Vor Kurzem verschob der erfahrene Paul Casey beim Turnier in Crans-Montana (Schweiz) mehrfach einen Putt zum Sieg. Es passierte ihm am letzten Loch der vierten Runde und beim anschließenden Stechen gegen Thriston Lawrence, der damit zum dritten Mal das European Masters gewann.
Warum scheitert so ein erfahrener Spieler?
Nun, Menschen sind keine Maschinen. Keine Bewegung ist exakt identisch mit der vorherigen. Unter Druck passiert Folgendes: Wir konzentrieren uns nicht auf den Putt, sondern auf den Druck, den Ball einlochen zu müssen. Damit kontrolliert die Situation mich und nicht umgekehrt. Wir denken: Bloß nicht verschieben. Dieses Nachdenken überlagert das Bewegungsmuster. Daraus ergibt sich: Je mehr ich kontrollieren will, desto schlechter werde ich.
Wenn ich denke „nicht vorbeischieben“, prägt sich genau dieses Bild im Gehirn ein. Deshalb versagen Spieler oft nicht, weil sie zu wenig nachdenken, sondern weil sie zu viel nachdenken.
Mein Rat: nicht viel nachdenken – einfach machen. Wenn Sie beim ersten Anblick einen Break sehen, bleiben Sie dabei und ändern Ihre Meinung nicht mehr.
Kann man Druck trainieren?
Das Problem ist nicht der Putt zum Birdie, nein, es ist die Situation. Man muss lernen, mit der Situation umzugehen. Das gleiche Problem haben zum Beispiel Jäger: Treffe ich oder fehle ich? Dazu kommt es, wenn man meint, in Drucksituationen etwas Besonderes machen und gegenüber der gewohnten Bewegung etwas ändern zu müssen.
Deshalb mein Rat: Bleiben Sie mental stabil. Vertrauen Sie Ihrem vielfach geübten Puttstil. Stellen Sie sich geistig etwa das Pendel einer Uhr vor. Vermeiden Sie, dass Versagens- oder Erfolgsangst aufkommt. Denken Sie nicht daran, was wäre, wenn! Stattdessen lieber: „Tick – Tack“, das Klicken des Pendels.
Lernen und üben Sie Drucksituationen im Training. Geben Sie sich immer Aufgaben wie: Fünf Putts aus drei Metern müssen alle fallen, sonst muss ich es noch einmal tun. Nur als Beispiel.
Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Spaß und Erfolg beim Golfen!
Ihr Heinz Schmidbauer