Sporttourismus: Gute Sache für Urlaubsregionen?

Der schönste Ort zum Skifahren in der Schweiz. Ein Resort mit sechs reizvollen Golfplätzen. Die besten Surfwellen an der Algarve. Für tourismusorientierte Regionen kann der erfolgreiche Versuch, sich als attraktive Sporttourismus-Destination zu profilieren, besonders lukrativ sein. Die Anbieter von Unterkünften können ebenso davon profitieren wie Sportanbieter sowie Restaurants, Fahrdienste und sportferne Tourismusangebote. Der ökonomische Effekt kann groß sein, der Versuch chancenreich. Beispiele dafür findet man beispielsweise in Tirol und auf Mallorca.

Sporttourismus ist etwas … für Zuschauer UND Aktive

Beim Wort „Sporttourismus“ glauben viele Menschen schnell, dass sie wissen, was damit gemeint ist: Urlaubsangebote, bei denen eigene Sportaktivitäten von Reisenden eine überdurchschnittlich große Rolle spielen. Es geht also zum Beispiel um Wandern und Radwandern, um Kanufahrten oder Golf-Urlaubskurse.

Ganz so einfach ist die Definition des Begriffs „Sporttourismus“ aber nicht. Vielfach wird nämlich auch der Sportveranstaltungstourismus zu ihm gezählt. Gemeint sind damit touristische Angebote für passive Interessierte, die große Sportveranstaltungen besuchen möchten, beispielsweise Welt- oder Europameisterschaften oder Wintersport-Events wie die Vier-Schanzen-Tournee. Und selbst wenn man den Begriff Sporttourismus auf Angebote verengt, bei denen die Rolle des Reisenden über die eines passiven Zuschauers hinausgeht, gibt es sinnvolle Unterscheidungen.

Es ist nicht genau dasselbe, ob man touristische Angebote für Menschen bereithält, die an bestimmten großen Sportveranstaltungen wie an einem Stadtmarathon teilnehmen möchten, oder ob man Reisen ohne Bezug zu speziellen Events anbietet, bei denen sportliche Freizeitaktivitäten eine überdurchschnittlich große Rolle spielen. Unterschieden wird bisweilen in eine harte und eine weiche Definition von Sporttourismus. Diese Unterscheidung stammt von Sean Gammon und Tom Robinson. Erläutert wird sie unter anderem in der Dissertation „Sporttourismus in Mittelgebirgen am Beispiel der Destinationsauswahl im Erzgebirge“ aus 2015. Demnach beschreibt die harte Definition Sporttourismus als passive oder aktive Teilnahme an einer Wettkampfsportveranstaltung. Dagegen definiert die weiche Variante den Sporttourismus als eine hauptsächlich aktive Teilnahme am Freizeitsport.

Nicht jede Sportart eignet sich gleich gut für Tourismus

Manche Sportart wird häufiger für touristische Zwecke angeboten als andere. Aber welche? Die wissenschaftliche Arbeit „Aktiver Sporttourismus für junge Erwachsene“ von Sarah Walter zitierte 2016 als Antwort eine Umfrage unter eigenständischen Tourismus-Organisationen aus Baden-Württemberg. Laut der Umfrage gehören folgende Sportarten zu den häufigsten Angeboten: Fitness/Wellness, Golf, Inline-Skating, Koronarsport, Mountainbiking, Nordic Walking/Walking, Radfahren, Reiten, Rudern/Kanu, Schwimmen/Baden, Segeln, Ski/Snowboard, Skilanglauf, Surfen/Kitesurfen, Tennis, Wandern und Wassergymnastik.

Daten zu beliebten Outdoor-Sportarten liefert die Broschüre „Wirtschaftsfaktor Outdoorsport“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Sie nennt als Top-Sportarten für draußen Radsport, Laufen/Joggen, Wandern, Kanu/Kajak und Klettern/Bouldern. Bezieht man den passiven Sporttourismus mit ein, also den Besuch von Sportveranstaltungen, kann beispielsweise ein Blick auf Sportwetten-Angebote von Anbietern wie 888 hilfreich sein. Wettanbieter haben oft ein sehr feines Gespür dafür, welche Sportarten eine ausreichend große Zielgruppe begeistern. Natürlich gehören große Fußballspiele zu den Favoriten, aber auch Sportarten wie Tennis, Basketball und Eishockey.

Die Regionen können sich auf vielerlei Weise profilieren

Möchten Urlaubsregionen sich sporttouristisch profilieren, ist es oft am sinnvollsten, sich auf eine weiche Variante des Sporttourismus einzustellen. Größere Sportveranstaltungen zu etablieren, ist aufwändig, oft kostenintensiv und etwas Glück gehört stets dazu. Sich bei einer geeigneten Landschaft beispielsweise als Wander- und Radlerregion zu präsentieren und das jeweilige Wegenetz auszubauen, ist da einfacher und verspricht in der Regel mehr Erfolg. Ebenso sinnvoll und durchführbar kann die Ansiedlung touristischer Angebote wie eines Golfresorts oder eines Sporthotels sein. Manchmal reichen aber auch relativ kleine Maßnahmen wie einige neue Tennisplätze oder ein zusätzliches Kajakangebot, um das sporttouristische Profil eines Urlaubsregion zu schärfen.

Lohnt sich das Golfsport-Angebot … für Mallorca?

Der Bedarf an sportlicher Aktivität im Urlaub ist bei Deutschen scheinbar vorhanden. So gaben 67 Prozent der über 2.000 Nutzer des Reiseportals Urlaubspiraten in einer Umfrage an, im Urlaub Sport zu treiben. Und der Travel-Trends-Report 2019 der TrekkSoft AG machte „mehr Abenteuer“ als einen der Trends für 2019 aus. Abenteuer ist zwar nicht genau dasselbe wie Sport. Schaut man sich jedoch die beispielhaft genannten Urlaubsziele an, wird die Nähe zum Sporttourismus schnell deutlich. Der Report verwies auf Urlaubsziele wie Interlaken in der Schweiz und Area 47, den größten Outdoor-Freizeitpark in Österreich.

Golfer beim Abschlag. Foto: Court Prather/ Unsplash

Dass sich Angebote für Sporttouristen für Urlaubsregionen lohnen können, zeigen andere Studien beziehungsweise Statistiken. Zu ihnen gehört beispielsweise eine Analyse ökonomischer Auswirkungen des Golfsports für die Urlaubsinsel Mallorca. Auftraggeber der Studie aus 2018 waren der balearische Golfverband sowie der Verband der Golfplatzbetreiber auf Mallorca. Laut Studie wirkt sich die Präsenz der Golfclubs positiv auf den mallorquinischen Arbeitsmarkt aus. Der Anteil unbefristeter Arbeitsstellen in den Golfclubs ist deutlich höher als im mallorquinischen Durchschnitt. Ein weiteres Studienergebnis: Die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen durch den Golf-Sport haben auf Mallorca eine Höhe von 72,14 Millionen erreicht.

Es gibt weitere Beispiele für ökonomische Auswirkungen sporttouristischer Angebote. So präsentierte Martin Schnitzler von der Universität Innsbruck 2019 in seinem Vortrag „Sporttourismus und Lebensraum alpine Region“ Zahlen für den Zeitraum 2013 bis 2015 zum Bikepark Serfaus – Fiss – Ladis (Tirol). Im untersuchten Zeitraum stieg nicht nur die Anzahl der Besucher pro Tag von 78 auf 157. Es stiegen zusätzlich die Umsätze pro Besucher.

Schnitzler dokumentiert für Besucher des Bikeparks eine durchschnittliche Aufenthaltsdauer in der Region von drei Tagen sowie eine „hohe Weiterempfehlung des Besuchs“. Der Urlaubsort werde primär über den Bikepark wahrgenommen, heißt es in der Präsentation zum Vortrag. So trägt die Sportlocation dazu bei, den Urlaubsort als Marke zu etablieren.

Speziell mit den Auswirkungen eines Sportveranstaltungstourismus im Westmünsterland hat sich bereits 2003 die wissenschaftliche Arbeit „Ökonomische Bedeutung des Sporttourismus im Westmünsterland“ beschäftigt. In ihrem Fazit stellten die Autoren um den Leiter der Studie Prof. Dr. Jürgen Schwark unter anderem fest, dass der Sporttourismus innerhalb des Wirtschaftsbereichs Tourismus ein bedeutsames Angebotssegment darstellt, dass er Umsätze in Millionenhöhe, zusätzliche Einkommen und Steuereinnahmen für den Kreis Borken bringt und viele Arbeitsplätze schafft.

Sporttourismus ist nicht für jede Region beste Option

Die Beispiele zeigen, wie positiv sich Sporttourismus auf Regionen auswirken kann. Wichtig ist immer ein Konzept, das Potenziale analysiert, Ziele definiert und die passenden Maßnahmen festlegt. Jede Region bietet individuelle Bedingungen und Chancen für einen erfolgreichen Sporttourismus. Und nicht für jede Region ist der Sporttourismus die beste Option. Einmal darüber nachzudenken, ob er die beste Option sein könnte, ist aber auf jeden Fall empfehlenswert.

 

 

 

 

 

 

 

 

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