So geht Golf auf schottisch

Golf hat in Schottland mindestens so viel Tradition wie in Deutschland der Fußball. Doch wer im Land der Highlander abschlagen will, muss sich auf einen kleinen Kulturschock einrichten: Die Männer tragen Röcke, das Englisch ist nicht zu verstehen, Whiskey ist ein Nationalgetränk und die Golfplätze sehen anders aus als hierzulande. Die Vereinigung clubfreier Golfspieler (VcG) erfuhr von Golfplatzbauer Declan O´Malley mehr über die Besonderheiten des Landes.

Golfplatz in Schottland: Foto: VisitScotland.

Besonders stolz sind die Schotten auf ihren Nationalsport: Golf macht einen großen Teil der Identität aus. Erstmals seit 1973 ist das Mutterland des Golfsports jetzt wieder Austragungsort des Ryder Cups, eines der weltweit bedeutendsten Golf-Turniere. Ein Hauch von Geschichte schwingt dabei mit. „Die ersten Aufzeichnungen über Golf in Schottland reichen in das 15. Jahrhundert zurück. Und das moderne Spiel, wie wir es kennen, wurde ebenfalls dort begründet“, sagt Declan O´Malley. Golf ist in Schottland selbstverständlich. „In Schottland sind die berühmtesten Golfplätze St. Andrews ‚The Old Course‘, Carnoustie und Royal Troon im Besitz der jeweiligen Städte und Kommunen. Damit ist jeder Schotte berechtigt, an diesen öffentlichen Orten zu spielen. In den meisten Haushalten steht ein Golfbag, das für eine Partie zwischendurch mit Freunden hervorgeholt wird. Golf bedeutet für die Schotten, einen Gemeinschaftssport
zu zelebrieren“, sagt Golfplatzbauer Declan O´Malley.

Besonderes Land – besondere Golfplätze

Schottland hat mehr als 500 Courses. Der Golftourismus macht ungefähr vier Prozent der gesamten Tourismuseinnahmen aus. Und das hat seinen Grund: Wer in Schottland den Schläger schwingen will, braucht weder Platzreife noch Mitgliedschaft und kann zu niedrigen Konditionen auf den zahlreichen „Pay and Play“-Kursen spielen.
So unterschiedlich der Umgang mit der Tradition, so verschieden stellt sich auch die Golfplatzarchitektur dar. „In Schottland geht es den Architekten nicht darum, große Golfanlagen zu konzipieren. Vielmehr suchen sie nach geeigneten Landschaften, in denen sich ein Golfplatz optimal integrieren lässt“, erklärt O´Malley. So verhält es sich auch bei den für Schottland so typischen „Links-Courses“. „Diese speziellen Golfplätze lassen sich nicht nur durch ihre baumlosen Areale charakterisieren. Historisch betrachtet, bezeichnet der Begriff „Links“ einen Küstenstreifen mit sandigen Böden, Dünen und besonders hügeliger Topographie. Diese eignen sich ideal für ein schnelles Spiel. Das Fairway und die Greens sind mit kleinen Kuppen übersäht. Der Profi unterscheidet somit zwischen zwei Spielweisen: Typische Golfplätze werden durch ihre weiten Landschaften ‚in der Luft gespielt‘. Die Links-Courses werden auf dem Boden bestritten“, so O´Malley.

In Deutschland haben sich aufgrund des hohen Schwierigkeitsgrades bislang nur wenige „Links-Courses“ etabliert. Winston-Links in Mecklenburg Vorpommern oder Budersand auf Sylt lassen manchen erfahrenen Golfer verzweifeln. Doch nicht nur im Bereich des Golfsports unterscheiden sich Deutschland und Schottland.

„Fàilte anns Alba!“ (Willkommen in Schottland!) – Mundarten zum verrückt werden…

Wer sich für einen Golf-Trip nach Schottland entscheidet, sollte einige landestypische Gepflogenheiten beachten. Schon die Fahrt zum Course kann zu einer Herausforderung werden. Fragt der Golfurlauber nach dem Weg, erwartet ihn ein buntes Potpourri an Dialekten, die dem Englischen zwar verwandt, jedoch für den Laien kaum verständlich sind. Die Schotten bestehen auf den Fortbestand der eigenen Sprachen, dem Scots und dem Gälischen. Scots wird vorwiegend in den schottischen Lowlands und auf den Inseln im Norden gebraucht. Die germanische Herkunft mit den skandinavischen Einflüssen hilft dem nicht ortskundigen Golfurlauber dennoch kaum. Eine noch größere Herausforderung stellt das Gälische dar. Nimmt beispielsweise der Platzwart in dieser Sprache Kontakt auf, sollte immer ein Block mit Stift im Golfbag parat sein. Das Gesprochene unterscheidet sich fundamental vom Geschriebenen. 18 Buchstaben enthält das Schottisch-Gälische Alphabet, aus denen über 90 Laute hervorgehen. Klappt die
Kommunikation, sollten zumindest auf dem Golfplatz modisch einige Regeln eingehalten werden, wenngleich in Schottland in Punkto Golfmode deutlich mehr Lässigkeit als in Deutschland vorherrscht.

Dresscode auf Schottisch

Der Kilt oder Schottenrock gilt als nationale Tracht für den Mann. Auch wenn er als essentielles Accessoire beim traditionellen Baumstammwerfen herhalten muss, sei es doch dringend abgeraten, ihn auch auf einem schottischen Golfplatz zu tragen. Um einen Vergleich zu ziehen – in Bayern würde auch kein Golfer in Lederhosen abschlagen. Der Kilt bedeutete im 18. Jahrhundert je nach Muster, die Zugehörigkeit zu bestimmten Regionen oder Clans. Nach der Schlacht von Culloden untersagte England den Schotten jegliches Tragen des Tweet-Wickelrocks. Doch 1782 wurde das Verbot wieder aufgehoben. Seither gilt das Kleidungsstück als Ausdruck nationaler Identität. Das Spielen mit traditioneller Ausrüstung hingegen erfreut sich auf schottischen Golfplätzen großer Beliebtheit. In Gleneagles, wo der diesjährige Ryder Cup ausgetragen wird, können Gäste in Knickerbockern und mit Hickory Holzschlägern Golf anno 1924 spielen.

Whiskey-Genuss: Hochprozentiges am Schluss

Ebenso traditionell wie der Golfsport ist auf dem Eiland auch der Alkoholgenuss. Nach einer Partie sollte sich jeder Golfer mit Geschmack noch einen Abstecher zur Bar im Clubhaus gönnen. Es muss schon mit dem Teufel zugehen, wenn sich hier nicht eine erlesene Auswahl schottischer Whiskys fände. Abgeleitet aus dem Gälischen lässt sich das erlesene Alkoholgetränk als „Wasser des Lebens“ übersetzen. Die Herstellung von Whisky geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Erst im Zuge der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts wurde Whisky zu einem wahren Exportschlager. Doch die Euphorie sollte schon bald getrübt werden. Die beiden Weltkriege und die Prohibition in den USA setzten den Whisky Produzenten zu und viele „Distilleries“ mussten schließen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts übernahmen Konzerne das Zepter der kleinen Familienunternehmen und etablierten Whisky als zeitloses Genussmittel. Auch hierzulande ist Whisky aus gut sortierten Bars nicht wegzudenken.

Bagpipe – Gedudel, das nicht auf den Sack geht

Eines ist jedoch absolut aus deutschen Kneipen wegzudenken – neben dem Golfbag erfreut sich auch ein anderes sackähnliches Gerät größter Beliebtheit in den schottischen Highlands. Die Bagpipe, der Dudelsack, gilt als Nationalheiligtum. Doch falsch gedacht – das Instrument wurde nicht etwa auf der Insel erfunden. Als Ursprungsland wird Indien vermutet. Die in Sanskrit benannte Sackpfeife tauchte später dann in Ägypten auf und erst im Mittelalter erreichte sie europäische Gefilde. Im 18. Jahrhundert etablierte sie sich in Schottland als beliebtes Instrument bei Hofe.

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