Das soll sich beim Handicap ändern: jährliche Vorgabenanpassung & Anpassungsfaktor machen alles noch komplizierter – Kritik von Golfanlagen

Im kommenden Jahr soll das Handicapsystem für alle Golfspieler geändert werden. Was offiziell für mehr Fairness sorgen soll, macht den Fport in Wahrheit komplizierter und gefährdet die sportliche und wirtschaftliche Landschaft des Golfsports in Europa.

Pläne für neuerungen im Handicapsystem sorgen für empörung bei Golfplatzunternehmern

Wesentlich geplante Neuerungen im EGA Handicap-System, die Pläne sickerten in dieser Woche durch, sorgen für Aufregung in der europäischen Golfszene. Sollte das modifizierte System, wie vom Europäischen Golf-Verband (EGA) geplant, mit Saisonbeginn 2012 auf europäischer Ebene eingeführt werden, würde es den Golfsport deutlich komplizierter machen. Der Bundesverband Golfanlagen e.V., als Vertretung der Golfunternehmer in Deutschland, Österreich, Tschechien und der Schweiz, befürchtet dadurch Nachteile für Spieler, Golfclubs und Golfplatzbetreiber in wirtschaftlich unabsehbarem Ausmaß.

„Dieser Plan ist ein Schildbürgerstreich“, sagt Alexander Freiherr von Spoercken, Vorsitzender des Bundes-verbandes Golfanlagen e.V.. „Schon heute weiß kein Mensch, wann welche Handicap-Vorschriften gelten oder ob gespielte Ergebnisse nicht doch noch nach der Turnierrunde durch das System verändert werden. Es wäre deshalb dringend notwendig, diese zu vereinfachen. Stattdessen wird über das Gegenteil nachgedacht. Das ist grotesk.“

Was soll sich ändern?

Bei den geplanten Veränderungen des bestehenden Handicap-Systems geht es vor allem um zwei Neue-rungen, die künftig allen organisierten Golfspielern in Europa wenig Freude machen werden: Eine jährliche Vorgabenanpassung, Annual Handicap Review (AHR) genannt, und ein komplizierter und kaum zu verstehender Anpassungsfaktor der Pufferzone (Computed Buffer Adjustment, CBA). Das klingt kompliziert – und ist es auch.

Betreffend AHR bedeutet dies im Detail: Alle Wettspiel-Ergebnisse einer gesamten Saison werden nach- träglich nochmals durch eine geplante „AHR-Software“ überprüft. Zum Jahreswechsel kann dann das Handicap zusätzlich zu den bereits sofort nach der Turnierrunde angepassten Stammvorgaben nochmals abgeändert werden. D.h. ein Golfer könnte zwar mit z.B. SV -28,4 die Saison beenden, aber mit Jahres- wechsel überraschend auf vielleicht SV -31 durch die AHR-Software eingestuft und tatsächlich hinaufge- setzt werden.

Innerhalb des ominösen AHR ist auch geplant, dass Spieler, welche beispielsweise nur drei oder weniger Turniere in der Saison vorgabenwirksam gespielt haben, kein gleichwertiges Handicap mehr erhalten und als inaktiv eingestuft werden. Dies soll auch auf dem Clubausweis vermerkt werden. Der Spieler darf dann nur noch mit Ausnahmegenehmigung eines Clubs an Turnieren teilnehmen und soll nur noch bedingt Preise gewinnen können.

„Wenn das eingeführt würde, wird kaum einer mehr Turniere spielen“, befürchtet BVGA-Präsident Alexander Freiherr von Spoercken.

Genauso problematisch stuft der Bundesverband Golfanlagen e.V. den Plan ein, dass nach jedem vorgaben- wirksamen Turnier in der jeweiligen Vorgabenklasse ein neuer Bezugswert für das Handicap ermittelt werden soll. Was schon bisher als CSA zu viel Ärger geführt hat, wird nun in der neuen Version als CBA „verkauft“ und kaum besser sein. Vorgeschrieben ist dabei eine Mindestteilnehmerzahl von zehn Spielern in jeder Vorgabenklasse. Der CBA ändert nicht wie der schon bekannte CSA die Anzahl der erspielten Stabelford-Punkte, jetzt soll die Pufferzone für Über- und Unterspielungen geändert, genannt „geshiftet“, werden.

Das Ergebnis: Am Ende des Turniers werden viele Teilnehmer nicht wissen, ob sie nun gepuffert haben bzw. sich unterspielt haben. Die Frage, welches Handicap habe ich nun?, könnte schon bald zur meistgestellten Frage in den Golfclubs werden.

Zum besseren Verständnis ein Beispiel aus dem realen Leben

Ein Lehrling erfährt vor der Gesellenprüfung, dass er 38 Punkte zum Bestehen benötigt. Er erreicht 39 Punkte und freut sich, bestanden zu haben. Kurz darauf erfährt er jedoch, dass heute viele gute Kollegen angetreten sind und überwiegend mehr als 39 Punkte erzielt haben und daher als neuer Leistungsfaktor 40 Punkte angewendet werden. Was vorher galt, ist nun nichts mehr wert. 39 Punkte erreicht, aber nun doch durchgefallen!

Der Bundesverband Golfanlagen e.V. fordert die verantwortlichen Funktionäre auf, die Pläne zur Änderung des Handicap-Systems im sportlichen und vor allem wirtschaftlichen Sinne des Golfmarktes entschieden zurückzuweisen.

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