Kreuzbandriss und Golfen

Ein stechender Schmerz im Knie. Sie spüren, da ist was Größeres passiert. Sei es durch einen unglücklichen Sturz oder eine andere unglückliche Tätigkeit. Der Schmerz, und das sofortige Anschwellen des Knies, lassen sie Schlimmes erahnen.

Erst die Diagnose bei einem Orthopäden wird die Gewissheit „Kreuzbandriss“  bringen.

Diagnose: Kreuzbandriss: Foto: Heinz Schmidbauer

Nun, meist ist das vordere Kreuzband gerissen und wenn sie nicht das Glück haben, dass Sie sofort in die Hände eines erfahrenen Operateurs fallen, wird eine Operation erst nach Abschwellen des Knies durchgeführt.

Es ist natürlich auch möglich, dass man odurch extrem starkes Training der Muskulatur eine Operation vermeiden könnte. Die Erfahrung zeigt aber, dass trotz dieses Training über kurz oder lang Folgeschäden (Menisci usw) eintreten können.

Woher ich persönlich dies kenne? Selbstverständlich kann ich als Laie hier nicht ärztlichen Diagnosen zuvorkommen oder den Besserwisser spielen. Aber aus eigener Erfahrung mit mehrfachen Kreuzbandrissen, die bereits vor Jahrzehnten, damals in sehr aufwendigen, langwierigen  Operationen und mit damals üblicher 12-wöchiger Ruhigstellung des Gelenks durchgeführt wurden, ist mir durch die Zusammenarbeit mit Ärzten, die heutige fortschrittliche OP-Technik mit wesentlich kürzerer Rehazeit bekannt.

Viele Golfer sind auch von dieser Verletzung betroffen. Durch Golf selbst ist es sehr unwahrscheinlich, dass Sie sich einen Kreuzbandriss zuziehen. Meist geschieht es bei anderen Freizeitaktivitäten. Aber ab wann soll und kann ich wieder Golfen nach dieser Verletzung?

Ein Kreuzbandriss ist eine viel zu oft unterschätzte Verletzung mit Spätfolgen

Kreuzbandriss nach der OP. Foto: Heinz Schmidbauer

Diese Frage wird sehr unterschiedlich auch von den Ärzten beantwortet. Vielfach wird meiner Ansicht nach heute die Verletzung unterschätzt. „Naja –ein Kreuzbandriss nach 6 Monaten bist wieder fit!“ Täglich liest man oder hört man dies von Spitzensportlern, denen das gleiche Unglück passiert ist und mit einem Achselzucken nimmt man es zur Kenntnis. Es ist fast schon alltäglich.

Dass eine Kreuzbandverletzung eine der schwersten Knieverletzungen ist, die dann im Alter sehr oft zu aufwendigen Knieprothesen führt (auch ich selbst bin davon mehrfach betroffen), darüber denkt man nicht gerne nach.

Gerade Spitzensportler, wie aus aktuellem Anlass Tiger Woods oder Skispringer Freund und der Fußballer Badstüber wissen und bezahlten es teuer, wenn man zu früh wieder sportlich aktiv wird.

Laut Dr. Christian Schenk aus Schruns, einem europaweit führenden Spezialisten für Kniegelenke und Kreuzband-OPs dauert es mindestens sechs bis neun Monate bis eine neu eingesetzte Ersatzsehne, die man heutzutage aus körpereigenen Sehnen verpflanzt, angewachsen ist. Es dauert sogar bis zu drei Jahre bis diese Sehne dann wieder entsprechend durchblutet wird. Laut Dr. Schenk, der übrigens selbst ein sehr guter Golfer ist, sollte erst in der vierten Phase, das heißt im dritten bis sechsten Monat, an der Wiedererlangung der vollen Sportfähigkeit gearbeitet werden.

Also sechs Monaten davor sind alle kniebelastenden Sportarten, besonders natürlich Kontaktsportarten (Fussball, etc, ) aber auch Tennis zu unterlassen. Die Reha hängt natürlich immer von  verschiedenen Faktoren (Sportart, Niveau, aktive und passive Stabilität ) ab.

Für uns Golfer ist die entscheidende Frage: Wann  kann ich wieder Golfen?

Wie geht es zum Beispiel mit meinem Golfspiel weiter nach der OP? Das beschäftigte nicht nur mich berufsbedingt, sondern auch eine Menge meiner Golfer, die von einer solchen Verletzung betroffen sind. Deshalb sollten Sie ein paar Infos über die Belastungen beim Golfspiel auf die Kniegelenke beachten.

Mit Golfen kann man früher Beginnen als mit Joggen?

Wie so oft wird unser Sport von den Belastungen her unterschätzt. Die Meinung ist: Golf ist eh nur ein wenig Bälle schupfen!  Dies ist sicher falsch.

Laut Elctromyographic (EMG) Studie der Universität von California ist der Umfang von einigen der Maximallasten am Knie während des Golfschwungs nahe an der Last, die während Knierehabilitation verbotene Tätigkeiten erreicht. Auf alle Fälle sollte ihr Driver anfangs „Dunkelhaft“ haben.

Dr. Schenk empfiehlt frühestens neun Monate nach der OP wieder mit dem Golfen zu beginnen. Allerdings erst nach vorheriger, behutsamer Vorbereitung.

Die Forschungen haben ergeben, dass nach erfolgreicher Rehabilitation vor allem der Typ des Golfers und sein Können bei der Entscheidung, wann ich wieder voll Golf spielen kann, eine bedeutende Rolle spielen. Der genaue Zeitpunkt sollte jedoch immer in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt erfolgen!

Eine weitere Erkenntnis der Studie war, dass die anstrengendste (stressigste) Phase des Golfschwungs, hinsichtlich des Knies, der Abschwung ist. Einen „Normalschwung“ gibt es meiner Meinung nach nicht, da jeder Golfspieler einen eigenen, konsequenten, charakteristischen Schwung besitzt und auch das operierte Kniegelenk sehr unterschiedlich darauf reagieren kann. Unmöglich erscheint mir, dass man eben bei einem gewollten fließenden, kompakten Schwung hier beim Abschwung plötzlich auf das Kniegelenk Rücksicht nehmen soll.

Nochmals zum Verständnis für Sie: Der Kompressionsdruck, der durch einen Golfschwung erzeugt wird, beträgt nach einer Studie von Hosea, sowohl bei Amateuren als auch bei Professionals mehr als das Achtfache des Körpergewichts, wobei bei den Amateuren viel höhere Scherkräfte als bei Professionals entstehen, was auf die bessere Technik der Profis zurückzuführen ist.

Ein ganz wesentlicher Aspekt in der Rehabilitation, also auf dem Weg zurück zu schmerzfreiem Golf ist die Koordination.

Tiger Woods

Tiger Woods. Foto: Heinz Schmidbauer

Ein tragisches Beispiel für die Verletzungsanfälligkeit bei zu frühem Beginn ist der Jahrhundertgolfer Tiger Woods. Noch wird gerätselt ob Woods mit nun erst 41 Jahren nach seinen vielen Knie-OPs jemals wieder zurückkommen kann in den Turniersport.

Golf ist eine Sportart bei der eine Kombination aus Beweglichkeit, Ausdauer und Kraft nur dann funktionieren, wenn der Verstand, also das Gehirn mitspielt. Allzu häufig fallen vor allem Berufsgolfer und Spitzenamateure dem persönlichem Ehrgeiz zum Opfer. Persönlich stehe ich auch zu viel Krafttraining und Muskelaufbau bei Spitzengolfern sehr skeptisch gegenüber. Zuviel Muskelaufbau behindert meiner Meinung nach die Koordination und Beweglichkeit beim Golfsport und sorgt für sehr große Verletzungsanfälligkeit, wie man auch bei der ehemaligen No.1 des Golfsports, Tiger Woods, beobachten kann.

Wann darf ich nach der OP Golfen?

Golftraining auf der Drivingrange.

Golftraining auf der Drivingrange. Foto: Landwehr

Bis unsere Nerven oder das Gehirn wieder eine flüssige Koordination der golfspezifischen Bewegungen zulässt, vergehen sicher einige Monate. Nur mit viel Geduld und fachlicher Anleitung, vor allem auch ohne Krafteinsatz, werden Sie wieder zurück zur vollen Golfleistungsstärke kommen. Es dauert einfach, bis unsere Nerven und das Gehirn sich an die neue Situation mit dem Kniegelenk gewöhnt haben.

Deshalb sollten Sie schon in der noch „golflosen“ Rehabilitationszeit intensiv an Koordination-Übungen, das heißt Beine – Arme – Körper arbeiten und auch ohne Ball golftypische Bewegungen imitieren.

Verhältnismäßig rasch geht es mit dem Putten, sobald Sie auf beiden Beinen stehen können und, was wichtig ist, darauf achten, dass Sie diese auch gleichzeitig stark belasten. (Indoor – Trainingsmatten gibt es günstig zu kaufen).

Wenn Sie, wie oben beschrieben, sicher auf den Beinen stehen, würde ich am Beginn nach ca. 7 bis 12 Wochen ein gefühlsames Putten, Chippen und Pitchen empfehlen. Achten Sie dabei darauf, dass Sie Ihr Knie nicht überstrapazieren. Sie merken es gleich, wenn es „heiß“ wird.

Bevor Sie auf die Range gehen, habe ich gute Erfahrungen mit einem kleinen Korb der bekannten Luftbälle (Schaumgummi- oder Plastikbälle) im Garten gemacht.

Die ersten Bälle sollten Sie auf der Range unbedingt von einem Tee schlagen. Vermeiden Sie auf alle Fälle wie erwähnt, abrupte, stoppende Bewegungen.

Eine weitere Empfehlung (wichtig !!!) grundsätzlich zum Stand – beim Ansprechen des Balles:

Öffnen Sie beide Fußspitzen etwas nach auswärts (Achtung auf das korrekte Zielen, sonst kommt es zum Slicen). Dadurch verringern Sie den Druck der Rotation im Kniegelenk enorm.

Natürlich gehört ein kniespezifisches Aufwärmprogramm, dass Ihnen Ihr Physiotherapeut sicher gerne zusammenstellt, dazu.

Wenn Sie meine Tipps befolgen, stehen Ihnen sicher noch viele erlebnisreiche und tolle Golfrunden bevor:

  • Suchen Sie einen erfahrenen Orthopäden zu dem Sie Vertrauen haben – möglichst einen Golfer!
  • Ziehen Sie eine konsequente Rehabilitation durch.
  • Gehen Sie zu einem gut ausgebildeten Golfpro mit Erfahrung beim Wiedereinstieg ins Golfen.

Abzuraten ist die Einnahme von Schmerzmitteln vor dem Golfen. Es werden auch viele Hilfsmittel angefangen vom Schuhwerk, Schlägern etc. bis hin zur schmerzfreien Golftechnik von diversen Anbietern empfohlen.

Natürlich kann obiges hier und da nützlich sein – eine gesunde Skepsis gegenüber solchen Wunderdingen ist anzuraten.

Aus eigener Erfahrung kann ich hier nur dringend empfehlen, in erster Linie erst wenn die Muskulatur wieder so kräftig ist, dass Sie erfolgreich das Knie schmerzfrei bewegen können, mit dem Golfen zu beginnen. Es gibt keine Wundertechnik und keine Wundermittel!

Nehmen Sie sich Zeit, langsam wie von mir oben beschrieben Ihr „Golf- Feedback“ ohne jeglichen Krafteinsatz und Stoppbewegungen zu finden.

Denken Sie daran :„Nur saubere Technik ist gesund und schont Ihr  Knie“

In der Hoffnung, dass die meisten Leser von einer solchen Verletzung verschont bleiben und für alle die es erwischt, hoffe ich, dass meine Tipps hilfreich bei Ihrer Reha waren.

Heinz SchmidbauerSchönes Spiel

Ihr

Heinz Schmidbauer

Heinz Schmidbauer

Über Heinz Schmidbauer

Der Golfpro Heinz Schmidbauer blickt auf eine 40 jährige Golferkarriere zurück. Der Diplomierte Sportlehrer betreute als Trainer viele internationale Sportstars und arbeitete mit berühmten Sportlern wie Arnold Palmer, Nick Bolletieri und Patrick Ortlieb zusammen. Seine Golferfahrung, auch als ehemaliges Mitglied der European Challenge-Tour, brachten ihn auf alle Kontinente der Erde. Wobei er auf 3 Kontinenten Profiturniere gewann. Auch als Erbauer und Manager zahlreicher Golfanlagen (ua. Golfclub Kobernausserwald, GC Maria -Theresia) machte er sich einen Namen. Er lebt heute vorwiegend in Italien und Österreich.

Es gibt 2 Kommentare

  1. Dr. Silvester Schröger

    Und wieder einmal hervorragende Tipps von Heinz Schmidbauer, deren Beherzigung sich lohnt! Das Thema ist weitgehend unterrepräsentiert. Falscher Ehrgeiz bringt nichts, weder im fitten noch im beeinträchtigten Zustand. Geduld ist das Zauberwort.
    Jedenfalls ein weiteres Danke!

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