EPD-Tour: Aufsteiger und Pechvögel

Der amtierende EPD-Tour-Champion Reiner Saxton aus den Niederlanden sichert sich über die Qualifying School das Spielrecht auf der European Tour 2012. Und während EPD-Tour-Vizemeister Sebastian Buhl aus dem niederbayerischen Loham dramatisch um einen Schlag scheitert, gelingt auch dem Nürnberger Bernd Ritthammer, Gewinner der EPD-Tour-Rangliste 2009, der Aufstieg in Europas Elite-Liga des Professional Golf.

Er hat es tatsächlich geschafft: Reinier Saxton, Gesamtsieger der EPD Tour 2011, überspringt die Challenge Tour und darf sich 2012 auf der European Tour mit den Superstars des Golfsports messen. In der Final Stage der Qualifying School im PGA Catalunya Resort in Spanien belegte der 23-Jährige aus Amsterdam den geteilten 24. Rang und sicherte sich damit die Tourkarte. Mit Runden von 70, 66, 65, 78, 66 und 75 Schlägen, gesamt 8 unter Par, machte er den Aufstieg perfekt. Dabei musste er am Finaltag auf dem Stadium Course nach vier Bogeys auf den hinteren neun Bahnen noch einmal zittern, doch schließlich waren 420 Schläge in sechs Runden gut genug, um die Top 30 zu erreichen. „Das ist schon ein wenig verrückt“, sagte Saxton, ich hatte gehofft, im besten Fall ganz kontinuierlich von der EPD Tour auf die Challenge Tour und dann auf die European Tour aufzusteigen. Aber jetzt sofort auf der European Tour zu spielen, das kann ich noch gar nicht richtig fassen.“ Zugleich machte er auch klar, dass er das kommende Jahr sehr realistisch angehen wird: „Das wird ein sehr schwieriges Jahr auf der European Tour. Von den 30, die sich im letzten Jahr über die Qualifying School qualifizieren konnten, haben nur fünf ihre Tourkarte behalten. Ich fühle mich sehr glücklich – und zugleich ist es ein bisschen verrückt!“

Mit 422 Schlägen hatte Sebastian Buhl am Ende genau einen Zähler zu viel notiert: Die Nummer 2 des finalen EPD-Tour-Rankings 2011 scheiterte schon fast tragisch um einen Schlag: Sein Birdie-Putt an der 18 lippte am Finaltag aus, und Buhl konstatierte: „Ein Schlag am Traum vorbei!“ Zu spät hatte der 27-Jährige in Runde 6 die Aufholjagd begonnen, insgesamt dreimal lippte der Ball aus oder blieb an der Lochkante stehen – eine 65er Runde war durchaus im Bereich des Möglichen. Dann waren es am Ende aber 69 Schläge für den Niederbayern, womit er 19 Ränge im Tableau nach oben kletterte – 20 hätten es sein müssen. „Natürlich überwiegt erst einmal die Enttäuschung“, so Buhl. „Die Karte für die European Tour nur um einen Schlag zu verpassen, ist schon hart. Im Endeffekt hatte ich aber heuer mein bisher bestes Jahr. Mit dem 2. Platz auf der EPD Tour und dem Cut bei der Final Stage habe ich mehr erreicht als erwartet. Nun weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin und mit den Besten mithalten kann. Mit diesem Selbstbewusstsein greife ich im neuen Jahr auf der Challenge Tour an.“

Mit dem in Hamburg lebenden Engländer Ben Parker hatte ein weiterer Spitzenakteur der EPD Tour den Cut der Final Stage überstanden, letztlich musste er sich aber mit Platz 60 zufrieden geben. Durch die gute Leistung von Saxton, Buhl und Parker in der Final Stage dürfen allerdings noch zwei weitere Spieler jubeln: Allen John und Alexander Knappe rücken über ihre Platzierung auf der EPD-Tour-Rangliste 2011 noch auf die Challenge Tour 2012 nach. Dadurch, dass Saxton und Buhl, Nummer 1 und 2 des finalen EPD-Tour-Rankings, ihre Aufstiegs-Tickets zur Challenge Tour nicht wahrnehmen müssen, rücken John als Nummer 6 der Rangliste und Knappe als Nummer 8 nach. Parker hatte das Jahr 2011 auf Platz 7 beendet, kann nun aber das Ticket an Knappe weiterreichen. Wer beim Final-Stage-Turnier die Finalrunden 5 und 6 erreicht, erhält im folgenden Jahr automatisch eine bessere Einstufung auf der Challenge Tour als die Top 5 der finalen EPD-Tour-Rangliste. Deshalb können Saxton und Buhl ihre Challenge-Tour-Karten an die Nachrücker in der EPD Tour Order of Merit weitergeben.

Neben Reinier Saxton darf sich unter anderem auch der ehemalige EPD-Tour-Champion Bernd Ritthammer über ein European-Tour-Ticket freuen: Der PGA Golfprofessional aus Nürnberg, 2009 Ranglistensieger der EPD Tour, hatte das Feld der Final Stage in Runde 5 zwischenzeitlich sogar angeführt, beendete das Turnier dann allerdings mit einer 77er Runde, was ihn auf Position 14 (416 Schläge/-12) zurück warf. Doch wie Saxton machte sich damit auch der Deutsche ein wunderbares Weihnachtsgeschenk. Der 24-Jährige vom Golf Club am Reichswald Nürnberg ist in der kommenden Saison neben Martin Kaymer und Marcel Siem der dritte deutsche PGA Golfprofessional mit Spielrecht auf der European Tour.

Im letzten Jahr hatte Bernd Ritthammer das Tour-Ticket um zwei Schläge verpasst, diesmal legte er in den Runden drei, vier und fünf (68, 68, 67) den Grundstein für den Erfolg. Sein Fazit: „Das war eine harte Woche. Es gibt im Golf eigentlich nichts Anstrengenderes als die Final Stage der Qualifying School. Da war der Kopf nach Runde 6 ziemlich leer. Ich war ehrlich gesagt heilfroh, als es vorbei war. So richtig konnte ich mich erst am nächsten Morgen zu Hause freuen. Als ich aufgewacht bin, habe ich das alles erst richtig wahrgenommen und realisiert, was das für mich nun bedeutet“, so Ritthammer. „Der Schlüssel zum Erfolg war sicher, dass ich den Platz gut kannte und die Höhen und Tiefen der Final Stage im Vorjahr schon kennen lernen durfte, als ich die European Tour um zwei Schläge knapp verpasst habe. Ein Unterschied war auch, dass ich 2010 mit dem Ziel nach Spanien gereist bin, unter die Top 30 zu kommen. Heuer dagegen wollte ich gewinnen und nach vorne spielen.“ Zwischen den Feiertagen wird er jetzt erst einmal Pause machen, mit Freunden auf eine Berghütte fahren und die Seele baumeln lassen. „Anfang Januar geht es dann schon weiter mit den ersten Turnieren in Südafrika.“

Die weiteren Deutschen in der Final Stage, Maximilian Kieffer, Nicolas Meitinger und Florian Fritsch waren bereits am Cut nach vier Runden gescheitert.

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