5.000 Mark Preisgeld, der Sieger streicht 2500 ein, nach dem Rekordergebnis von 279 Schlägen auf vier Runden. Eine stolze Summe, mehr als der große Henry Vardon zuvor jeweils bei seinen fünf Open-Siegen in Großbritannien gewonnen hatte. Die Open Championship of the Golfclub Baden-Baden, wie es damals am 18. und 19. August 1911 heißt, ist das erste Profiturnier in Deutschland.
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Baden-Baden sieht also bereits früh großes Golf und einige Topstars der Szene. Golfer können damals mit dem Zug anreisen, vom Bahnsteig 3 führt ein direkter Übergang zum Platz. Der Club selbst feierte seine Gründung bereits 10 Jahre zuvor, ist heute mit 125 Jahren der drittälteste in Deutschland und hat in seiner Geschichte viele Wendungen gesehen. Im Jubiläumsjahr feiern die Baden-Badener Golfer natürlich einige Feste und Höhepunkte. Die Icon Trophy gehört dazu, deren Auftakt die Steigenberger-Gruppe auf dem Selighof ausrichtete.
Vardons Sieg beim ersten Profiturnier findet noch auf dem Golfplatz Oos statt, unweit des Bahnhofs. Die Amateure heute profitieren von einem ungleich schöneren, auch sportlich attraktiveren Platz im Nordschwarzwald, gerade 10 Autominuten vom Zentrum Baden-Baden entfernt. Zudem finden sie dort eine erneuerte Hotellandschaft vor, nach dem renommierten Brenners-Park ist auch der Europäische Hof seit Sommer 2025 wiedereröffnet, nachdem er mehr als ein Jahrzehnt außer Betrieb war.
1911: Erstes Profiturnier im drittältesten Club Deutschlands
Der Erfolg des Turniers 1911 mit Vardons Triumph veranlasst die Veranstalter in ihrer Begeisterung gleich ein zweites Open zu organisieren und das Preisgeld zu verdoppeln. Die Topspieler geben Tipps für die Verbesserung des Platzes. Die Züge nach Baden-Baden bekommen eigene Golfwagons, große Feste werden gefeiert. 1912 gewinnt mit John Henry Taylor abermals ein mehrfacher Open-Gewinner. Doch den Veranstaltern ist bereits klar, dass der Platz diesen hohen Ansprüchen nicht genügt. Erst lange nach dem Krieg aber tut sich etwas, 1927 ist der neue Golfplatz Selighof Realität. Er hat nicht die Längen eines Meisterschaftskurses, mit seinen zahlreichen Hanglagen aber echte Herausforderungen.
Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe
Aber nicht nur hier soll künftig die Icon Trophy ausgespielt werden. Icon nennt Steigenberger traditionsreiche Häuser, die nun umgebaut sind oder noch werden. Die Turnierreihe soll die noch junge Marke bewerben. Die chinesischen Investoren steckten nach Angaben der Steigenberger-Gruppe deutlich mehr als 100 Millionen Euro in den Europäischen Hof. Ein ehrwürdiges Haus mit langer Tradition und vielen berühmten Gästen, allen voran Kaiserin Sisi, die sich heute in illuminierten Schattenrissen auf den Fluren wiederfindet und deren Perlenkette in Form einer Lichtinstallation das beeindruckende Treppenhaus im Hauptteil des Hotels illuminiert. Mehr als 180 Jahre existiert das Haus nun zentral am Kurgarten an der Kaiserallee, ein paar Schritte entfernt über die Oos liegt das Kurhaus mit seinem pompös-opulenten Casino. Kurz dahinter beginnt die Lichtenthaler Allee mit ihren prächtigen Villen. Die Innenstadt liegt in unmittelbarer Nähe sowie viele andere Sehenswürdigkeiten wie die Kurhauskolonnaden, das Theater oder das Museum Frieder Burda. Die Thermen sind weltbekannt und lohnen in jedem Fall einen Besuch. Die typische Baden-Badener Pracht strahlt das Hotel auch nach seiner Wiedereröffnung aus, Einrichtung und Gestaltung des Restaurants, der Zimmer und des Interieurs sind dabei zeitgemäß modern. Das geräumige Spa und eine Rooftopbar sind es ebenfalls. Albert Steigenberger legt hier 1930 den Grundstein für die Gruppe. Damals lebte er selbst im Haus.
Eine Zeit lang schien der Glanz des Kurortes zu verblassen. Die Stadt erhofft sich nun etwas Aufschwung. Das legendäre Brenners Park Hotel ist bereits renoviert, jetzt will sich der Europäische Hof wieder als Tophaus in Baden-Badens Hotellandschaft etablieren. Das Image mancher Steigenberger-Hotels schien etwas aus der Zeit gefallen, das weiß man auch im Management.
Hotelpalast mit Leichtigkeit
Da gilt es, historischen Charme zu bewahren und mit den neuen, anspruchsvollen Bedürfnissen einer zahlungswilligen und auch jüngeren Kundschaft zu verbinden, also einem altehrwürdigen Hotelpalast etwas luxuriöse Leichtigkeit zu geben. Im Europäischen Hof scheint das gelungen, auch weil der Empfang und der Umgang mit den Gästen angenehm entgegenkommend ist und kaum aufgesetzt wirkt. In der Branche spricht man dann von Hospitality, einem Service, der den Eindruck vermitteln soll, man sei schon lange willkommener Stammgast. Das gelingt ganz gut, auch wenn manches noch wachsen muss und Kleinigkeiten beim Service längst nicht perfekt sind.
Icon Trophy bald auch an anderen Standorten
Um das Ambiente und die neue Marke bekannt zu machen, will die Steigenberger-Gruppe die Icon Trophy in den kommenden Jahren auch an anderen Standorten ausrichten. Der GC Baden-Baden bot zum Auftakt dafür eine angenehme Atmosphäre und die nötige Tradition. Der gepflegte Platz bietet grandiose Blicke in die wunderbare Landschaft des Nordschwarzwaldes, nach vielen Jahrzehnten scheint der Baumwuchs manche Bahn zumindest optisch deutlich zu verengen und gewinnt dem Amateur heute durchaus Respekt ab. Ungewöhnlich ist auch, dass es sich um einen Par-64-Platz mit insgesamt 10 (!) teils langen Par-3-Löchern handelt, die mitunter steil ansteigend oder abfallend verlaufen, dabei häufiger eine beachtliche Länge aufweisen. Als Kontrast bei einem Golfausflug nach Baden-Baden bietet sich eine Runde auf der anderen Seite der Grenze im französischen Soufflenheim an. Der Platz, von Bernhard Langer designt, ist in eine ruhige, flache Wiesenlandschaft eingebettet, die einige Wasserhindernisse vorhält. Ein Kurs also mit einem ganz anderen Charakter.
Erste Proette kommt aus Baden-Baden
Übrigens stammt auch die erste deutsche Profigolferin aus dem GC Baden-Baden. Gerda Boykin, gerade 10-jährig, verdingt sich als Caddie amerikanischer Soldaten und bekommt als Lohn reichlich Schokolade. Solch vergessene Golfgeschichte sind dem Hamburger Golfhistoriker Christoph Meister zu verdanken, der mit seinem mehr als beeindruckenden Archiv bereits zahlreiche Golfchroniken geschrieben hat. Lange vor Bernhard Langer behauptet sich Boykin von 1959 an als 20-Jährige in den USA als Profi und wird dort durch ihre ansehnliche Karriere bekannter als in ihrer Heimat, wie sie selbst in einem Interview einmal sagt. Der Eintrittspreis im GC Baden-Baden liegt im Jahr der Eröffnung 1901 übrigens bei 2 Mark pro Tag. Heute kostet das Greenfee moderate 70 € (Wochenende und Feiertage 90 €). Im Europäischen Hof muss der Gast etwas tiefer in die Tasche greifen, die Raten liegen bei circa 300 Euro und mehr pro Tag und gehen bei Suiten auch ins Vierstellige.











