Kommt die World Golf Tour?

Foto: Schmidbauer

Die Zeit scheint reif für grundlegende Änderungen im Golfsport. Nachdem im Amateurbereich die konkurrierenden Verbände USGA und R&A zum Erstaunen vieler Golfer für 2018 eine große Reform und Einigkeit im Regelwerk, sowie die Einführung eines weltweit einheitlichen Handicapsystems angekündigt haben, scheint auch im Profisport Bewegung in die verkrusteten Fronten der einzelnen Profitouren zu kommen.

Zumindest einer der prominentesten aktuellen Profispieler Rory McIlroy forderte dies ganz öffentlich und lautstark. Eigentlich ist für die meisten Golferinnen und Golfer das Ranking im Profigolf unverständlich.

Weder die verschiedenen Touren weltweit, noch die sogenannte Golfweltrangliste ist für Otto Normalgolfer verständlich. Was in anderen Sportarten wie Tennis oder Skifahren schon längst üblich ist, eine Welttour scheitert im Golf nun seit Jahrzehnten an der finanziellen Konkurrenzsituation der beiden führenden Unternehmen.

Die US PGA Tour und die European Tour sind gewinnorientierte, kommerzielle Unternehmen, deren Gewinnmaximierung auf den Rücken der Profis ausgetragen wird.

Die Forderung McÌlroys ist dabei nicht neu. Bereits vor Jahrzehnten, soweit ich mich erinnere, forderten die damaligen Stars wie Greg Norman, Seve Ballesteros, Faldo usw. eine Welttour.

Anlass war es damals – und ist es auch heute – das natürlich in den USA, wo Golf Nationalsport ist und gnadenlos viele Sponsoren bereitstehen, die Preisgelder um ein vielfaches höher sind als in Europa und dadurch natürlich die besten Profis an die dortigen Geldtöpfe gelangen wollen.

Der Vorschlag ist nicht neu

Die US PGA Tour schützte Ihre Interessen vor den starken europäischen Spielern indem sie eine verpflichtende Teilnahme an mindestens 12 Turnieren von den europäischen Stars verlangte. Dies machte quasi eine regelmäßige Teilnahme an der Europaen Tour unmöglich.

Auch heutzutage müssen sich die Europäer mehr oder weniger entscheiden, falls sie überhaupt qualifiziert sind, ob man hauptsächlich auf der USTour spielt oder in Europa.

Die Qualifikation für die ständige Teilnahme an der US Tour, bzw. der Tourkarte, haben im Moment weder ein Wiesberger, noch ein Kaymer, der diese verloren hat. Die Qualifikation für die US Tour kann man über die harte Tour der US Tourschool erreichen oder man kann auch über folgende Kriterien an einzelnen Turnieren der PGA Tour teilnehmen.

Profiturnier in den USA und UK mit ca. 60 000 Zusehern. Foto: Schmidbauer

Die Kriterien für die US Tour

  1. Tour-Commissioner Tim Finchem vergibt für jedes Turnier aufs Neue zwei Tickets an internationale Spieler.
  2. Jeder Turnier-Hauptsponsor hat sich bis zu 8 Wildcards gesichert, die er „strategisch” oder an den Bestbietenden vergibt – ein eher teurer Weg, man kauft sich quasi als Spieler ein.
  3. Tourkarte über FedExCup-Rangliste: Der Weg auf dem Francesco Molinari und Jamie Donaldson ihre US Tourkarte erspielten. Dazu mussten sie als Nichtmitglieder bis Ende der regulären Saison unter den Top 125 der FedExCup-Rangliste aufscheinen.
  4. Special Temporary Membership: Nicht-Mitglieder, die im Laufe einer Saison soviele FedExCup-Punkte sammeln können, wie der 150. der abgelaufenen Saison, erhalten ein Spielrecht für den Rest der aktuellen Saison. Nötig sind dafür ca. 330 FedExCup-Punkte, die man etwa für drei 5. Plätze bekommt. Dann gilt es unter die Top 125 zu kommen um, wie unter Punkt 3 beschrieben, auch für die nächste Saison abgesichert zu sein.
  5. Montags-Qualifikation: Der steinigste Weg für die vier Besten in der wöchentlichen Vorqualifikation
  6. Die erfolgreiche Teilnahme an der Tourschool oder die Qualifikation über die Webtour, also der 2. Liga in den USA , in etwa gleich der European Challenge Tour.
  7. Der Aufstieg unter die Top 50 der Weltrangliste beschert Spielern zwar automatische Tickets für die vier Majors und World Golf Championship-Events, aber keine Karte für die US PGA Tour.
  8. Sieger von US-Majorturnieren erhalten eine zeitlich begrenzte Tourkarte (Martin Kaymer)

Nun kommt ein weiterer Aspekt in den verwirrenden Dschungel der Qualifikation: wie will man eine gerecht bewertete Weltrangliste erstellen?

Foto: Schmidbauer

Beispielsweise ein Alex Cejka, der schon jahrelang auf dieser besten Tour spielt, aber witzigerweise auf der Weltrangliste nur auf einem Platz um 250 geführt wird. Dieses jetzt vorherrschende Punktesystem, dass einen Mix aus den diversen Touren berücksichtigt, kann aus sportlicher Hinsicht kaum befriedigen und ist für den Laien erst recht nicht durchschaubar.  Wie kann man den Sieg bei einem internationalen, kleinen Turnier, wie beispielsweise die Austrian Open mit rund einer Million Preisgeld, zu dem natürlich mangels entsprechenden Anreizes kaum Topspieler kommen, in der Weltrangliste einordnen. Ehrlicherweise müsste man sagen: unmöglich.

Im Prinzip geht es bei beiden großen Touren nur noch rarum, wer es schafft, die größeren Preisgelder zu aquirieren. Die zweifellos finanzstärkere und damit auch spielstärkere US Tour wird über kurz oder lang die European Tour schlucken und, so hoffen alle Spitzenprofis, damit dürfte der Weg für eine einheitliche Welttour frei sein.

Der Trumpf der Europäer

Noch wehrt sich die European Tour, verständlicherweise, schließlich geht es hier um viel Geld, Jobs, Macht und Einfluss. Verzweifelt versucht man daher Sponsoren für die Europäischen Turniere zu gewinnen, was mangels Interesse der Wirtschaft hierzulande eben nicht klappt.  Darum kommt es  zu solchen Absonderlichkeiten, dass Turniere in Asien, Arabien oder Südafrika zur European Tour zählen, weil dort noch reiche Sponsoren sitzen. Besonders für die Challengetour finden sich kaum adäquate Sponsoren und so werden schlecht prämierte Euro-Turniere quasi Co-sanktioniert, was immer dies bedeuten mag.

Die einzige Trumpfkarte der Europäer ist noch die Vergabe des Europäischen Rydercups mit der Maßgabe an die Veranstalter zu verbinden, dass diese einige European Turniere mit reichlich Preisgeld (ab ca. 5 Millionen) veranstalten müssen, wenn sie den Rydercup austragen dürfen. So geschehen zuletzt bei der Vergabe an Italien, was wiederum von der  Naivität der österreichischen Bewerbung und den damit verlorenen Millionen der Bewerbungskosten zeugt. Die Gesetze der Wirtschaft, dass der Stärkere den Schwächeren frisst, wird auf die Dauer auch hier eintreten.

Als Golfer kann man eine Klärung in Welttour (egal wie man sie nennt), quasi die erste Liga, darunter zweite Ligen, European-, Asien-, Afrikatour, dritte Ligen, wie Webtour, Challengetour usw,+., nur begrüßen, da man  dann endlich einen ehrlichen Überblick über das Profigeschehen hat.

Für Freunde der Historie

Bereits  1960 begannen Jack Niklaus, Gary Player und Arnold Palmer eine Turnierserie genannt: „Shell’s Wonderful World of Golf” zu spielen. Dies könnte man als Urform einer Worldtour bezeichnen.

Eine World Championship of Golf wurde auch bereits auf der US Tour in den 1940er und 1950 er Jahren gespielt. Die Johnnie Walker World Golf Championship wurde im Tryall Golfclub in Jamaica von 1991 bis 1995 als Versuch, einer quasi inoffiziellen Weltmeisterschaft der Profis ausgetragen, hat sich dann aber langfristig nicht durchgesetzt.

1968 kam es zur Gründung der  US PGA Tour, die European Tour begann offiziell 1972. Die Golfweltrangliste wurde erst 1986 eingeführt. (Erster Spitzenreiter war Bernhard Langer) Und der Vorläufer der Golfweltrangliste war die 1968 eingeführte Mark McCormack’s (IMG Marketing) World Golf Rankings.

Die meisten Siege auf der European Tour

Rang Name Nation Siege Zeitspanne
1 Seve Ballesteros  Spanien 49 1976–1995
2 Bernhard Langer  Deutschland 40 1980–2002
3 Colin Montgomerie  Schottland 31 1989–2007
4 Ian Woosnam  Wales 28 1982–1997
5 Nick Faldo  England 27 1977–1994
6 Ernie Els  Südafrika 23 1994–2007
7 José María Olazábal  Spanien 22 1986–2005
8 Sam Torrance  Schottland 21 1976–1998

Mit der Einführung der World Tour wären, neben einer dann leicht zu durchschauenden und ehrlicheren Weltrangliste, auch die Türen für eine sicher sehr attraktive Austragung einer Weltmeisterschaft für Golfprofis möglich.

Vielleicht hilft Ihnen als interessierte Leserin und Leser, diese vereinfachte Zusammenstellung des komplexen Gebildes, Profitouren und Ranglisten, beim nächsten Besuch eines Profiturniers, dessen Wertigkeit besser zu verstehen.

 

Mit besten Gruß

Ihr

Heinz Schmidbauer

Heinz Schmidbauer

Über Heinz Schmidbauer

Der Golfpro Heinz Schmidbauer blickt auf eine 40 jährige Golferkarriere zurück. Der Diplomierte Sportlehrer betreute als Trainer viele internationale Sportstars und arbeitete mit berühmten Sportlern wie Arnold Palmer, Nick Bolletieri und Patrick Ortlieb zusammen. Seine Golferfahrung, auch als ehemaliges Mitglied der European Challenge-Tour, brachten ihn auf alle Kontinente der Erde. Wobei er auf 3 Kontinenten Profiturniere gewann. Auch als Erbauer und Manager zahlreicher Golfanlagen (ua. Golfclub Kobernausserwald, GC Maria -Theresia) machte er sich einen Namen. Er lebt heute vorwiegend in Italien und Österreich.

Es gibt einen Kommentar

  1. Mario

    Danke fürden Beitrag und die Erhellung der Umstände.
    Auch jetzt fühle ich mich nicht gerade weiser, was das Ranking betrifft. Das ist immer noch sehr komplex. Das fängt aber meiner Meinung nach schon in Deutschland beim Verbandsgolf an. Wie kommt da ein Ranking zusammen, welche Turniere zählen da dazu usw.
    Mir fällt es als Fußball-Hasser einfacher das System zu erklären als als Golfer das Rankingsystem.
    Hättest du da mal interesse das mit mir in einem Podcast zu tun?

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