10 Schläge weniger in der neuen Saison – die richtige Strategie macht den Unterschied

Die neue Saison steht vor der Tür und mit ihr Vorfreude, Erwartungen und Ziele. Wir alle möchten in diesem Jahr das Beste aus unserem Spiel herauskitzeln und unser Potential austesten. Das wirft die Frage nach der richtigen Strategie auf. Wie kommen wir von A nach B, beziehungsweise wie heben wir unser Spiel auf das nächste Level? Dass das nicht so einfach ist, haben wir als langjährige Turnierspieler immer wieder erfahren. Fortschritt ist ohne eine wasserdichte Strategie fast unmöglich, doch eben diese ist einfacher umzusetzen, als gedacht. Freddy hatte vor einigen Wochen die Chance, an einem Seminar von John Dunigan, Trainer von PGA Tour Profi Sean O’Hair, teilzunehmen, bei dem es in erster Linie um Strategie und die mentale Einstellung ging.

Dunigan begann seinen Vortrag mit folgender Frage an uns: „Spielt Ihr auf dem Golfplatz den Feuerwehrmann, der von einem Brandherd zum nächsten rennt oder vertraut Ihr Eurem Trainingsprozess?“. Das ist eine gute Frage, die sich unserer Meinung nach jeder Golfer stellen sollte, denn es ist so einfach vom Wesentlichen abzukommen.

Wir spielen eine Runde Golf, identifizieren unsere Schläge mit den langen Eisen als unzureichend und vereinbaren die nächste Trainerstunde. Wenn die langen Eisen in der nächsten Runde plötzlich sitzen und der Putter nicht so will wie wir, ist es einfach, auch hier wieder den Trainer aufzusuchen.

Der Golfschwung involviert über 160 Muskeln, dass dabei nicht immer alles nach Plan läuft, ist selbstverständlich. Wichtig ist, dass wir uns nicht von Momentaufnahmen verunsichern lassen, sondern das große Ganze betrachten. Sind die Schläge mit den langen Eisen eine Seltenheit oder bereiten diese uns regelmäßige Schwierigkeiten? Letzteres wäre ein Grund, den Trainer aufzusuchen und die langen Eisen regelmäßig in das Training einzubauen. Sind misslungene Schläge mit den langen Eisen jedoch eine Seltenheit, so sind wir besser beraten, uns auf die Aspekte unseres Spiels zu konzentrieren, die unser Spiel am meisten beeinflussen. Herauszufinden welche das sind, liegt an uns selbst. AGAPS Rundenanalysen oder der Online Service von mygolf bieten gute Möglichkeiten, das eigene Spiel langfristig zu beobachten und analysieren. Wer nichts von Rundenanalysen und deren Auswertung hält, der sollte sich trotzdem folgende Frage stellen: „Wo drückt der Golfschuh?“ 

Wo drückt der Golfschuh?

Gibt es einen Bereich in Ihrem Golfspiel, den Sie unbedingt verbessern möchten, der Selbstzweifel hervorruft und der Sie regelmäßig Schläge kostet? Wer regelmäßig kurze Putts verschiebt, sollte vielleicht nur halb so viel Zeit auf der Driving Range und doppelt so viel Zeit auf dem Puttinggrün verbringen. Das schwächste Glied der Kette zu identifizieren ist die halbe Miete, denn oft wird dann schnell klar, ob es beispielsweise an der Wiederholung, dem Verständnis der Technik oder der Umsetzung  unter Druckbedingungen liegt. Dementsprechende Korrekturen in die Wege zu leiten, fällt uns dann deutlich leichter. Wer weiß, wo er die meisten Schläge liegen lässt und sein Potential identifiziert hat, der läuft nicht in Gefahr, von einem Brandherd zum nächsten zu rennen, sondern kann am großen Ganzen arbeiten.

Das Besondere an Trainern wie John Dunigan ist deren Nähe zum Geschehen auf der Tour und die fesselnden Geschichten, die dadurch entstehen. Auch Profis sind laut Dunigan des Öfteren frustriert und alles andere als perfekt: Die meisten schätzen, dass sie es während einer Saison auf gerade einmal 1-3 perfekte Runden bringen. In über 95% der Fälle müssen auch Profis kämpfen, doch gerade darin liegt der Unterschied zwischen gut und sehr gut. Dunigan bat uns während des Vortrags an einen Boxer zu denken und erklärte uns dann warum:

„Ein (guter) Boxer weiß, dass er im Ring getroffen wird und einstecken muss. Wenn er Pech hat, verlässt er die Arena nach einem Kampf auf Krücken, doch er geht trotzdem davon aus, dass er gewinnt. Ein Boxer schlägt zurück, wenn er getroffen wird und was machen wir Golfer? Wir ärgern uns, wenn wir getroffen werden, beziehungsweise unser Ball nicht das macht, was wir uns vorstellen.

Ich bin ein großer Fan von praxisnahem Training, wodurch das Spiel auf dem Platz simuliert wird. Ich war neulich mit einer Schülergruppe auf dem Platz. Wir haben misslungene Abschläge simuliert, wobei ich die Bälle meiner Schüler platziert habe.

Vom Fairway kann jeder, deshalb habe ich mir ein paar nette Stellen unter Bäumen, im Bunker oder im Rough ausgesucht und meinen Schülern die Aufgabe gegeben, trotz der schlechten Ausgangslage bei 6 von 9 Löchern das Par zu retten.

Die Kinder haben gekämpft was das Zeug hält und viele haben die Aufgabe geschafft. Nach der Runde habe ich sie darauf angesprochen, dass wir durch die Übung im Prinzip nur 9 missglückte Abschläge simuliert haben.

Während der Übung habt ihr gekämpft was das Zeug hält, doch wenn ihr den Ball tatsächlich 9 Mal vom Tee in die Pampa schlagt, lasst ihr den Kopf hängen.

„Ich möchte nicht, dass Golfer ihre Erwartungshaltung senken, doch wer misslungene Schläge akzeptiert, sich auf die Herausforderung einlässt und kämpft, der kommt langfristig nicht um den Erfolg herum.“

Dunigan hat damit einige Dinge angesprochen, die wir so absolut unterstützen. Praxisnahes, beziehungsweise Anwendungstraining ist unserer Meinung nach sehr wertvoll, gerade unmittelbar vor oder während der Saison. Sobald wir wissen, wo der Golfschuh drückt, können wir beginnen, diesen Aspekt unseres Spiels so zu trainieren, dass er auch unter Druck sitzt – vorausgesetzt wir sind mit der technischen Ausführung bereits vertraut. Damit ist folgendes gemeint:

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir auf dem Golfplatz 3 Bälle hintereinander auf dasselbe Ziel spielen, ist bescheidend gering. Auf dem Platz haben wir nur eine Chance, weshalb es Sinn macht, genauso zu trainieren. Gutes Training involviert den Kopf und regt uns zum Denken an, denn genau das machen wir auch auf dem Platz. Wechseln Sie Ihr Ziel oder den Schläger, beziehungsweise die Art des Schlages bunt durch und Sie werden feststellen, dass Ihr Spiel auf dem Platz nach und nach besser wird. 

W.I.N.

Herausforderungen, wie sie Dunigan in sein Training mit seinen Schülern einbaut, sind enorm hilfreich – auch aus psychologischer Sicht. Wer sich ab und zu dazu zwingt, unter Bäumen durchzuspielen, lernt zu kämpfen. Dunigan hat eine tolle Abkürzung für das englische Wort „win“ („gewinnen“): What’s important now? (Was ist momentan wichtig?). Gewinner sind auf das Wesentliche fixiert. Bedenken Sie, dass es Profis auch nur auf 1-3 hundertprozentig zufriedenstellende Runden bringen. Wer sein Potential ausschöpfen möchte, sollte sich auf die Dinge konzentrieren, die er kontrollieren kann und die im jeweiligen Moment wichtig sind.

Das ist wichtig

  • Identifizieren Sie, wo der Schuh drückt und überlegen Sie sich, wie Sie Ihre Trainingszeit so einteilen können, dass dem schwächsten Schläger im Bag ausreichend Aufmerksamkeit zukommt
  • Trainieren Sie wie Golf auf dem Platz gespielt wird: Ein Ziel, eine Chance
  • Fordern Sie sich im Training. Gute Runden fühlen sich so plötzlich an wie ein Spaziergang im Park
  • Verinnerlichen Sie die W.I.N.-Formel

There is one comment

  1. Dominik Stachow

    Finde den Artikel sehr schön geschrieben. Besonders der Tipp, dass man sich beim Golfspielen auf das konzentrieren soll was man gut beherrscht und nicht zu sehr über die eigenen Schwächen nachdenken sollte. Erfolg im Golf hängt viel von der eigenen Erwartungshaltung ab. Und natürlich üben, üben, üben 🙂

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