Leseprobe: Inner Game Golf

inner-game-golfAuszug aus dem Buch „Inner Game Golf – Die Idee vom Selbstcoaching“ von W. Timothy Gallwey

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des „alles im fluss Verlag“. Weitere Informationen zum Buch.

Vorwort

Die Welt ist wie eine riesige mechanische Uhr: Unendlich viele
Zahnräder greifen ineinander und treiben schließlich den
Uhrzeiger voran. Dieses mechanistische Verständnis von Ursache
und Wirkung haben wir spätestens seit Isaac Newton. Und auf
viele Erscheinungen trifft dieses Verständnis auch zu. Davon leben
zum Beispiel die Naturwissenschaften.
Das Golfspiel leidet eher unter diesem Verständnis. Immer
schon wurden die einzelnen Abschnitte und Sequenzen des
Golfschwungs analysiert und wie die Zahnräder einer Uhr ständig
präziser aufeinander abgestimmt. Heute stehen wir vor einem
Wust technischer Anweisungen, der uns schier zusammenbrechen
lassen könnte.

Das Golfspiel – genauer gesagt die Mechanik des Golfschwungs
– war von jeher ein Lieblingsthema für den Forscherdrang der
Systematiker. Das Resultat war nicht nur eine unglaublich tief
schürfende Analyse der Komponenten und Abfolgen des
Schwungs, sondern auch ein stetes Anwachsen der Golflehre.
Trotz der unvermeidlichen Frustration, die sich ergibt, wenn man
versucht, sämtliche Instruktionen zu verstehen, zu verinnerlichen
und anzuwenden, will die Gier nach dieser Art von Wissen nicht
enden. Auch der Glaube an die allein selig machende Kraft der
Technik ist ungebrochen. Diese Gier kommt aus dem gleichen
Verlangen nach Wissen, das auch die technologische Revolution
Newtons angefeuert hatte: aus dem Verlangen nach Kontrolle.
Ich wusste, dass es im Golfspielen um Kontrolle ging. Auch ich
war dem menschlichen Drang nach mehr Kontrolle erlegen. Wird
dieser Drang nicht beobachtet, wird er erst zu einem Zwang und
dann obsessiv. Die meisten Golfer sehnen sich nach einer
Abkürzung auf dem Weg zur Meisterschaft, die darin besteht,
jeden Ball zum gewünschten Ziel zu befördern, und das mit
Grazie, Leichtigkeit, Präzision und Perfektion.
So sah auch mein Traum aus. Die Realität war von hohen
Erwartungen geprägt, denen immer wieder Verzweiflung folgte.
Zum Schluss resignierte ich und glaubte, Golf sei nur von
denjenigen zu meistern, die über eine große athletische Fähigkeit
verfügen und Zeit haben, täglich zu üben. Ständig setzte ich mich
mit Instruktionen auseinander, die mein Körper nicht befolgen
konnte. Ich war sauer, wenn die erhofften Resultate ausblieben.
Glücklicherweise machte mir meine Erfahrung mit dem Buch
»Tennis und Psyche« es schließlich möglich, diesem Strom von
Anweisungen zu entkommen, bevor ich in ihm ertrank.
Ich wollte sehen, wie weit ich kommen könnte, wenn ich auf
die Vorzüge technischer Expertise verzichtete. Meine Lektoren und
Herausgeber setzten mir das Ziel, die 80 zu unterspielen. Während
ich das Buch schrieb, durfte ich aber nur einmal in der Woche
spielen. Die Originalausgabe des Buches schilderte daher meine
Entdeckungen, die vielleicht in dieser Erkenntnis gipfelten: Natürliches Lernen wird nur dann möglich, wenn man die inneren
Hindernisse überwindet, den Zweifel, die Angst, die mangelnde
Konzentration. Das Buch stellte auch die grundlegenden inneren
Fähigkeiten vor, die Lernen und Höchstleistungen ermöglichen.
Mittlerweile ist der Glaube an das menschliche Potenzial weiter
verbreitet als früher. Doch unverändert stehen sich die meisten
von uns tendenziell immer noch im Weg. Und wir gehen nach
Fehlern so hart mit uns ins Gericht, dass jegliche Besserung fast
ausgeschlossen ist. Nur wenn wir mutig und ehrlich zugeben, dass
wir uns selbst stören, und wenn wir aufmerksamer werden,
können wir die zahlreichen technischen Informationen, die uns
zur Verfügung stehen, effektiv nutzen.

Kürzlich kam eine sehr beunruhigende Tatsache ans Licht. Die
Masse der Golfer wird im Allgemeinen nicht besser! Bei einer
Konferenz der PTA of America über »Lehren und Coaching« stellte
das Golf Tips Magazine diese Frage: Wie kommt es, dass trotz der
vielen Golfschulen, trotz talentierter Pros, trotz aller Trainingshilfen,
trotz renommierter Trainingshandbücher und Zeitschriften,
trotz High-Tech-Ausrüstung das Handicap des durchschnittlichen
amerikanischen Golfers allenfalls stagniert oder – was laut
Studien des amerikanischen Golfverbandes wahrscheinlicher ist –
sogar steigt? Für mich ist die Antwort klar: Es gibt eine große
Lücke zwischen unserem Wissen über den Golfschwung und
unserer Fähigkeit, Menschen beim Lernen zu helfen.

Dieses Problem lässt sich weder durch Weiterentwicklung des
technischen noch des erfahrungsorientierten Unterrichts allein
lösen. Genauso wenig hilft es, beide Felder so zu untersuchen, als
seien sie voneinander unabhängig. Wir brauchen eine eheähnliche
Symbiose beider Sparten, in der jede die ihr angemessene, aber
von der anderen unterschiedene Rolle spielt. Es kann ja auch keine
glückliche Ehe geben, wenn jeder Partner dogmatisch auf seiner
eigenen Perspektive besteht und den anderen dominieren will. Als
ich das Buch neu bearbeitete, kam es mir vor allem darauf an, den
nächsten Entwicklungsschritt des Inner Game zu formulieren. Die
letzten vier Kapitel gehen über das Grundbedürfnis nach mehr
Bewusstsein für Bewegung beim Golflernen und Golfspielen
hinaus. In ihnen werden vor allem folgende Fragen behandelt:
Welches Motiv habe ich, Golf zu spielen? Wie wirkt sich dieses
Motiv auf mein Spiel aus?

Inner Game eröffnet Möglichkeiten des Selbst-Coachings, die
man auf dem Golfplatz und außerhalb nützen kann. Es setzt
Potenziale frei, die uns angeboren sind. Wir müssen sie nur wieder
entdecken, um jene Brücke zwischen Mechanik und Gefühl zu
schlagen, die heute wichtiger ist denn je.
Diese Brücke zwischen dem Inneren und dem Äußeren kann uns
die Erfüllung bringen bei jedem Spiel, das wir spielen. Sie kann uns
gewiss zu größerem und vergnüglicherem Respekt vor dem
uralten und wundervollen Spiel Golf verhelfen.

W. Timothy Gallwey

Kapitel I: Die innere und äussere Herausforderung

Als ich meinen Tennisschläger an den Nagel hängte und
meine 25 Jahre lang nur selten benutzten Golfschläger
putzte, fühlte ich zweierlei: Einerseits war ich begierig, die
Methoden und Prinzipien des »Inner Game«, die ich auf dem
Tennisplatz und auf der Skipiste entwickelt hatte, auf ihre
Brauchbarkeit für das altehrwürdige Golfspiel zu überprüfen.
Andererseits fühlte ich mich nicht ganz wohl bei dem Gedanken,
die ständigen mentalen Schwierigkeiten anzugehen, die das
Golfspiel provoziert.
Die Zweifel rührten nicht von mangelndem Selbstvertrauen im
Hinblick auf das »Inner Game« her. Ich wusste, was es zu leisten im
Stande ist, wusste, dass seine Prinzipien grundsätzlich richtig sind.
Die Methoden und Techniken hatten für erstaunliche Resultate
nicht nur im Tennis und im Skifahren, sondern in ganz verschiedenen
Welten gesorgt: in der Musik, im Geschäftsleben, in der
Erziehung, im Gesundheitswesen und in der Familie. Außerdem
hatte ich Briefe von vielen Golfern bekommen, die »The Inner
Game of Tennis« gelesen hatten. Sie teilten mir mit, dass sie nicht
nur ihr Handicap wesentlich verbessert hatten, sondern auch mit
viel mehr Freude dem Golfspiel nachgingen. Ich hatte das sichere
Gefühl, das Inner Game könne dem Golfspiel und den Golfern
grundsätzlich helfen, auch denen, die gelegentlich den Wunschtraum
hegen, das Spiel auf einen Schlag meisterhaft zu beherrschen.
Aber Golf ist anders als Tennis. Im Tennis war ich ziemlich stark.
Ich habe es mein ganzes Leben lang gespielt. Jetzt wollte ich mich
dem Golfspiel zuwenden und mein Hacker-Niveau möglichst
schnell hinter mir lassen. Immer war es mir leicht gefallen,
anderen bei der Überwindung ihrer Zweifel, Ängste und Enttäuschungen
zu helfen. Beim Erlernen des Golfspiels war jedoch ich
der Schüler. Manchmal beschlich mich auch die Furcht zu
versagen. Aber ich beruhigte mich mit dem Wissen, dass ich bei
konsequenter Anwendung des Inner Game unausweichlich mehr
lernen würde als Golf zu spielen. Dem Lernen würden mit
Sicherheit Resultate folgen.
Eine meiner ersten Runden spielte ich im Hillcrest Club von Los
Angeles. Zu meiner Gruppe gehörte auch Dr. F., einer der
renommiertesten Chirurgen von Kalifornien. Auf ihn war ich
schon einmal bei einem Prominenten-Tennisturnier gestoßen.
Irgendwie schaffte er es, dreimal in der Woche Golf zu spielen. Am
ersten Abschlag war ich noch etwas nervös angesichts der
ungewohnten Atmosphäre und ich bewunderte Dr. F. ob seiner
scheinbaren Selbstsicherheit. Am ersten Loch spielt Dr. F. Par. Auf
dem zweiten Abschlag drosch er zwei Bälle hintereinander ins Aus.
Er war sauer, hämmerte seinen Driver auf den Boden und rief
angewidert aus: »Das ist das frustrierendste Spiel, das sich je ein
Mensch ausgedacht hat.«
Da er offensichtlich kein Neuling auf dem Golfplatz war, fragte
ich ihn naiv: »Warum spielen Sie dann so viel?«
Dr. F. machte eine Pause und sagte schließlich: »Weil ich das
Spiel nicht besiegen kann.« Er schien selbst über seine Antwort
erstaunt zu sein. Er dachte über sie nach und sagte dann
entschieden: »Ja, es ist das einzige Spiel, über das ich keine Gewalt
habe.«
Es wurde bald offenbar, dass Dr. F. sich nicht nur von seinen
Abschlägen frustrieren ließ. Er stand so angespannt über seinen 1-
Meter-Putts, dass ich mir sagte: Wenn der sein Skalpell mit
ebenso dunklen Vorahnungen anfasst wie seinen Putter, dann
möchte ich bei ihm nie auf dem Operationstisch liegen. Dabei
fordern delikate chirurgische Eingriffe eine wesentlich größere
Fingerfertigkeit als ein Putt von einem Meter – mal abgesehen
davon, dass es auch noch um das Leben eines Menschen geht.
Doch Golf nervte Dr. F. eindeutig stärker. Irgendwie konnte ich mir
nicht vorstellen, dass Dr. F. sein Skalpell verärgert auf den Boden
des Operationssaales werfen und sich einen Tollpatsch schimpfen
würde. Aber genau das passierte bei mehr als einem Drei-Putt.
Diese Beobachtung minderte meinen Respekt vor der
Herausforderung des Golfspiels keineswegs.
Nicht nur Dr. F. empfand Frust. Obwohl ich es vom Tennis her
besser wusste, unterzog ich nach jedem Fehlschlag meinen
Golfschwung einer kritischen Analyse. Ich wusste sehr wenig von
den mechanischen Abläufen des Schwungs. Trotzdem versuchte
ich herauszufinden, was falsch gewesen war. Hatte ich das
Gleichgewicht verloren? Schwang ich zu eilig? War ich zu früh
oder zu spät mit meinen Handgelenken? Beim nächsten Schlag
bemühte ich mich immer, den vermeintlichen Fehler zu
korrigieren. Wenn ich dann den Eindruck hatte, ein Fehler sei
behoben, dann tauchten umgehend zwei neue auf. Je mehr ich
versuchte, meinen Schwung zu kontrollieren, desto mechanischer
und weniger rhythmisch wurde er. Daraus resultierten noch
furchtbarere Schläge. Die wiederum veranlassten mich zu einer
noch stärkeren Selbstkorrektur. Es dauerte nicht lange, bevor aus
diesem Kreislauf eher eine Selbstzerstörung denn eine
Selbstkorrektur geworden war.

Abseits des Platzes dachte ich gründlich über Golf nach. Worum
ging es dabei überhaupt? Ein Begriff setzte sich in meinem Kopf
fest: Kontrolle. Grundsätzlich scheint es bei Kontrolle darum zu
gehen, dass man den Körper zu einer gewünschten Handlung
veranlasst – dadurch verhält sich der Golfball wie gewünscht. Ich
betrachtete Golf allein als Herausforderung für die Fähigkeit eines
Spielers, seinen Körper zu kontrollieren. Ich hatte einige Erfahrung
in Sachen Kontrollprobleme beim Tennis gesammelt und ich
beschloss, sie auf das Golfspiel zu übertragen.
Auf dem Tennisplatz hatte ich gelernt, dass die Methode zur
Kontrolle des Körpers, wie sie die meisten von uns gelehrt wird,
nicht funktioniert. Dem Körper vorzuschreiben, was er zu tun hat,
ist nicht der effektivste Weg zur Leistungssteigerung. Unsere
Muskeln verstehen Sprache nicht. Unser Verstand begreift nicht
die Koordination von Hand und Auge. Versuchen Tennisspieler
ihren Körper zu veranlassen, sich nach den Instruktionen der
letzten Tennisstunde zu verhalten, dann schränken sie dessen
ungehinderte Beweglichkeit ein. Sie stören die Koordination,
anstatt sie zu unterstützen. »Nehmen Sie den Schläger früh
zurück … Treffen Sie den Ball vorne … Machen Sie den Schläger
nicht im Durchschwung zu«, sagen sich diese Spieler während
eines Matches. Selbst wenn diese Instruktionen mit der Steifheit
und dem Selbstbewusstsein eines rebellischen Rekruten beherzigt
werden, führt das nur zu moderaten Erfolgen.

Die Qualität meines Trainings und die Leistungsfähigkeit meiner
Schüler verbesserten sich eines Tages wesentlich, als ich die
zerstörerische Wirkung von Anweisungsfluten erkannte. War der
Kopf des Schülers frei von äußeren und inneren Anweisungen,
dann konnte er besser auf den Ball achten und er hatte ein
wesentlich besseres Gefühl für den Schläger. So kamen natürlich
auch bessere Resultate zustande. In jenen frühen Tagen der
Erforschung des Inner Game, also dessen, was sich im Kopf
abspielt, war ich erstaunt über die Verbesserungen, die allein
daraus resultierten, dass ich dem Schüler sagte: »Vergiss alles, was
Du über das Schlagen eines Tennisballes zu wissen glaubst.«
Außerstande zu vergessen, was er wirklich wusste, konnte er nur
vergessen, was er zu wissen glaubte. Eine natürliche Leichtigkeit
kam in sein Spiel. Aber das Inner Game ist nicht schon mit einer
einzelnen Anweisung gewonnen. Die innere Opposition ist viel zu
listig und viel zu fest verankert in unserer Psyche, als dass sie sich
so leicht ausschalten ließe.

Nach einigen Jahren hatten die Voraussetzungen für das Inner
Game beim Tennis Konturen angenommen. Die Hauptursache für
Fehler beim Tennis liegt im Kopf des Spielers. Zweifel,
Verkrampfung und Konzentrationsdefizite sind problematischer
als technische Mängel. Aus diesem Grund fand ich es als Trainer
viel wirkungsvoller, von innen nach außen zu arbeiten, die
mentalen Ursachen von Fehlern zu beheben, anstatt an äußerlichen
Symptomen herumzukurieren. Immer wieder beobachtete
ich, dass die Ausschaltung eines einzigen Selbstzweifels umgehend
in zahlreiche technische Verbesserungen im Schwung und
im gesamten Spiel mündete. Diese Veränderungen ereigneten sich
spontan und ungezwungen. Sie erforderten weder technische
Anweisungen noch die ständige Forderung, Selbstanalyse zu
betreiben, wie sie mein Training zu Beginn ausgezeichnet hatten.
Auf dem Tennisplatz waren damit Methoden zur Bekämpfung
der meisten mentalen Probleme, unter denen Spieler leiden,
gefunden. Und sie hatten sich als wirkungsvoll erwiesen. Jetzt war
ich herausgefordert, praktische Wege zu erarbeiten, die Gleiches
im Bezug auf die physischen Erfordernisse und den mentalen
Druck beim Golfspiel leisteten.

Als ich Golf regelmäßig zu spielen begann, erkannte ich, dass es
die Effektivität des Inner Game in besonderem Maße
herausforderte. Welches andere Spiel führt zu solcher
Verkrampfung und Angst? Wie das eigene Kind weiß es uns auf
unglaubliche Weise für sich zu gewinnen – und zugleich enthüllt
es jede Schwäche unseres Geistes und Charakters, gleich wie gut
diese verborgen ist. An uns liegt es, ob wir diese Schwäche
überwinden oder uns von ihr überwältigen lassen. Nur wenige
Spiele bieten eine so ideale Arena, um uns mit Hindernissen zu
konfrontieren, die unsere Lernfähigkeit beeinträchtigen, unsere
Leistung und unsere Freude am Leben – auf dem Golfplatz und
außerhalb. Um damit fertig zu werden, muss der Golfer die
Herausforderung des Spiels sowohl im Kopf wie mit dem Körper
annehmen. Er muss nicht nur Bunker und Ausgrenzen wahrnehmen,
sondern auch die mentalen Hindernisse.

Erste Aufgabe ist beim Inner Game Golf das Erkennen der
mentalen Anforderungen, die das Golfspiel provoziert. Es gibt
deren viele in ganz unterschiedlichen Facetten. Aber im
Wesentlichen handelt es sich dabei um fünf Kategorien: die
Verlockungen des Spiels für das Ego, die notwendige Präzision,
den Druck bei Turnieren, die ganz spezielle Geschwindigkeit des
Spiels und die Zwangsvorstellung von der idealen Technik.
Früh entdeckte ich die verführerische Qualität des Golfspiels, über
die kaum eine andere Sportart verfügt. Im Augenblick der
Frustration schwört mancher Golfer, sein Bag an den Nagel zu
hängen. Doch kaum einer tut das. Aus irgendeinem Grund
erinnert man sich der zwei oder drei »Triumphe« auf einer Runde,
während die ärgerlichen Fehlschläge und das dumpfe Mittelmaß
längst vergessen sind.

Ich sah, dass die Anziehungskraft des Spiels teilweise auf den
Resultaten beruhte, die oft nichts anderes als pures Glück waren.
Golf ist eine der wenigen Sportarten, in denen ein Anfänger für
eine Sekunde mit einem Champion gleichziehen kann. Ein
Nichtsportler, der erstmals Golf spielt, kann einen 15-Meter-Putt
auf dem ersten Grün einlochen und zu dem Schluss gelangen:
Golf ist ein einfaches Spiel. Selbstüberschätzung kann sich breit
machen. So kann ein Zwanzigjähriger mit ziemlich guter
Koordination seinen ersten Abschlag 230 Meter weit mitten aufs
Fairway hämmern und auf dem Weg zu seinem Ball zu der Ansicht
gelangen, dass er in kurzer Zeit reif für die Tour ist. An
irgendeinem Tag könnte mein 75-jähriger Vater ein Resultat
erzielen, das besser ist als das von Jack Nicklaus bei einer
Katastrophenrunde. Selbst als Anfänger konnte ich an
irgendeinem Loch mit zwei Schlägen auf dem Grün sein, den Ball
mit einem Putt versenken und ein Birdie machen – ein Resultat,
wie es sich selbst Spitzenspieler wünschen. Das Problem bestand
natürlich darin, dass mir das nur selten gelang. Und in meiner
Naivität verführten mich meine guten Löcher zu dem Glauben, ich
könnte mit den Besten mithalten. Und die schlechten Löcher, die
unausweichlich folgten, konnten meine eitlen Hoffnungen in
Verzweiflung wandeln. Das kommt bei den meisten anderen
Sportarten nicht vor. Ich bin ein besserer Tennis- als Golfspieler.
Wenn ich jedoch gegen Pete Sampras an meinem besten Tag
spielen würde, während er seinen schlechtesten hätte, würde ich
nicht viele Punkte holen, noch viel weniger Spiele oder Sätze. Eine
realistische Einschätzung meiner golferischen Qualitäten fiel mir
am Anfang gar nicht leicht.

Nach nur wenigen Stunden auf der Driving Range erkannte ich,
dass die unglaubliche Anziehungskraft des Spiels mir auch seine
wesentliche Frustration bescherte. Obwohl ich seit meinem
dreizehnten Lebensjahr nur wenig Golf gespielt hatte, gelang es
mir ab und zu, den Ball 210 Meter geradeaus zu schlagen. Der
Anblick des Balls, der hoch und zielsicher durch die Luft schoss,
war begeisternd; er vermittelte mir ein Gefühl von Meisterschaft
und Kraft. Der Frust rührte daraus, dass ich diesen Ballflug nicht
nach Belieben reproduzieren konnte. Angestachelt von
unendlicher Hoffnung unterdrückte ich meinen Ärger über
Fehlschläge und schlug Ball um Ball. Ich wollte jene Begeisterung
noch einmal fühlen, wollte beweisen, dass mein Körper zu dem im
Stande war, was er bereits gezeigt hatte. Ich hatte angebissen.
Wenn ich mich auf der Driving Range umsah, stellte ich fest,
dass es anderen genauso ging. Da standen wir nun, brachten viel
Zeit und Geld auf, um jenen flüchtigen und zugleich quälenden
perfekten Schwung zu erhaschen, der voraussagbare Resultate
verhieß. Und immer wieder wurden wir mit der bedrückenden
Wahrheit konfrontiert, dass wir einfach die gewünschte
Selbstkontrolle nicht hatten, von der wir glauben, dass wir sie
haben sollten. Das Ganze hätte nicht so wehgetan, wenn wir nicht
ein paar ausgezeichnete Schläge gemacht hätten. Sie hatten uns
das grausame Wissen vermittelt: Wir haben die Fähigkeit in uns,
irgendwo, irgendwie.

Ich begann, die Faszination des Dr. F. zu verstehen und zu teilen.
Golf schien meine Hoffnungen nur zu heben, um sie dann zu
zerschmettern. Golf schmeichelte meinem Ego nur, um es dann zu
zerquetschen. Wo lag hier der Spaß? War das Spiel zu bezwingen?
Und was würde das bedeuten? Könnte ich zumindest lernen, mich
an Golf zu erfreuen und ohne Enttäuschungen zu spielen? Ich
fühlte: Wenn ich das schaffe, habe ich einen bedeutenden Sieg
errungen.
Der quälendste Aspekt meines Spiels war zweifellos die mangelnde
Konstanz. Ich konnte einen Ball 35 Meter links vom gedachten
Ziel hooken und beim nächsten Schlag, scheinbar mit demselben
Schwung, um 35 Meter nach rechts slicen. Noch beunruhigender
war es, wenn ich einen Ball vom Abschlag weit und mitten auf das
Fairway abschlug und beim nächsten Abschlag den Ball derart
toppte, dass er nur ein paar Meter weit über das Gras hoppelte.
An mangelnde Konstanz war ich im Tennis gewöhnt. Aber sie
hatte bei weitem nicht diese Bandbreite. Ich konnte ein As
schlagen, auf das ein Aufschlag folgte, der einen Meter zu lang
war. Aber ich schlug nicht den ersten Ball ganz unten ins Netz
und den nächsten hoch in den Zaun der Umrandung. Aber genau
das passierte mir vergleichsweise damals auf dem Golfplatz.
Es hatte den Anschein, als erfordere gutes Golfspiel eine viel
größere Selbstdisziplin als gutes Tennis. Der Grund für die enge
Bandbreite, innerhalb derer Fehler gestattet sind, liegt auf der
Hand: das Tempo des Schlägerkopfes, das nötig ist, um den Ball
weit zu schlagen. Die Geschwindigkeit des Arms beim
Durchschwung ist nicht viel größer als die des Arms eines
Tennisspielers beim Aufschlag. Aber wegen der größeren Länge
und Flexibilität des Golfschlägers ist das Tempo des
Schlägerkopfes wesentlich höher. Wenn ein Schlägerkopf bei
einem Tempo von über 160 km/h ein oder zwei Grad offen steht,
kann es sein, dass der Ball sein Ziel um einige zehn Meter verfehlt.
Angesichts dieser Tatsache überrascht es schon, dass der Ball
überhaupt einmal dorthin fliegt, wohin er soll.
Beim Tennis ist der Aufschlag der einzige Schlag, der vom
Spieler initiiert wird. Der Golfer ist dagegen für jeden Schlag allein
verantwortlich. Interessanterweise hat man beim Tennis einen
zweiten Aufschlag. Golf verzeiht keinen Fehler! Außerdem
bearbeitet man beim Tennis einen viel größeren Ball mit einer viel
größeren Schlagfläche, um ihn viel weniger weit zu schlagen. Die
Hinwendung zum Golf verlangte deutlich einige Feineinstellung
hinsichtlich der Konzentration.

Die im Golf notwendige größere Präzision wird auch durch die
Weise gekennzeichnet, in der der Ball angesprochen wird. Der
Tennisspieler kann sich ziemlich lässig oder großspurig an der
Aufschlaglinie aufbauen, den Ball ein paar Mal aufspringen lassen
und dann servieren. Die meisten Golfprofis zeigen viel mehr
Selbstdisziplin. Sie treten jedesmal in derselben, fast schon
ritualisierten Weise an den Ball heran. Auch in ihrer Kleidung
scheinen sie pedantischer zu sein. (Mich beschleicht oft das
Gefühl, ich könne bei einer Cocktailparty Golf- von Tennisspielern
unterscheiden.)

Pedanterie war niemals meine starke Seite. Es gibt kein Foto von
mir als kleiner Junge, bei dem nicht mindestens ein Schuh offen
ist. Ich konnte meist alle Probleme bei einer Mathematikarbeit
lösen, hatte jedoch selten eine Eins, weil ich oft nachlässig bei der
Berechnung war. Ich fragte mich daher, ob ich jenen Grad an
Disziplin erreichen würde, der für Golf anscheinend nötig ist. Zu
Beginn betrachtete ich Golf daher als Herausforderung an meine
Fähigkeit, mich in Sachen Disziplin zu verbessern. So recht
begeistern konnte mich diese Aufgabe nicht.
Die fürs Golfspiel notwendige Präzision erlaubt nicht,
aufgestauten Ärger und Frust derart zu entlassen, wie das
aggressivere Sportarten tun. Golf produziert Frust. Aber damit
muss man auf irgendeine Weise vor dem nächsten Schlag fertig
werden. Das bedeutet eine faszinierende Herausforderung für das
Inner Game.
Ich habe einen mäßigen Tag auf dem Tennisplatz und verliere 6:3,
6:3. Diese Erniedrigung kann ich für mich lindern, indem ich mir
sage, dass mein Gegner an diesem Tag besonders stark gespielt
hat. Der Golfer kann das nicht. Für Blamage oder Triumph ist
allein er selbst zuständig. Und zumeist hat er noch drei Leute bei
sich, die ihm die jeweilige Leistung attestieren können. Das Ego
blüht oder verwelkt in dieser Situation.
Jeder Schlag beim Golf zählt. Im Tennis kann ich drei Punkte
hintereinander verlieren und trotzdem das Spiel gewinnen. Im
Endresultat werden viele verlorene Punkte gar nicht erst
auftauchen. Tennis vergibt ein paar Fehler. Golf verzeiht keinen
einzigen. So steht man scheinbar immer unter Druck.
Golf ist von Natur aus ein Spiel des Golfers gegen sich selbst.
Dadurch wird das Inner Game intensiviert. Das Ego wird sowohl
mehr herausgefordert als auch bedroht. Die Laune des Spielers
steigt oder sinkt in direkter Abhängigkeit von seinem Resultat, das
allein ein Produkt seiner eigenen Anstrengungen ist. Wenn ich
auch schon viele Golfer erlebt habe, die den Druck abbauten,
indem sie dem Wetter oder dem Platz die Schuld gaben, den
Schlägern, den Bällen, anderen Spielern, Familien- oder
Arbeitsproblemen, so glaube ich doch nicht, dass sie sich
dauerhaft selbst täuschen konnten. Irgendwann erkannten sie,
dass Golf ein Spiel gegen den Platz und gegen sich selbst ist und
dass der Score ziemlich genau die tatsächlichen Fähigkeiten
widerspiegelt.

Während ich viele Golfer gesehen habe, die unter diesem Druck
leiden, habe ich oft auch festgestellt, dass es genau dieser Druck
ist, der Golfer auf den Platz zieht. Es ist so etwas wie eine Regel,
dass Golfer die schwereren Kurse den leichteren gegenüber
bevorzugen. Manche erhöhen den bereits vorhandenen Druck,
indem sie Wetten abschließen, »nur um das Spiel interessanter zu
machen«.
Lernen, wie man unter Druck Leistung bringt, ist ein erklärtes
Ziel von Inner Game. Die Herausforderung, einen 1,50-Meter-Putt
am 18. Loch zu versenken, um das Par zu retten und das Match zu
gewinnen, ist viel mehr mentaler denn physischer Natur. Ein
Spieler, der lernt, präzise und kraftvoll auch unter solchem Druck
zu handeln, erwirbt eine innere Fähigkeit, die es ihm erlaubt, auch
mit anderen Situationen in seinem Leben fertig zu werden.
Das Tempo beim Golfspiel ist einmalig und ein offensichtlicher
Kontrast zu der Geschwindigkeit der meisten anderen Sportarten.
Im Tennis beispielsweise mögen selbstkritische oder negative
Gedanken kurz aufkommen – aber man muss sich umgehend von
ihnen verabschieden, weil man auf den nächsten Ball zu reagieren
hat.

Auf dem Golfplatz haben wir zu viel Zeit zum Nachdenken.
Zwischen den Schlägen können sich ganze Gedankenwolken breit
machen: Was ging beim letzten Schlag schief? Wie korrigiere ich
meinen Slice? Was passiert mit meinem Score, wenn ich mit dem
nächsten Schlag im Aus lande? Es gibt endlos viel Zeit zur
Überanalyse. Man wird verwirrt, entmutigt oder sauer.
Der Tennisspieler wird ständig auf Trab gehalten. Er bewegt
sich, schlägt den Ball. In vier Stunden auf dem Platz absolviere ich
um die 64 Spiele. Bei rund 100 Punkten komme ich vielleicht auf
1200 bis 1500 Schläge. Wenn jeder Golfschlag zwei Sekunden
dauert, dann schwinge ich den Schläger insgesamt nur drei
Minuten bei einer Runde von vier Stunden.

Die Konzentration beim Golf bedarf darum einer ganz speziellen
Art der Anstrengung. Der Ball liegt einfach nur da, und der Golfer
muss sich völlig auf den Schwung konzentrieren. Keinesfalls darf
er sich durch die großen Abstände zwischen zwei Schlägen
ablenken lassen. Beim Tennis baute sich meine Konzentration
während des Ballwechsels auf. Sie erreichte ihren Höhepunkt,
wenn ich ganz in der Aktion aufging. In den großen Pausen
zwischen zwei Schlägen beim Golf geschieht es viel leichter, dass
die Gedanken abschweifen.

Ich kam zu dem Schluss, dass der Weg zum nächsten Schlag zu
den kritischsten Faktoren beim Golfspiel gehört. Während dieser
Zeitraum von manchen Profis sowohl als mentales Hindernis wie
auch als Vorteil verstanden wird, habe ich das Gefühl, dass die
meisten Golfer seine Bedeutung unterschätzen. Gerade in diesem
Zeitraum werden die meisten Spiele verloren – in der Wirklichkeit
wie im Kopf. In dieser Zeitspanne kann das mentale Gleichgewicht
des Golfers durch eine Flut negativer Gedanken gestört werden
oder damit beschäftigt sein, die Verkrampfung vom letzten Schlag
abzulegen und sich auf den nächsten vorzubereiten. Der Golfer
mit einem guten Inner Game nutzt die Zeit zwischen zwei
Schlägen, um sich mental zu entspannen und die totale
Konzentration aufzubauen, die er für die zwei Sekunden des
nächsten Schwungs braucht. (Dieses Thema wird in Kapitel 8
weiter behandelt.)
Lange Zeit hatte ich die Ansicht vertreten, dass die mechanischen
Abläufe des Tennisschwungs übermäßig analysiert werden. Dann
schaute ich in die vorhandenen Golflehrbücher. Es würde mich
nicht überraschen, wenn man feststellte, dass mehr über die
Technik des Golfschwungs geschrieben worden ist als über
irgendeine andere Bewegung des Menschen. Der Schwung wird in
seine kleinsten Bestandteile zerlegt und die anfallenden
Informationen werden in die ohnehin schon übervollen Köpfe der
Golfschüler gepfropft. Als ein Freund hörte, dass ich mit dem
Golfspiel anfangen wollte, präsentierte er mir drei Wälzer: 295
Golfstunden von Bill Casper, 385 Golfstunden von Gary Player,
495 Golfstunden von Arnold Palmer.

Es ist nicht zu übersehen, welche Blüten der Aberglaube im
modernen Golf treibt. Viele Golfer sind beständig auf der Suche
nach dem »Geheimnis«. Endlose magische Formeln werden von
den wahren Gläubigen propagiert. Der Golfer ist bereit, jeden Tipp
auszuprobieren, um seinen Frust loszuwerden, und er macht sich
die schönsten Hoffnungen, wenn ein paar Schläge dann klappen.
»Es funktioniert!«, denkt er bei sich. »Ich weiß jetzt, was ich
machen muss«, ruft er aus. Mein Vater kann als Zeuge dafür
herhalten. Aber wie lange funktioniert eine magische Formel? Das
»Geheimnis« wird bereits nach ein paar schlechten Schlägen
verworfen, und die Hoffnungen schwinden. Jetzt ist der Golfer
offen für den nächsten Tipp. Gewiss, ein kleiner Tipp kann schon
einmal ganz hilfreich sein. Aber die alles umfassenden Rezepte
machen nur Hoffnung darauf, dass man ein Spiel in den Griff
bekommt, das niemals dank einer einzelnen Anweisung zu
meistern ist. Ich bin überzeugt, dass die glücklichsten und besten
Golfer jene sind, die erkannt haben, dass einzelne Rezepte nicht
funktionieren. Sie wissen, dass gutes Golf Geduld und Demut
sowie ständiges Training der Technik und des Inner Game
voraussetzt.
Dies ist also die Situation, der sich die arglose Seele
gegenübersieht, wenn sie sich dem Golfspiel zuwendet. Das Ego
des Neulings wird angezogen von den reichlichen psychischen
Belohnungen, die Erfolg in diesem Sport verheißen, und es
fürchtet die Schande, falls ein akzeptables Spielniveau nicht
erreicht wird. Bei seinen ersten Runden wird der Neuling
genügend gute Schläge gemacht haben, um künftiges Heldentum
bereits spüren zu können: Nur noch etwas Beständigkeit braucht
es, um die gelegentlich guten Schläge zu einem wirklich
ordentlichen Score zu addieren. Leider weiß der Neuling nicht,
dass die mechanischen Abläufe dieses Spiels die
Wahrscheinlichkeit, die guten Schläge beständig zu wiederholen,
gegen Null tendieren lassen. Zudem wird er umgeben sein von
Propheten, die über die mentalen und technischen Rezepte
verfügen, um ihn von seinen üblen Schlägen zu erlösen, um ihm
das Tor weit zu öffnen, hinter dem der Himmel guten Golfspiels
liegt. Verwirrt von der langen Liste der »So macht man’s« und »So
macht man’s nicht«, die von seriösen Grundlagen bis zu
abergläubischer Magie reicht, wird er dazu neigen, jeden Schlag
zu analysieren und jeden Fehler zu korrigieren. Dann wird er an
der Korrektur herumkorrigieren. Zwischen zwei Fehlschlägen hat
er alle Zeit der Welt, nachzudenken und seine Verkrampfung
sowie seinen Zweifel zu verstärken. Nach einem guten Schlag
versucht er zu analysieren, wie er ihn wiederholen kann. Dies alles
im Kopf eines einzelnen Menschen in Kombination mit den
Anspannungen des heutigen Lebens führt letztlich dazu, dass Golf
ein zugleich faszinierendes und gefährliches Spiel ist.
Dieses Buch geht davon aus, dass man einige Kontrolle über
seinen Kopf gewinnen muss, um Kontrolle über den Körper zu
erlangen. Ein grundsätzliches Verständnis der Technik kann
hilfreich sein und gewiss ist ein bestimmtes Maß an physischer
Koordination erforderlich, um gutes Golf zu spielen. Aber die
Unterschiede in Sachen Talent sind noch kein Grund dafür, dass
wir auf der Driving Range so viel besser schlagen als in der Hitze
eines Wettkampfs. Sie sind auch kein Grund für unsere so
unterschiedlichen Scores. Ziel des Inner Game ist es, die unnötig
große Lücke zwischen unserem Potenzial und unseren
tatsächlichen Leistungen zu schließen, um beständiger Freude am
Spiel zu empfinden.

Derart liegt die Herausforderung des Golfspiels mehr in den
ungeklärten Aspekten des Inner Game als in den praktischen
Abläufen. Das Interesse an der mentalen Seite des Golfspiels
nimmt zu, wie sich in Büchern und Artikeln zu diesem Thema
zeigt. Ein regionaler PGA-Bildungsdirektor, der mich bat, bei
einem PGA-Treffen eine Rede zu halten, erklärte mir, die
Golflehrer hätten inzwischen den Punkt erreicht, dass sie ihre
technischen Analysen eindämmten und ihre Aufmerksamkeit
mehr der mentalen Seite des Sports zuwendeten. »Wir wissen eine
Menge über den Schwung«, sagte ein Golflehrer zu mir, »aber
nicht viel über die Methode, wie man Golfern beim Erlernen dieses
Schwungs hilft.«
Das war nicht einfach so dahingesagt. Die Frage, wie man
Selbstzweifel, Konzentrationsfehler, Ärger und geringes
Selbstwertgefühl überwindet, stellt sich sehr real. Solche Begleiter
sind ein sehr unangenehmes Handicap. Am liebsten würden wir
sie vergessen.

Aber wir können nicht so ohne weiteres ein gutes Inner Game
spielen. Es handelt sich dabei um einen Prozess, der fortdauernd
auf dem Golfplatz abläuft. Es geht nur darum, ob wir dieses Spiel
bewusst spielen, nicht darum, ob wir es gewinnen oder verlieren.
Wer das Gefühl hat, seine Leistung entspräche immer seinem
Potenzial, wer sich seiner Golferfahrung erfreut und aus ihr lernt,
dem möchte ich herzlich gratulieren: Er hat das Inner Game
gewonnen. Alle anderen, mich eingeschlossen, die sehr
unterschiedliche Runden unter sehr unterschiedlichen Umständen
absolvieren, haben noch den Feind in sich und müssen das Inner
Game spielen lernen.
Die fundamentale Herausforderung für den Golfer besteht
darin, das Vorhandensein von Störquellen zu erkennen. So ist eher
der Sieg im Inner Game das Ziel als die Herrschaft über den
Golfplatz.
Dieses Buch beschreibt auf praktische Weise, wie man
Prinzipien und Techniken des Inner Game ins Golfspiel integriert.
Die Übungen sind weder Tricks noch Tipps. Vielmehr sollen sie
Die innere und äußere Herausforderung helfen, die drei wesentlichen inneren Fertigkeiten zu entwickeln:
Aufmerksamkeit, Entscheidungskraft und Vertrauen. Weil viele
dieser Übungen entwickelt wurden, während ich versuchte, das
Golfspiel zu lernen, enthält dieses Buch an manchen Stellen kurze
Beschreibungen meiner inneren und äußeren Kämpfe sowie der
Entwicklung meines Golfspiels.

Das nächste Kapitel beginnt mit meinen Bemühungen, Beständigkeit
in meinem Schwung zu erlangen, um mein durchschnittliches
Ergebnis von 100 und mehr um zehn Schläge zu reduzieren.
Ich erreichte das mit Hilfe einer Konzentrationstechnik aus »The
Inner Game of Tennis«, die ich in angepasster Form übernahm.
Deren Formel lautet: »Hinten, Unten, Oben.«

Kapitel V: So wird man aufmerksam

Das vorhergehende Kapitel vertrat den Standpunkt, dass
Selbstzweifel, Angst vor Versagen und Selbstbewertung die
Lern- und Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigen
können. Diese drei inneren Hindernisse werden verfestigt, wenn
man sich bemüht, ein kompliziertes technisches Anweisungspaket
umzusetzen. Als dieses Buch erstmals aufgelegt wurde, waren sich
dessen nur wenige bewusst. Golflehrer lehrten Technik, Golfspieler
versuchten, sich diese Technik anzueignen. So war es damals.
Obwohl diese Lernmethode ein ungutes Gefühl vermittelte und
meist frustrierte, war sie doch als einzige anerkannt. Inzwischen
wissen viele Spieler und Trainer, dass der Kopf beim Golfschwung
relativ unbelastet von Handlungsanweisungen bleiben soll –
zumindest auf der Runde selbst. Die meisten Spieler wissen, dass
es für gutes Golf kontraproduktiv ist, mehr als einen Schwunggedanken verwirklichen zu wollen. Aber immer noch gibt es viel über die Lernmethoden im Golf zu lernen.

Psychologen vertreten den Standpunkt, dass wir in den ersten
fünf Lebensjahren mehr lernen als im restlichen Leben. Kleine
Kinder durchlaufen noch nicht den quälenden Prozess von
Selbsteinschätzung, Analyse und zielorientierter Anstrengung. Sie
unternehmen nicht den Versuch, etwas zu lernen. Sie lernen
einfach. Solange Erwachsene ihnen nicht etwas anderes beibringen,
lernen Kinder auf so natürliche Weise, dass sie diesen
Vorgang gar nicht bemerken. Im Gegensatz zu den meisten
Erwachsenen bereitet ihnen das Lernen Freude. Auch wir
Erwachsene verfügen noch über diese natürliche Lernfähigkeit.
Wenn wir unseren Hang zur Übernahme vorgefertigter Richtlinien
ein bisschen unterdrücken, können wir von dieser Fähigkeit
profitieren.

Dieses Kapitel untersucht diesen anderen, natürlicheren
Lernansatz. Es macht mit dem Lernkonzept der Aufmerksamkeit
vertraut: Dabei wird die Konzentration auf das gelenkt, was man
tut, und nicht auf das, was man tun sollte. Aufmerksamkeit
befähigt, die meisten Golftechniken zu erlernen, indem man sie
erlebt. Man muss sie nicht erlernen. So wird der Schüler auf eine
benutzerfreundliche Weise zum Lernen befähigt.
Den größten Teil meines Lebens war ich direkt in Ausbildungsprozesse eingebunden. 17 Jahre lang war ich als Schüler oder Student unserem Erziehungssystem ausgesetzt. Das hatte seinen Höhepunkt in den vier Jahren an der Universität Harvard und
einem Jahr am Institut für Hochschulabsolventen in Claremont,
wo ich mich dank eines staatlichen Forschungsstipendiums mit
den Strukturen der vierjährigen College-Ausbildung befassen
durfte. Nach dem Magisterabschluss unterrichtete ich Englisch an
der Exeter-Akademie in New Hampshire, dann wurde ich Ausbildungsoffizier bei der US-Marine. Mein ungebrochenes Interesse
an Lernprozessen ließ mich eine Hochschule für freie Künste in
Nord-Michigan mitgründen; dort konnten Studenten sich auf
Führungsaufgaben in der Arbeitswelt vorbereiten. Fünf Jahre
später nahm ich eine Auszeit von formalen Ausbildungssystemen,
um die von mir eingeschlagene Richtung zu überdenken.
In dieser Auszeit entdeckte ich eine neue und ganz andere
Weise des Lernens und Lehrens. Dieser Ausflug in meine Biografie
soll die Lern- und Lehrproblematik von Golf in den größeren
Zusammenhang der gesellschaftlichen Ausbildungsprozesse stellen.
Das Wissen um die Ungleichgewichte, die unsere Lern- und
Lehrmethoden innerhalb formaler Strukturen prägen, macht es
leichter, die Golflehre mit dem Erziehungssystem zu vergleichen.

Würde man mich darum bitten, das Ungleichgewicht kurz und
klar zu bezeichnen, dann würde ich sagen: Die institutionalisierte
Ausbildung kapriziert sich auf Lernkonzepte in einem solchen
Maß, dass der Wert des Lernens direkt aus der Erfahrung und das
Vertrauen in diesen natürlichen Vorgang stark unterminiert
werden.
Ausgehend von der Annahme, dass der Geist ein leerer Behälter
ist, der sich allmählich füllt, befassen sich Lernkonzepte mit der
Anhäufung und dem Management von Ideen und theoretischen
Informationen. Experimentelles Lernen hat dagegen mehr mit der
Entwicklung angeborener Potenziale und Fertigkeiten zu tun. Das
englische Wort „Education“ (Erziehung), kommt von dem
lateinischen Wort „educare“, herausführen. Das deutet darauf hin,
dass Intelligenz bereits in uns vorhanden ist und nur darauf
wartet, aus uns herausgeholt zu werden. Dieses Hervorlocken
durch einen Lehrer, ein System oder die Umwelt ist die eigentliche
Aufgabe wahrer Erziehung. So ist das Sprechen beispielsweise
nicht eine Fertigkeit, die einem Kind von außen vermittelt wird,
vielmehr werden angeborene Fähigkeiten durch die Eltern und
durch das Erfahren der Umwelt gefördert und unterstützt.
Eine ausgewogene Erziehung verlangt nach einem angemessenen
Verhältnis von kognitivem und empirischem Wissen. Aber
bei der Vermittlung von körperlichen Fertigkeiten sollte das
Lernen durch unmittelbare Erfahrung Vorrang vor formalisierten,
abstrakten Lehrmethoden haben.

Formalisierte Erziehungsstrukturen lassen uns glauben, das
Lernen sei mit Ende der Schulausbildung abgeschlossen. Wir
treten in die Arbeitswelt ein und meinen, Lernen sei künftig auf
Fortbildungsseminare beschränkt. Aber unser Leben – im Hinblick
auf Beruf, Familie oder andere Aktivitäten, die Kompetenz und
Wissen verlangen – sieht anders aus. Alltägliche Erfahrungen sind
unser ständiger Lehrmeister.
Ich frage mich manchmal, welchen Weg die Menschheit
eingeschlagen hätte, wenn sie das Erlernen des Sprechens vor das
Erlernen des Gehens gesetzt hätte. Zweifellos hätten unsere Eltern
uns dann beigebracht, wann wir unser Gewicht vom linken auf
den rechten Fuß verschieben müssen. Wir hätten viel Zeit damit
vertan, auf dem Boden zu liegen und die Gründe für so manchen
Sturz zu analysieren. Zweifellos hätten viele von uns ein schlechtes
Bild von den eigenen motorischen Fertigkeiten entwickelt und
würden immer noch über die eigenen Füße stolpern.
Stattdessen haben wir aus der Erfahrung gelernt – wie von der
Natur vorgesehen. So bringen sich Kinder auch bei, wie sie auf
dem Fahrrad oder Skateboard das Gleichgewicht halten. Es ist dies
ein anspruchsvoller Prozess, der ungeteilter Aufmerksamkeit
bedarf. Er bereitet Freude, obwohl sich die gewünschten Resultate
nicht immer über Nacht einstellen. Grundlage des Inner-Game-
Lernens ist daher die These, dass die Erfahrung der wichtigste
Lehrer ist; jedes Individuum muss durch eigene Erfahrung lernen.
Wird die Erfahrung eines anderen Menschen durch Unterricht und
Anweisungen weitergegeben, ist das nur hilfreich, wenn das ganz
wichtige Verhältnis des Schülers zu seiner eigenen Erfahrung
nicht kompromittiert wird.

Beim Lernen geht es um Veränderungen, und zwar um Veränderungen im Kopf. Die Veränderung kann Einsichten, Wahrnehmungen und/oder Fähigkeiten betreffen. Damit bekommt Erfahrung eine neue, eine erweiterte Dimension: Dank ihrer wachsen
wir und setzen wir uns mit äußerlichen Veränderungen erfolgreicher
auseinander.

Vor allem Aufmerksamkeit versetzt uns in die Lage, Erfahrungen
zu sammeln und aus ihnen zu lernen. Das Wort Aufmerksamkeit
klingt vielleicht etwas vage und theoretisch. Das liegt wohl daran,
dass es sich dabei um ein sehr grundsätzliches, kaum befriedigend
definierbares Merkmal handelt. Im großen Webster’s Wörterbuch
wird das Wort als Substantiv nicht einmal aufgeführt. Es definiert
»aufmerksam« kurz als »wissend, erkennend, informiert«. Als
Synonym bietet es das Wort »bewusst« an. Aufmerksamkeit und
Bewusstsein sind die wesentlichen Grundlagen für das
menschliche Lernvermögen. Die Evolution vom Einzeller zur
hochkomplexen Zellanordnung, wie sie der menschliche Körper
darstellt, basiert auf der Kraft des lebenden Organismus, externe
Reize zu erkennen und selektiv auf sie zu reagieren. Aber während
meiner gesamten Ausbildung hörte ich fast nichts von der Kraft
und der fundamentalen Bedeutung der Aufmerksamkeit.

Lernen hat mit Veränderung zu tun und die Inner-Game-Herangehensweisefußt auf dem »Gesetz der Aufmerksamkeit«. Simpel gesagt gibt dieses Gesetz vor: Bevor man etwas verändert, muss man sich seiner Beschaffenheit bewusst sein. Oder prägnanter:
Aufmerksamkeit allein bewirkt schon Veränderung. Vermehrte
Aufmerksamkeit führt zu besserem Lernen.
Versteht man es, seine Aufmerksamkeit zu fokussieren, dann
nimmt zugleich auch die Aufmerksamkeit zu. Auf einfachste
Weise gesagt: Sie lernen das, worauf Sie Ihre Aufmerksamkeit
richten. Die Aufforderung, aufmerksam zu sein, ist insofern eine
Anweisung, sich auf einen bestimmten Bereich zu konzentrieren,
um sich seiner bewusster zu werden. (Vor-)Urteil, Furcht und
Zweifel im Hinblick auf den Gegenstand unserer Aufmerksamkeit
lenken ab und begrenzen Lerngelegenheiten. Die Übung der
Aufmerksamkeit möchte ich Ihnen beim Erlernen des Golfspiels an
die Hand geben. Doch zuvor möchte ich die übliche Form des
Golfunterrichts, der aus Handlungsanweisungen besteht, einer
kritischen Betrachtung unterziehen.
Handlungsanweisungen fordern grundsätzlich dazu auf, etwas zu
tun oder zu lassen. Meist werden sie erteilt mit den Worten »Sie
sollten dies tun« oder »Sie sollten dies nicht tun«. Es entsteht eine
Atmosphäre von Rechtgläubigkeit und Autorität, in der sich der
Schüler darauf einrichtet, vom Befehlsgeber beurteilt zu werden.
Wenn die Anweisungen nicht leicht zu verstehen oder zu befolgen
sind, ruft das Furcht vor dem Urteil hervor; der natürliche Lernprozess wird gestört. Nur leicht verständliche und leicht zu befolgende Anleitungen lösen eine solche Störung nicht aus. Wenn Sie beispielsweise von einem vertrauenswürdigen Golflehrer aufgefordert werden, die Füße auf Schulterbreite auseinander zu
stellen, ruft das weder Furcht noch Widerstand hervor. Aber kann
man dasselbe sagen, wenn man folgenden Anweisungen von Ben
Hogan zum Durchschwung ausgesetzt wäre?

Alle Spannung aus rechtem Bein und rechter Hüfte lösen sich.
Das rechte Knie bewegt sich in Richtung linkes Knie. Die
Handgelenke beginnen sich zu strecken, der rechte Arm wird
gerade und dreht sich über die linke Schulter. Dies alles findet
genau in dieser Reihenfolge statt. Sie werden feststellen, dass
Sie auf diese Weise den Durchschwung vollständig beenden.

Solche Anweisungen sind nicht hilfreich. Sie erzeugen Zweifel
des Schülers an seiner Fähigkeit, sie korrekt umsetzen zu können.
Mit dem Zweifel kommt die Angst vor negativer Beurteilung auf.
Häufig ist auch Widerstand, bewusst oder unbewusst, gegen den
Golflehrer die Folge. Werden diese Anweisungen verinnerlicht,
also von Selbst 1 an Selbst 2 weitergegeben, dann werden auch
Zweifel und Angst verinnerlicht und damit Teil unseres inneren
Lernvorgangs.

Wie führen Handlungsanweisungen zu Zweifel? Wie schreiben
Sie Ihren Namen? Wie binden Sie Ihre Schuhe? Wie gehen Sie eine
Treppe hinunter? Denken Sie über eine dieser Handlungen nach
und entwickeln Sie eine detaillierte Anleitung für ihre Ausführung.
Versuchen Sie, die Handlung nach dieser Anleitung auszuführen.
Das ist nicht einfach, wenn Sie auf jedes Detail eingehen.
Aber warum?

Das wesentliche Problem liegt in unserer Unfähigkeit, verbale
Befehle in körperliche Handlungen umzusetzen, wenn sie nicht
ganz einfacher Natur sind. Werden wir zu verwickelteren Aktionen
aufgefordert, schleicht sich Selbstzweifel ein, weil das Gehirn den
Körper nicht bewusst steuern kann. Der Teil des Gehirns, der
analysiert, theoretische Konzepte entwickelt und verbalisiert, kann
keinen Muskel bewegen. Nur in Grenzen kann er mit dem Teil des
Gehirns kommunizieren, der unsere Bewegungen steuert.
Befehle lösen grundsätzlich einen Widerstand des Egos aus und
sie säen auf fünferlei Weise Zweifel.
• Zwischen Lehrer und Schüler herrscht ein Kommunikationsproblem.
Der Schüler bezweifelt, ob er versteht, was der Lehrer
meint. Lehrer sind berüchtigt dafür, dass sie eine eigene Sprache
sprechen und annehmen, alle Welt spräche dieselbe Sprache. Ihr
Jargon enthält Formulierungen, die sich dem unverbildeten
Menschenverstand entziehen. Wenn man sich über die Bedeutung
einer Anweisung nicht im Klaren ist, kommt Zweifel auf: Kann ich
ihr folgen?
• Der Schüler hat interne Kommunikationsprobleme. Intellektuell
versteht er vielleicht, was er tun soll. Aber sein Körper
versteht es nicht. Es ist dies der geläufigste Konflikt und er stellt
eine umfassende Einladung für den Zweifel dar. Weil der Schüler
die Anweisung versteht, meint er, er müsse den Körper zur
gewünschten Aktion veranlassen können. Er weiß außerdem, dass
der Lehrer die entsprechende Ausführung erwartet. Aber wenn der
Körper die Anweisung nicht mit einer bereits vertrauten Aktion
assoziieren kann, ist er außer Stande, ihr zu folgen. Ohne ein
Körpergefühl von der Anweisung kann der Schüler weder seinen
eigenen Erwartungen noch denen des Lehrers entsprechen. Der
Zweifel nimmt zu.
• Intellektuelles und körperliches Verständnis sind womöglich
vorhanden, aber die Ausführung scheitert, weil das entsprechende
Leistungsvermögen noch fehlt. Es dauerte beispielsweise einige
Zeit, bevor mein Körper mit den Feinheiten der Beinarbeit zu
Beginn des Durchschwungs vertraut war. Es fällt dem Lehrer
leicht, Bewegungsfehler zu erkennen. Es fällt ihm schwer, die
spezielle Korrektur auszumachen, auf die man sich innerhalb
irgendeines Entwicklungsprozesses konzentrieren sollte. Zweifel
steigt im Schüler auf, wenn er zu etwas aufgefordert wird, das aus
dem Rahmen seines natürlichen Lernfortschritts fällt. Das
verstärkt sein negatives Selbstverständnis, das ihm sagt: »Ich
schaffe es nicht.«
• Viele Handlungsanweisungen, die Lehrer erteilen – oder
Schüler sich selbst – sind einfach falsch. Wenn man versucht,
Aufforderungen zu folgen, die den mechanischen Gesetzen des
Golfschwungs oder der Physiologie des Körpers nicht entsprechen,
wird unweigerlich Zweifel aufkommen.
• Es gibt Anweisungen, die intellektuell und körperlich verstanden
werden, korrekt sind, dem natürlichen Lernprozess
entsprechen und leicht umzusetzen sind. Solche Anweisungen
müssen keinen Zweifel nähren und sie können das Lernen
gelegentlich unterstützen. Aber Zweifel kommt dann auf, wenn zu
viele Anweisungen gleichzeitig gegeben werden. Fast immer,
wenn wir So-ist’s-richtig-Anweisungen empfangen, hängt da
auch ein »Das ist falsch« in der Luft. Das eine zieht das andere
nach sich und so fort. Schließlich ist der Kopf mit mehr
Instruktionen gefüllt, als er verarbeiten kann.
Die Sportlehre beruht auch heute noch vorwiegend auf
Handlungsanweisungen – trotz der damit verbundenen Verengung
und des möglichen Missbrauchs. So fühlen sich die meisten
Golfschüler sogar betrogen, wenn ihnen ihre Golflehrer nicht
sagen, was sie falsch machen und wie sie es richtig machen
müssen. Genau dieses Verfahren, an das wir uns gewöhnt haben,
betrügt uns um die Nutzung unseres Lernpotenzials. Es verführt
uns zu unbewusstem Misstrauen uns selbst gegenüber. Die daraus
resultierende Lücke zwischen unserer Leistung und unserem
Potenzial ist riesig. Leider übernehmen wir von unseren Lehrern
diese Lehrmethode und entwickeln ein Selbst 1, das ständig die
Saat des Selbstzweifels ausbringt, falls wir darauf hören. Da muss
dann nicht einmal mehr ein Pro neben uns stehen. Die Lösung
dieses Problems ist eine der wesentlichen Herausforderungen für
das gesamte Ausbildungssystem. Vielleicht kann die Sportlehre
den richtigen Weg weisen.

Bevor ich die Alternative zum Golfunterricht per Handlungsanweisung
anspreche, möchte ich betonen, dass es auf jedem
Gebiet des Sports Lehrer gibt, die um die Beschränkungen von
Anweisungen wissen und sich einer Sprache befleißigen, die auch
der Körper versteht. Die besten Lehrer verwendeten immer schon
eine bilderreiche Sprache, die sich nicht auf abstrakte Bewegungsbeschreibungen beschränkte, sondern Gefühle und Vorstellungen vitalisierte, mit denen der Körper bereits vertraut war. Bob Toskis Buch »The Touch System for Better Golf« versucht, die vorrangige Bedeutung von Gefühl und Muskelgedächtnis für den Golfschwung herauszustellen. Er schlägt beispielsweise vor, dass der
Golfschwung das Gefühl wie ein Kanu vermitteln soll, das Energie
aufbaut, um die Stromschnellen zu überwinden. Oder: »Das linke
Handgelenk sollte im Treffmoment so fest sein, als würde man
einen Teppichklopfer rückhändig benutzen.« Gary Wiren erwähnt
in »The New Golf Mind«, dass Sam Snead beim Schwung an das
Wort »ölig« dachte; so engagierte er seine rechte Gehirnhälfte und
vermied die Fallstricke der Strategie orientierten linken Gehirnhälfte.
Wie Ben Hogan bereits ausführte, ist der Golfschwung
leider nicht leicht mit anderen, häufig ausgeführten Bewegungen
zu verknüpfen. Darum haben die meisten nur wenige Analogien in
ihrem Muskelgedächtnis.

Inner Game bietet zum Unterricht per Handlungsanweisungen
eine funktionierende Alternative, dank derer der Schüler aus
seiner Erfahrung schöpfen und sein Selbstvertrauen verbessern
kann. Ich nenne sie »Unterricht in Aufmerksamkeit«. Einfach
erklärt, wendet sie sich eher an die Aufmerksamkeit des Schülers
als an seinen Körper. Anstatt zu sagen »Schau mal, ob du dies oder
das tun kannst«, sagt man »Schau mal, ob du sehen, fühlen oder
hören kannst, was genau jetzt und hier passiert«. Die in Kapitel 2
vorgestellte Übung »Hinten-Unten-Oben« stellt eine Aufmerksamkeits- Lektion dar, welche die Wahrnehmung des Schülers auf den Schläger konzentriert, insbesondere auf dessen Position im höchsten Punkt des Rückschwungs und nach erfolgtem
Durchschwung. Eine Änderung seines Verhaltens wird von ihm
nicht verlangt. Die Übung soll ihm nur den Vorgang bewusster
machen.

»Versuche zu fühlen, ob das Schlägerblatt im Treffmoment
offen, geschlossen oder senkrecht ist« lautet eine weitere Lektion
in Sachen Aufmerksamkeit; sie vermeidet Zweifel an der
Richtigkeit des Verhaltens, indem sie den Schüler gedanklich an
den Vorgang selbst bindet. Der Lehrer könnte den Schüler
auffordern, seine Augen zu schließen, den Schläger in
unterschiedliche Positionen – offen, senkrecht, geschlossen –
auszurichten, bis er die Unterschiede in seinen Händen spürt. Als
Nächstes könnte der Schüler herausgefordert werden, die Position
des Schlägerblattes im Treffmoment bei normalem Tempo zu
spüren. Wenn der Schüler denkt, dass sei ein Trick, um die Position
des Schlägerblattes zu korrigieren, möchte er es korrekt machen –
und schon ist er wieder genauso in der Betriebsart »mehr Mühe«,
als hätte man ihm aufgetragen, das Schlägerblatt im Treffmoment
square an den Ball zu bringen. Aber wenn er die Lektion in Sachen
Aufmerksamkeit für das nimmt, was sie ist – einfach als
Aufforderung an ihn, zu fühlen, was mit dem Schlägerblatt
passiert –, dann stellt sich gar nicht die Frage nach falsch oder
richtig; der Geist konzentriert sich auf diese Erfahrung. Es setzt
sich ein experimenteller Lernprozess in Gang, da der Schüler lernt,
zwischen den Empfindungen bei den unterschiedlichen Positionen
des Schlägerblattes zu differenzieren.

Aufmerksamkeitsübungen unterscheiden sich radikal von
Handlungsanweisungen. Sie verändern in aller Regel auch den
Gemütszustand. Sie erzeugen eine Art Lernen, das frei ist von
Zweifel, Frust und Entmutigung. Sie führen zum Wiederentdecken
des natürlichen Lernvorgangs, der organisch und schnell vonstatten
geht. Am wichtigsten ist es allerdings, dass sie den Glauben
des Schülers an seine Fähigkeit, aus Erfahrung zu lernen, verstärkt;
es ist allein die Aufgabe des Lehrers, ihm bei der Konzentration auf
die wesentlichen Elemente seiner Erfahrung zu helfen.
Sobald der Schüler mit Hilfe eines Inner-Game-Lehrers wieder
Vertrauen in seine Fähigkeit, aus Erfahrung zu lernen, gewonnen
hat, können bestimmte Handlungsanweisungen im geeigneten
Moment gegeben werden. Sie dürfen allerdings niemals Zweifel
auslösen. Sie dürfen auch nicht das grundsätzliche Vertrauen des
Schülers in seine Lernfähigkeit erschüttern. Aufmerksamkeitslektionen sind dem Lernen so förderlich, dass sie zu 95 Prozent meinen Unterricht bestimmen. Handlungsanweisungen erteile ich nur bei simplen Aufgaben oder wenn bereits ein hoher Grad an Vertrauen auf Selbst 2 und zum Lehrer vorhanden ist.
Die meisten Handlungsanweisungen formuliert man besser als
Aufmerksamkeitslektionen. Mit ein bisschen Übung fällt die
»Übersetzung« leicht. Als ich erstmals die Aufforderung »Schwing
beim Durchschwung von innen nach außen!« hörte, war ich
verwirrt. Selbst nachdem ich die Aufforderung intellektuell
verstand, hatte ich wenig Vertrauen in meine Fähigkeit, ihr Folge
zu leisten. Aber ich habe es versucht. Es klappte nicht, und ich
versuchte es wieder und wieder. Ich wurde immer verkrampfter.
Gelegentlich sagte mein Freund Tom Nordland: »Diesmal war es
richtig.« Aber ich konnte den Unterschied zwischen den
»richtigen« und »falschen« Schwüngen nicht fühlen.
Die Übersetzung dieser problematischen Handlungsanweisung
in eine Aufmerksamkeitslektion könnte so lauten: »Mach einen
Schwung, ohne damit eine bestimmte Absicht zu verbinden. Aber
fühle im Durchschwung, ob der Schläger sich dabei auf dich zu
oder von dir weg bewegt.« Vor dem Schwung könnte der Lehrer
den Arm des Schülers von außen nach innen und von innen nach
außen führen, um ihm ein Gefühl für den Unterschied zu
vermitteln. Sobald der Schüler beim Schwingen zwischen diesen
beiden groben Schwungkategorien entscheiden kann, mag er
aufgefordert werden, sich auf feinere Veränderungen zu
konzentrieren. Man kann ihm zum Beispiel die Frage stellen, ob
der letzte Schwung mehr von innen nach außen ging als der
vorherige. Um in diesem Fall seine Konzentration fast unmerklich
auf den Schwung zu richten, könnte seine Aufmerksamkeit durch
die Einführung einer Skala noch verstärkt werden. Wenn ein
Durchschwung der Ziellinie parallel ist, dann wird er mit 0
bewertet. Ein Schwung etwas von innen nach außen ist + 1, mehr
von innen nach außen + 2 oder + 3. Durchschwünge von außen
nach innen würden analog dazu als – 1, – 2 und – 3 eingestuft.
(Bei fortgeschrittenen Golfern kann die Konzentration auf eine
Skalierung nach Belieben verfeinert werden.) Diese Feineinstellung
der Aufmerksamkeit erzeugt deutlichere Unterschiede in den
Empfindungen und initiiert Lernvorgänge. Durch Experimente
entdeckt Selbst 2, welcher Schwung das beste Gefühl vermittelt
und optimal zur eigenen körperlichen Verfassung passt.
Manchmal bleibt ein Golfer mit seinem Schwung wie die Nadel
in der Schallplattenrille hängen. So sehr er sich auch auf den
Durchschwung konzentriert – es hilft nichts. Wenn der Schüler
das Empfinden hat, sein Schwung sei mit – 2 einzustufen, könnte
der Lehrer sagen: »Probier doch einmal aus, wie sich – 3 anfühlt! …
Jetzt probiere + 3, + 2, + 1.« Nachdem er durch die Erfahrung
unterschiedlicher Schwünge seine gewohnte Bahn verlassen hat,
gibt er sich dem Schwung einfach wieder hin. Wenn er ernsthaft
darauf verzichtet, »richtig« schwingen zu wollen, wenn er sich an
die Aufmerksamkeitslektion hält, wird sein Körper automatisch
den Schwung selektieren, der das beste Gefühl vermittelt und am
besten funktioniert. Durch solch einen natürlichen Lernprozess
brennt sich der neue Schwung sozusagen ein. Der Schüler fühlt
die Veränderungen konkret, denkt aber nicht über sie nach.
Hier sind einige Beispiele für die Übersetzung von Handlungsanweisungen

in Aufmerksamkeitslektionen. Beim Lesen sollten Sie
sich vorstellen, wie unterschiedlich Sie auf jede Lektion reagieren
würden.
So wird man aufmerksam
1. Halten Sie den Kopf während
des Schwunges ruhig. Das ist
zwingend erforderlich. Trainieren
Sie das so lange, bis es
gelingt.
2. Der rechte Ellenbogen sollte
sich im Durchschwung frühzei-
1. Achten Sie darauf, ob Sie im
Schwung eine Bewegung Ihres
Kopfes spüren. Stellen Sie fest,
ob die Bewegung beim nächsten
Schlag stärker oder schwächer
ist.
2. Achten Sie während der
nächsten Schwünge auf Ihren
98 INNER GAME GOLF
tig auf Ihre rechte Seite zubewegen.
(Sam Snead)
3. Halten Sie Ihren linken Arm
gerade.
4. Der häufigste Fehler des
unerfahrenen Spielers beim
Durchschwung besteht darin,
ihn bereits vor Vollendung des
Rückschwungs einzuleiten.
Noch bevor der Schlägerkopf
die Treffzone erreicht hat, wird
die rechte Schulter hastig
aktiviert. Der Oberkörper dreht
sich dabei zu schnell in den
Schlag. (Ben Hogan)
5. Stellen Sie sicher, dass im
Treffmoment der linke Handrücken
die Ziellinie hinunterzeigt.
(Arnold Palmer)
6. Der Golflehrer- und Beraterstab
von Golf Digest vertritt die
Ansicht, dass der Schlägerschaft
im höchsten Punkt des
Rückschwungs idealerweise der
beabsichtigten Flugbahn parallel
ist. (Golf Digest)
rechten Ellenbogen. Versuchen
Sie nicht, etwas zu verändern.
Versuchen Sie nur zu beschreiben,
was der Ellenbogen tut,
besonders nach Einleitung des
Durchschwungs. Stellen Sie
Positionsveränderungen fest.
3. Achten Sie bei jedem
Schwung darauf, ob Ihr linker
Arm gerade bleibt oder sich
beugt. Benutzen Sie eine Skala
von 1 bis 5, um den Grad der
Beugung einzustufen.
4. Bei den nächsten zwanzig
Schlägen achten Sie auf Ihren
Körper und finden Sie heraus,
ob Sie eine hastige Bewegung
während des Schwungs entdecken
können. Falls ja: Wann
waren welche Muskeln beteilig?
Versuchen Sie nicht, ruhiger zu
schwingen. Achten Sie nur auf
das, was sich tut, und auf graduelle
Veränderungen.
5. Schlagen Sie ein paar Bälle
und achten Sie auf Ihren linken
Handrücken. Steht er senkrecht,
offen oder geschlossen?
6. Versuchen Sie zu fühlen, ob
der Schaft Ihres Schlägers der
Ziellinie parallel ist, nach innen
oder außen zeigt. Aber nicht
hingucken! Es könnte Ihnen
helfen, wenn Sie beim Schwingen
die Augen schließen.

Jedes dieser Beispiele weist den Unterschied zwischen den
beiden Lehrmethoden auf. Die Handlungsanweisung fordert den
Schüler auf, sich einer bestimmten Aktion zu befleißigen – ob er
dazu in der Lage ist oder nicht. Prinzipiell kann er sowohl Erfolg
haben als auch versagen. Daher sorgt er sich wahrscheinlich sehr
um das Resultat und er ist offen für Zweifel wie für Stress. Selbst
wenn er die Aufgabe löst, wird er daran denken, dass er sich an
diese Tipp erinnern muss, wenn er dieses Resultat wiederholen
will. Und nicht nur an diese Anweisung, sondern auch an alle
anderen, die er bereits im Kopf hat. Die Aufmerksamkeitslektion
fordert andererseits nur eines vom Bewusstsein: Achte auf das,
was passiert. Zweifel kommen nicht auf, da es hierbei kein Richtig
oder Falsch gibt. Furcht stellt sich nicht ein, da kein externer
Standard für die Qualität der Ausführung gesetzt wird. Aber der
Körper lernt. Er kann sich auf das konzentrieren, was sich gut
anfühlt, und selbst herausfinden, was funktioniert.
Zu den wesentlichen Merkmalen von Aufmerksamkeitslektionen
gehört der Verzicht auf Beurteilung. Aufmerksamkeit registriert
und akzeptiert Abläufe einfach nur. Sie misst dem Resultat keinen
positiven oder negativen Wert bei. Einige Lehrer, die sich bemüht
haben, die Aufmerksamkeitslektionen ihrem Verständnis anzupassen,
sind in Quasi-Aufmerksamkeitslektionen verfallen. »Sind
Sie sich dessen bewusst, dass Sie einen falschen Rückschwung
haben?«, fragen sie. Oder sie fordern auf: »Unterlassen Sie diese
Drehung bewusst!« Aber es ist unmöglich, sich eines Vorganges
bewusst zu sein, der nicht stattfindet. Die Aufmerksamkeit kann
sich nur einem tatsächlichen Ereignis widmen. Alles andere basiert
auf einem Konzept, bei dem Vermutungen im Mittelpunkt stehen.
Die Erkenntnis, dass Aufmerksamkeitslektionen funktionieren,
fällt nicht leicht, wenn man bis dahin ausschließlich an Handlungsanweisungen geglaubt hat.

Es ist leicht einzusehen, dass Aufmerksamkeitslektionen Selbstzweifel und Frust vermeiden. Esist nicht leicht zu glauben, dass man Resultate mit ihnen erzielt.
Wenn Ihnen dieses Eingeständnis hilft: Ich hatte dasselbe
Problem. Obwohl diese Lektionen den Lernprozess und das
Leistungsvermögen jedes Mal verbessern, bin ich immer wieder
begeistert. Vor allem wegen der Mühelosigkeit, mit der sich die
Veränderungen zum Besseren ereignen. Und wenn die erwartete
Veränderung einmal nicht auftrat, machte das die Sache nur noch
interessanter. Allein meine wiederholte Erfahrung, dass
Aufmerksamkeitsübungen funktionieren, gibt mir das feste
Vertrauen in diese Trainingsform. Es sind die Resultate, nicht die
theoretischen Erwägungen, die ihre Qualität garantieren. Darum
schlage ich Ihnen nicht den heroischen Kraftakt vor, demnächst
alle Resultate außer Acht zu lassen und die Überzeugung
anzunehmen, dass Scores wirklich nicht wichtig sind. Ich schlage
Ihnen allerdings vor, die Aufmerksamkeitsübungen lange und
ernsthaft genug auszuprobieren, um die Wirkung selbst zu
entdecken.

Seit ich von Al Geibergers 59 auf dem Platz des Colonial Country
Club in Memphis gehört hatte, wollte ich ihn treffen und von ihm
erfahren, wie er es mental angestellt hatte, ein solches Ergebnis zu
erzielen. Ich rief ihn eines Tages an und wir verabredeten uns in
einem privaten Club in Santa Barbara.
Ich kam als Erster an und machte mich in den Proshop zum
Clubpro auf. Mit ihm hatte Geiberger vereinbart, dass wir das
Übungsgrün und die Driving Range benutzen durften. Als ich
mich vorstellte, erkundigte er sich neugierig, was ich mit Al
Geiberger auf der Driving Range tun wollte. »Sie haben doch nicht
irgendetwas vor, das nach Golfunterricht aussieht?«, fragte er fast
schon drohend. Ich bat ihn, mir zu erzählen, was nach Unterricht
aussähe.
»Also, ich möchte weder, dass Sie ihm zeigen, wie man einen
Golfschläger schwingt, noch dass er Ihnen demonstriert, wie man
den Ball anspricht oder sonst etwas.« Die Vorstellung, ich könnte
Geiberger irgendetwas über