben Wirbelsäulen-OPs), war das Schultergelenk an der Reihe.
Ein neues Schultergelenk in anderthalb Stunden
Seit einigen Jahren schmerzte es, und mein behandelnder Orthopäde Dr. Michael Koller, zugleich Arzt beim DSV, stellte eine (von zwei) gerissene Bizepssehne fest sowie starke Abnutzungserscheinungen im Schultergelenk. Mir war klar: Es ist eine Frage der Zeit, bis die restlichen Sehnen und die Rotatorenmanschette reißen. Beim Aussteigen aus dem Auto traf es mich dann vollkommen unvorbereitet. Ein Stich, und es war so weit. Bereits vorher hatte ich mit Prof. Dr. Ockert, München (genannt „Schulter-Ockert“), einen Schulterprofi kontaktiert, der mich innerhalb kürzester Zeit operierte und ein neues Gelenk einsetzte. Etwa 1,5 Stunden dauerte die OP. Anschließend hätte ich theoretisch nach Hause gehen können. Gleiches ist heute übrigens auch bei künstlichen Knien möglich. Unglaublich, wenn man dies liest, welchen Fortschritt die Medizin gemacht hat.
Nach der OP aber beginnt die Arbeit. Nicht zu viel Training, hauptsächlich nicht mit Geräten (laut meinem Doc bin ich da gefährdet). Die Dosis macht es. Mein Glück: Die Erfahrung aus meinen früheren Verletzungen half und hilft mir dabei, plus ein Physio, der früher im Hochleistungssport tätig war. Neben einem guten Operateur Ihres Vertrauens sollten Sie auch einen erfahrenen Physiotherapeuten aufsuchen. Gerade beim Golf wird das Schultergelenk als das komplizierteste Gelenk des menschlichen Körpers besonders belastet. Eine neuere Untersuchung ergab, dass der menschliche Körper gerade mit zunehmendem Alter je nach beruflicher Vorbelastung Verschleißerscheinungen zeigt, besonders in den erwähnten Gelenken, Sehnen und Muskeln. Hinzu kommt, dass die Bevölkerung zunehmend älter und im Beruf körperlich weniger belastet wird. Gerade im Freizeitsport werden diese Belastungsgrenzen jedoch überschritten, wenn ich die Radfahrer, Marathonläufer u. v. m. besonders im Seniorenalter sehe. Dies verstärkt die Zunahme an Verletzungen.
Nach 9 – 15 Wochen ist Golfen wieder möglich
Wenn nun der „Worst Case“ eingetreten ist, wird vor allem nach der OP das richtige Aufbautraining entscheidend sein. Wenn man oft von Profisportlern hört, dass diese wenige Wochen nach einer Schulter- oder Kreuzband-OP wieder aktiv sind, erleiden und riskieren viele dieser Profis eine Wiederholung der Verletzung. Der menschliche Körper unterscheidet nicht zwischen Profi oder Amateur und benötigt in beiden Fällen einfach Zeit zur Heilung. Der Unterschied ist aber, dass Profis konsequenter ein Aufbautraining absolvieren. Im Golf heißt dies: Erst wenn die vollständige, schmerzfreie Beweglichkeit des Schultergelenks hergestellt ist und der Arzt sein Okay gibt – in der Regel nach 9 bis 15 Wochen –, kann man mit leichten Golfübungen beginnen.
Mit dem Putten als Einstieg ist es früher möglich. Wenn Sie so weit sind, besorgen Sie sich leichte Golf-Luftbälle. Nach Aufwärmübungen speziell für das SCHULTERGELENK schlagen Sie mit etwa 60–70 % und einem 7er- oder 8er-Eisen einige der erwähnten Bälle. Bitte vorerst nur vom Tee – dies gilt auch für die ersten Schläge mit „normalen“ Bällen! Man sollte sich über PUTTEN – CHIPPEN – PITCHEN an den normalen Golfschwung heranarbeiten. Gleiches gilt dann für Ihren Golfschwung. Beginnen Sie mit „kleinen Eisen“ und nur 60–70 % Ihrer Power.
Belassen Sie es anfangs bei einem Korb Bälle. Warten Sie, ob Sie eine Reaktion des Gelenks spüren. Spielen Sie anfangs nicht täglich. Hören Sie in Ihren Körper hinein. Bei Beschwerden legen Sie ein paar Tage Pause ein, wenn nötig konsultieren Sie Ihren Arzt. Ich empfehle Ihnen, den Driver erst nach einigen Monaten auszupacken. Die Wucht, die der Driver auslöst, wird oft unterschätzt. Natürlich reizt es Sie, den Driver möglichst früh zu benutzen – seien Sie gewarnt und lassen Sie sich Zeit damit. Begleitend ist es immer sinnvoll, sich weiterhin von einem Physiotherapeuten betreuen zu lassen. Auch Schwimmen ist anzuraten, hier aber Brustschwimmen; erst viel später können Sie kraulen. Natürlich wäre der Besuch von Thermen ideal. Persönlich gehe ich gerne mit meinen „Schützlingen“ nach Montegrotto/Abano in Italien in der Nähe von Padua. Neben den Thermen ist die Gegend mit vielen Golfplätzen gesegnet, die fast ganzjährig bespielt werden können.
In der Hoffnung, dass Sie von Verletzungen verschont bleiben, wünsche ich Ihnen weiterhin ein
Schönes Spiel.
Ihr
Heinz Schmidbauer