Aufbruchstimmung im Golfsport!

Die Golfsaison 2018 neigt sich unweigerlich dem Ende zu. Die letzten Runden in dem wettermäßig tollen Herbst werden gedreht. In den Clubs in Deutschland und Österreich wird heiß über die ab 2019 eintretende Reform der Regeln diskutiert.

Große Erwartungen von Seiten der Verbände, Clubs und Spieler wurden geweckt. Es kommt auch einer Sensation gleich, dass sich die beiden weltweit wichtigsten, führenden und auch rivalisierenden Verbände, die R&A sowie die USGA zu diesem Schritt entschlossen haben.

Ganz aus freiem Willen geschah dies aber nicht. Die weltweit stagnierenden Zahlen an Golfspielerninnen und Golfspielern, und damit verbunden die zunehmenden finanziellen Schwierigkeiten der Golfplätze zwangen die sonst eher sehr konservativen Regelhüter dazu.
Auch das in Planung stehende weltweit einheitliche und längst überfällige Handicapsystem sollte in Kürze abgeschlossen werden. Bisher gab es sechs verschiedene Systeme.

Hier regt sich aber noch in einigen Ländern gegen diese Einführung unverständlicherweise Widerstand.
Einige Verbände, besonders die Deutschen und Österreicher, fürchten um Macht und Einfluss.
Die Angst geht um, dass das geplante, einheitliche Handicapsystem die Stellung der Verbände gefährdet und so wollen diese ihr eigenes Süppchen kochen.

Man muss hier abwarten, aber eine Nichtteilnahme an dem weltweiten neuen Handicapsystem wäre fatal, ohne „Wenn und Aber“, ohne Sonderregelung und Ausnahmestatus. Man stelle sich dies in einer anderen Sportart, zum Beispiel Fußball, vor! Undenkbar, dass in einem Land nach einem anderen System, mit anderen Regeln, gespielt würde.

Der Antiglobalisierungseffekt, der auch leider zunehmend in der Politik, Stichwort „Populisten“, zunimmt, scheint hier durchzuschlagen.

Bei meinen Besuchen und Gesprächen in Clubs und mit Golferinnen und Golfern stelle ich überwiegend noch Unkenntnis und Gleichgültigkeit über die Neuerungen fest. Woran mag dies liegen?

Die überwiegende Mehrheit der heute aktiven Golfer ist in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts zum Golf gestoßen. Neben der Neigung, im Alter Neuerungen gegenüber nicht mehr so aufgeschlossen zu sein, haben die andauernden verzweifelten und untauglichen Änderungen der letzten Jahre unserer Verbände, (etwa vorgabewirksame 9-Lochturniere, ein kompliziertes Handicap-System und ähnliches) wenig bewirkt.
Statt dessen kam es zu einer Reformmüdigkeit in den Köpfen der Golferinnen und Golfer /innen und die erwünschte Hürden für den Beginn einer Golfkarriere wurden noch größer und komplizierter, siehe die neue Platzreife.
Hier sollte man auch das Wort „Prüfung“ sofort streichen und einfach die Leute mehr zum Golfpro senden.

Oft bekomme ich von vermeintlich altgedienten Golfern zu hören: „Die ändern dauernd was, interessiert mich nicht, spiele eh keine Turniere mehr, will nur noch Spaß haben, wie in anderen Ländern gegolft wird ist mir gleich, im Urlaub merke ich nichts davon nichts, in Deutschland spielen wir so wie wir es wollen.“

Nun, dies sind leider keine vereinzelten Aussagen. Bei allem Respekt, hier wird vergessen, dass unsere Länder vor noch nicht allzu langer Zeit den Golfsport erst übernommen haben, von Ländern wie UK und den USA.
Zwar beruft man sich regelmäßig gerne bei jeder Gelegenheit auf den R&A bis ins kleinste Detail, aber dass Golf Nationalsport in diesen Ländern, im Gegensatz zu uns, ist, mit teilweise ganz anderen Systemen, wie öffentlichen, frei zugänglichen Plätze in jedem Dorf, ohne Clubzwang oder semiprivate und rein private Plätze, wird vergessen.

Nun, ob jemand einen Club bevorzugt in dessen sozialem Leben eher ein lockerer, „gaudimäßiger“, rustikaler Umgang oder ein eher konservativer Stil herrscht, ist eine persönliche Entscheidung, was für den Eintritt neuer Mitglieder nicht von großer Bedeutung sein sollte.

Nur das Regelwerk, die Etikette, Handicapsystem trifft alle gleich. Wenn nun endlich weltweit gültige und einheitliche Systeme eingeführt werden, sollten alle diese genauso übernehmen. In anderen Sportarten wäre es undenkbar, daß dies nicht so ist. Es bedarf schon einer gewissen Engstirnigkeit und Unwissenheit
sich den geplanten internationalen Gepflogenheiten zu verschließen.

Die Neuerungen sollten hierzulande auch Anlass geben, alles zu überdenken. Wie bereits oben ausgeführt, sollte man sich ein Beispiel an den in Golf führenden Nationen nehmen.

Deshalb wäre dringend erforderlich, der Bau von einfachen, günstigen Anlagen jeder Größe, für alle zu fördern.

Dies bedeutet:

  • Ohne Clubzwang, für Jedermann, keine Pflichtmitgliedschaft im Verband.
  • Einteilung in öffentliche Publikkurse, semiprivate und private Clubs
    (hier auch keine steuerlichen Vorteile mehr für diese!)
  • keinen Zwangsausweis mehr der Verbände, jeder Club stellt eigenen Ausweis aus, das erteilte Spielrecht auf einer Anlage obliegt, wie bereits jetzt eh schon, dem einzelnen Club. Damit wird der komische Kartenhandel unterbunden und der falsche Hinweis „mit diesem Ausweis können Sie überall spielen“ entfällt!
  • Golfausbildung – ohne das Wort Prüfung– sollen wieder vermehrt in die Hände tüchtiger Pros gelegt werden.
  • Handicaps vergibt der Club nach Vorgaben des Verbandes selbst.

Solange diese Änderungen nicht eintreten, wird man kaum Investoren in einfache Anlagen finden. Diese Themen sind die größten Probleme für Neugewinnung von Golfern/innen. Besonders die finanziell schwächeren Bevölkerungsgruppen, die Studenten und auch die Gruppe der 30-50 jährigen fällt eine Teilnahme am Golfsport bisher schwer. Sogar gutverdienende Gruppen wie junge Ärzte, im Beruf sehr eingespannt, die Familie mit geplantem Hausbau usw, finden in den bei uns herkömmlichen Clubs nicht den gewünschten, leichten, unverbindlichen Zugang zu diesem Sport, hier kann ich auf viele Beispiele verweisen.

Die neue weltweite Reform gibt den Clubs und Verbänden jetzt hervorragende Mittel in die Hände.
Es wird eine schwierige Aufgabe diese zu publizieren und den Golfspielerinnen und Golfspielern schmackhaft zu machen.

Ein schönes Spiel wünscht Ihnen
Ihr

Heinz Schmidbauer

Heinz Schmidbauer

Über Heinz Schmidbauer

Der Golfpro Heinz Schmidbauer blickt auf eine 40 jährige Golferkarriere zurück. Der Diplomierte Sportlehrer betreute als Trainer viele internationale Sportstars und arbeitete mit berühmten Sportlern wie Arnold Palmer, Nick Bolletieri und Patrick Ortlieb zusammen. Seine Golferfahrung, auch als ehemaliges Mitglied der European Challenge-Tour, brachten ihn auf alle Kontinente der Erde. Wobei er auf 3 Kontinenten Profiturniere gewann. Auch als Erbauer und Manager zahlreicher Golfanlagen (ua. Golfclub Kobernausserwald, GC Maria -Theresia) machte er sich einen Namen. Er lebt heute vorwiegend in Italien und Österreich.

Es gibt 2 Kommentare

  1. Harald Prier

    Lieber Heinz,
    ich teile Deine Meinung in vollem Umfang. Es wäre absolut kontraproduktiv, wenn einzelne Länder das neue, interantionale HcP-System nicht übernehmen würden. Und Golf sollte sich zum Breitensport entwickeln und nicht vermeintlichen Eliten vorbehalten sein. Natürlich gehört auch der Leistungsgedanke zum Golfsport, aber nicht nur!

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