Eine Ermessensentscheidung gab es eine Regelabsprache?

Anfrage aus Österreich: Ich glaube das ist ein Regelverstoß?

Anfragetext: Ball am Grün unterstützt Spiel

Sehr geehrter Herr Pausch,
Ich möchte Ihnen folgende Situation schildern.
Spieler B will vom Vorgrün putten und der Ball des Mitbewerber A liegt nahe und kurz hinter dem Loch, so dass sein Ball als Backup für B’s Ball dienen würde.
Was passiert, wenn Spieler B puttet und den Ball des Mitbewerbers A trifft.
Oder was passiert wenn Spieler B den Ball des Spielers A nicht trifft.
Ich habe in der Entscheidung Dec. 22/7 nachgelesen und bin der Meinung diese
müsste wohl klarer formuliert werden.

Ein von mir dazu befragter Regelguru gab folgende Antwort:
Entscheidend sei der Zeitfaktor.
Wäre A in der Lage gewesen seinen Ball ohne Spielverzögerung zu entfernen?
Wenn Ja, dann müssten beide Spieler nach Regel 22-1 disqualifiziert werden.
Ob nun Spieler B den Ball des Spielers A trifft oder nicht sei unbedeutend.

Meine Einschätzung zur Golfregelfrage:
Hallo Herr Rainer,
An der Entscheidung 22/7 fehlt eigentlich nichts.
Es muss der Spielleitung freigestellt sein, hier eine Ermessensentscheidung zu treffen.
Dies bezieht sich sowohl auf die Frage, ob der Ball wirklich stört und auch darauf, ob es vertretbar ist, die Strecke bis zum Ball zurückzulegen, und auch, ob eine Absprache getroffen wurde.
Wird im Zählspiel von der Spielleitung festgestellt, dass Bewerber übereingekommen sind, einen Ball nicht aufzunehmen (damit er als Ballstopper dient) so hätten Sie recht, dass beide Spieler zu disqualifizieren sind.

Die Entscheidung, die Ihr befragter „Regelguru“ dazu getroffen hat, beruht offensichtlich auf der Annahme, dass eine Absprache existierte.
Wie wurde aber diese Absprache nachgewiesen? Hat die Spielleitung jemand informiert?
Die Entscheidung 22/7 nimmt eine Absprache erst an, wenn sich ein Bewerber weigern sollte, wäre das ein deutliches Beweisanzeichen dafür, dass eine Übereinkunft getroffen wurde den Ball nicht aufzunehmen, um den Mitbewerber bei seinem Verstoß gegen Regel 22-1 zu unterstützen.
Lassen Sie uns als Gegenbeispiel einen Spieler nehmen, der schon 10 Löcher lang sieht, wie sein Mitbewerber jeden Chip zu kurz lässt.
Nun geht es auf dem 11. Grün zur Fahne z.B. bergauf.
Welchen Anlass soll der Spieler haben, wo der Ball des Mitbewerbers noch am Vorgrün liegt jetzt plötzlich seinen Ball hinter dem Loch aufzunehmen?
Nochmals zur Ihrer eigentlichen Anfrage:
Was passiert, wenn Spieler B puttet und den Ball des Mitbewerbers A trifft.
Oder was passiert wenn Spieler B den Ball des Spielers A nicht trifft.

Wie schon erwähnt wenn keine Absprache nachgewiesen wurde passiert gar nichts, sollte der Ball des Bewerbers vom Vorgrün aus gespielt tatsächlich den Ball des Mitbewerbers treffen wird der Ball des Mitbewerbers wieder an die ursprüngliche Stelle zurückgelegt und der Ball des Bewerbers muss gespielt werden wie er liegt. Regel 19-5a

Gernot Pausch

Gernot Pausch

Über Gernot Pausch

In dieser Rubrik schreibt Gernot Pausch über die Golfregeln. Gernot Pausch HCP 11- Spielr spielt seit 35 Jahres Golf und befasste sich seit dieser Zeit intensiv mit Golfregeln. Herr Pausch war Golfclubmanager im Golf und Countryclub Salzburg auf der Anlage Schloss Fuschl und beantwortet für mehrere Golfmagazine noch die Golfregelanfragen.

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