Was hat ein toter Maler mit der British Open zu tun? Mehr, als Sie denken!
Vor kurzem verstarb in der Kulturstadt Salzburg der dort ansässige Maler Georg Baselitz. Dies sorgte natürlich in der Presse für ein entsprechendes Echo. Sofort folgten gut besuchte Ausstellungen.
Im Juli finden die British Open statt, dieses Mal im Royal Birkdale Golf Club. Das ist bereits jetzt in den Schlagzeilen der internationalen Medien.
Was haben nun die beiden konträren Themen miteinander zu tun?
Hier Kultur, da der Sport? Schon lange behaupte ich, dass bestimmte Ereignisse oder Lebensweisen die Seele eines Volkes widerspiegeln. Was den Sport betrifft, schlägt das Herz der Österreicher vorrangig für den Skisport, das der Deutschen für Fußball. Diese Vorlieben lassen sich kaum auf andere Sportarten transferieren.
Der Run auf die Eintrittskarten zu den Open ist seit Jahrzehnten ungebrochen. 60.000 Zuschauer täglich und mehr. Ja, sogar bei den Trainingstagen vor dem eigentlichen Turnier ist es nicht leicht, einen guten Platz zu ergattern.
Dies sind unerreichbare Zahlen für den deutschen Golfsport.
In Deutschland flaut das Interesse und damit auch die Anzahl der zahlungskräftigen Golfsponsoren eher ständig ab. Statt wie vor einigen Jahren noch fünf große Turniere gibt es nur noch das BMW-Turnier, das von größerer Bedeutung ist.
Die Ursachen sind vielschichtig. Die vormalige European Tour, jetzt in DP World Tour umbenannt, leidet an permanentem Geldmangel und ist mehr oder weniger im Besitz der US PGA Tour, quasi der 1. Liga. Mit dem horrenden Preisgeld dort kann die zweit- oder sogar drittklassige DP World Tour (wenn man die LIV Tour hinzunimmt) nicht mithalten. Ergo spielen alle Spitzenspieler, wenn sie qualifiziert sind, auf der US PGA Tour. Das Fernbleiben von großen Stars (bis auf gelegentliche einzelne „Einkäufe“) oder Identifikationsfiguren vom Schlage eines Bernhard Langers tut ein Übriges. Ich kann mich an Turniere hier erinnern, als fast die ganze Weltelite hierzulande anwesend war. Diese Helden sind mittlerweile in die Jahre gekommen und treten gelegentlich nur noch auf der Seniorentour in den USA an, da die europäische Seniorentour finanziell noch weniger interessant ist wie die DP World Tour.
Von Großbritannien abgesehen ist aber der Golfsport im restlichen Europa immer noch kein Sport der Massen
Das geringe Interesse an Golfturnieren in Deutschland liegt primär an der starken Dominanz von Mannschaftssportarten, den hohen zeitlichen und finanziellen Einstiegshürden sowie hartnäckigen gesellschaftlichen Klischees.
Die wichtigsten Gründe im Detail:
- Starke Konkurrenz & Medienpräsenz: In Deutschland ist die Sportlandschaft historisch extrem auf Fußball und andere traditionelle Zuschauersportarten (in Österreich: Wintersport) fokussiert. Golfturniere erhalten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und in der breiten Presse nur wenig Sendezeit. Spartensender können dies nicht ersetzen.
- „Rentnersport“: Nach wie vor gilt Golf in der öffentlichen Meinung als elitäres, teures Hobby für ältere Menschen. Wenn Sie Krimis sehen: Golf wird immer als elitär präsentiert.
- Elitäres Clubwesen: Im Gegensatz zu den USA oder den skandinavischen Ländern ist Golf in Deutschland stark an traditionelle, geschlossene Mitgliederclubs mit oftmals strengen Kleider- und Verhaltensregeln gebunden. Das schreckt viele Neulinge ab. Es gibt kaum unkomplizierte „Einstiegelanlagen“, und die zwingend vorgeschriebenen Mitgliedschaften halten viele ab.
- Zeitlicher Aufwand: Die Vielzahl der Profiturniere im TV und vor allem deren verwirrende Bedeutung – wer spielt wo, in welcher Liga – macht es für Otto Normalgolfer schwierig. Der Ruf nach einer einheitlichen Weltrangliste wie im Tennis verhallt leider ungehört.
Vielleicht muss man sich eben bei uns mit dem jetzigen Status zufriedengeben?
Mein Tipp: Fahren Sie einmal zu den British Open. Es ist wirklich eine Sensation.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen weiterhin eine tolle Golfsaison.
Ihr Heinz Schmidbauer