Hire and fire im Golfmanagement

Golfmanager/innen kommen und gehen. Wie die Trainer in der Fußball Bundesliga. Mit einem kleinen aber entscheidenden Unterschied: während man als Bundesligatrainer bereits nach einem Jahr Tätigkeit weitgehend finanziell abgesichert ist, kann sich der gemeine Golfmanager meist nicht mal ein neues Auto von seinem Ersparten kaufen.

Dabei sind Arbeitsbelastung, Ausbildung und Engagement durchaus vergleichbar. Oft sind ein Hochschulstudium, regelmäßige Fort- und Weiterbildungen und nebenbei erworbenes fachspezifisches Know-how die Grundlagen für die Berufskarriere. Unermüdlicher Einsatz und unregelmäßige Arbeitszeiten werden von den Arbeitgebern vorausgesetzt und sind auch für die Stelleninhaber selbstverständlich.

Fehlende Karriereperspektiven

Der Wechsel der Kolleginnen und Kollegen von einem Club zum anderen kann viele Gründe haben. Oft kommt man beruflich nur voran, wenn man durch einen Wechsel in eine Position mit größerer Verantwortung und damit höherem Gehalt wechselt. Aber neben der oft fehlenden Karriereperspektive spielen meist auch Dinge wie mangelnde Wertschätzung, Meinungsdifferenzen oder gar Mobbing eine große Rolle. Immer wieder entstehen Probleme durch die offensichtliche Diskrepanz zwischen Fach- und Entscheidungskompetenz. Oder um es ganz einfach auszudrücken: die sachverständigen Kollegen, müssen oft (Fehl-)Entscheidungen hinnehmen und dann noch vertreten, die von unsachverständigen Personen und Gremien getroffen werden. Ein echtes Dilemma.

Häufig steht der Fortgang des Clubmanagers in zeitlich engem Zusammenhang mit einem Vorstandswechsel. Neue Besen wollen eben kehren. Aber kehren sie auch gut?

Das Gehalt von Golfmanagern

Und es kommt noch eine weitere Komponente ins (Wechsel-)Spiel: das Gehalt. Während erfahrene Golf(anlagen)manager schon ab und an mal 6-stellige Jahresgehälter verdienen, geben sich jüngere Kollegen häufig bereits mit einem Jahresgehalt unter 50.000 Euro zufrieden. Wenn ein hochqualifizierter, erfahrener Clubgeschäftsführer aufgrund seines erfolgsorientierten Vertrages dann ein Jahressalär von 300.000 Euro verdient, wie es vor Jahren im GLC Berlin-Wannsee der Fall war, dann sorgt das schon mal für Furore und Schlagzeilen (siehe Artikel des Tagesspiegel von 2010). „Ich war ein Opfer meines Erfolges“ und „mein hohes Gehalt wurde mir zum Verhängnis“ sind Aussagen von gestandenen Golfmanagern, die, meist plötzlich und unerwartet, vor die Tür gesetzt wurden. Und das, obwohl sie erfolgreich gearbeitet haben. Eine traurige Entwicklung.

Viele geschätzte Kollegen haben bereits nach 6, 8 oder 10 Jahren das Berufsfeld Golfmanagement ganz verlassen. Man hört von psychosomatischen Erkrankungen, von ausgebrannten Menschen und schwersten psychischen Traumata. Ein Kollege berichtet, dass er nachts schweißgebadet wach wurde und meinte das Telefonklingeln im Büro zu hören. Ein anderer beginnt zu zittern, wenn er die Stimmen von bestimmten Menschen hört. Von nervösen Augen- und Muskelzuckungen, Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen ist die Rede. Ein Traumberuf? Manchmal leider auch ein Albtraum!

Es ist nicht nur schade, es ist auch teuer, wenn die Branche immer wieder gute, engagierte Leute, die spezifische Aus- und Fortbildungen vorzuweisen haben, verliert. Wenn man bedenkt wie viel Know-how der Branche dadurch verloren geht, kommt man tief ins Grübeln.

Ausbildung zum Junior-Golfmanager

Foto: GMVD/pr

Dem Golf Management Verband (GMVD) kommt hier eine wichtige Rolle zu. Er steht den Golfmanagern zur Seite, wenn sie Probleme an Ihrem Arbeitsplatz haben. Viele gefrustete Kolleg/inne/n  wenden sich vertrauensvoll an die erfahrenen Mitglieder in ihrem Berufsverband, und lassen sich mit dem einen oder anderen Tipp gut weiterhelfen. Im Rahmen der zahlreichen Regionalkreistreffen tauschen sich die Kollegen offen aus. Es tut gut, immer wieder zu erfahren, dass man nicht alleine mit seinen Sorgen und Problemen dasteht.

Der GMVD stärkt die Position als Clubmanager/in in den Golfclubs durch Erfahrungsaustausch, Fort- und Weiterbildung und das Zertifizierungsprogramm CCM. Er führt die Diskussion mit den professionellen und ehrenamtlichen Arbeitgebern, um auch hier immer mehr Verständnis für die Belange der hauptamtlichen Mitarbeiter von Golfanlagen zu wecken. Ziel ist, dass Golf Manager/innen ihren Job erfolgreich und mit Freude machen.

Dieser Artikel erscheint auch im Blog Golf-Berater.

Markus Erdmann

Über Markus Erdmann

Markus Erdmann spielt seit 1977 Golf. Seitdem hat er weltweit 347 Golfplätze gespielt und hofft, dass es jedes Jahr ein paar mehr werden.
Er arbeitet seit 1988 im Sportbusiness, zunächst als Trainer und Manager in Sportvereinen und Tennisclubs und als Universitäts-Dozent, dann als Manager bzw. Geschäftsführer namhafter Golf Clubs.

Seit dem Jahr 2001 betreibt Markus Erdmann ein Beratungsbüro für die praktische Betriebsberatung von Sport- und Golfanlagen. Er hilft Unternehmen und Vereinen, ihre Wirtschaftlichkeit zu verbessern und Projekte zu realisieren.

Durch sein Studium der Sportwissenschaften, eine Ausbildungen zum Golfbetriebswirt, Golftrainer, Spielleiter/Platzrichter, die Zertifizierung zum Certified Club Manager der höchsten Stufe und langjährige Berufs- und Sport-Erfahrung, ist Erdmann ein anerkannter Experte in Sachen Golf und Golfanlagen Management. Hier geht es zu seiner Internetseite

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