Angesichts der omnipräsenten Olympischen Spiele, denen auch ein Sportmuffel kaum aus dem Weg gehen kann, kommen vielen SportlerInnen Erinnerungen an eigene Olympia-Erlebnisse. Der Sport ist heute wesentlich mehr in den Medien als noch vor 10-15 Jahren. Ich kann mich noch erinnern, als ich in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts zum ersten Male in den USA war und dort rund um die Uhr TV sehen konnte. In jedem Restaurant gab es vier TVs und die Sportveranstaltungen verfolgte man ununterbrochen. Auf dem Golfkanal wurden permanent Neuigkeiten aus der Golfszene präsentiert.
Bei uns gab es nur selten Golf im TV und wenn, dann meist in Verbindung mit dem jungen Bernhard Langer. Als Reporter berichtete Harry Valerien, unterstützt von einem gewissen Franz Beckenbauer, dies sogar von den Masters in Augusta. Ich kannte beide von diversen Golfrunden. Es war die Zeit, als man nach dem Karriereende in anderen Sportarten plötzlich Golf entdeckte. Vielfach waren Fußball, Tennis und vieles mehr aus körperlichen Gründen nicht mehr möglich. Außerdem spielte der gesellschaftliche Aspekt, das Treffen alter Sportsfreunde, eine große Rolle. Anfangs wurden diese Neogolfer von der ;alten Golfgemeinschaft sehr skeptisch beäugt. Die zunehmende Anzahl von damals ca. 100 Plätzen in Deutschland wuchs auf rund. 650 Clubs.
Selbst kommt man auch ins Grübeln, wenn – wie es mir bei einem großen PGA Turnier passierte – man von Journalisten als „Legende“ begrüßt wird. Unweigerlich kommen da die Gedanken über eigene vergangene Erlebnisse in den Sinn. Als ich dann einem Journalisten ein Interview über die Entwicklung des Golfsports und eigene Erfahrungen gab, trat das ein, was älteren Sportlern oft passiert. Eine Antwort nach dem Motto: „Weißt Du noch …?“
Persönlich habe/hatte ich immer ein ambivalentes Verhältnis zu Trophäen (was auch im Übrigen für mein Hobby Jagd gilt und in unserem Haus deshalb kaum Jagdtrophäen hängen). In meiner langen Sportkarriere sammelte sich einiges an. Nur wenige echt wertvolle Pokale/Medaillen meiner fünf wichtigsten Siege, die Bronzemedaille mit meinem Team von 72 sowie einige Fotos überlebten. Wahrscheinlich ist es ein Zeichen des Alters, wenn man bei Anlässen wie bei Olympischen Spielen, WMs oder EMs erinnert wird. Da war doch was…
Von Freunden werde ich angesichts meiner 27 OPs und der Beschwerden im Alter oft gefragt: Hat sich das rentiert? Meine Antwort ist ja, und ich würde es in einem zweiten Leben wieder so machen. Viele internationale Sportler/innen, die ich kennenlernen durfte aus vielen Sportarten wie Ski, Tennis, Fußball und vieles mehr, würden auf die gleiche Frage ebenso mit einem Ja antworten. Deshalb verstehe ich Lindsay Vonn, dass sie ein Comeback mit leider bitterem Ende versuchte. Eines Tages hatte ich meinen Freund, den berühmten Tenniscoach NICK BOLLETTIERI, nach Kitzbühel zum Skifahren eingeladen. Zusammen mit dem Skiidol Sailer fuhren wir die Streif hoch und stellten Nick und seine Begleiter ins Starthaus! Mit bleichem Gesicht konnte er es nicht fassen, dass „die“ da runterfahren!
Er fragte, was die Skipiloten dafür bezahlt bekommen! Meine Antwort: Nick, wenn Dein Schüler in Wimbledon zum Matchgewinn serviert oder ein Golfpro bei einem 2-Meter-Putt ans Geld denkt, glaubst Du, er tut dies? Nie im Leben, er würde verlieren. Für die meisten Sportprofis, die ich kenne, inklusive meiner Wenigkeit, gilt: Wir machen es aus Leidenschaft und Liebe zu unserem Sport. In einem Interview für eine Sportzeitung wurden ein Triathlet und ich gefragt, ob man von dem Sport leben kann. Sehr oft passierte mir dies auch hierzulande. Die skeptischen Blicke änderten sich erst mit dem Erscheinen von Tiger Woods, der aber auch aus anderen Gründen bei uns bekannt wurde.
Warum haben Olympische Spiele so eine weltweite Resonanz? Nicht nur, weil sie nur alle 4 Jahre stattfinden, sondern auch, weil es für weniger bekannte Sportarten die Möglichkeit gibt, ins Blickfeld der Welt zu rücken. Leider ist die Vielzahl der Sportarten/Rennen zu unübersichtlich geworden. Die Verbände (IOC/NOK und viele mehr) halten mit den oft antiquierten Regeln nicht mit.
Eine Programmstraffung und auch eine Partizipierung der Athleten an den Geldtöpfen gehört längst geregelt. Nach wie vor müssen Sportler/innen in weniger bekannten Sportarten aus armen Ländern vieles aus der eigenen Tasche bezahlen. Personelle Werbung ist verboten, und erst sechs Wochen nach Gewinn darf mit einem Sieg geworben werden! Haben sie das gewusst?
Wenn ich mich heute noch an den Einmarsch mit meinen Kollegen bei Olympia 1972 vor 60.000 Zuschauern erinnere, läuft es mir immer noch kalt den Rücken runter.
SPORT ist Emotion und Leidenschaft. Das Feuer dafür muss in Dir brennen. Dies zu entzünden gilt es, und ist die Aufgabe der Gesellschaft, der Medien, Verbände und Trainer. Wer das große Glück hatte, Sport/Golf zum Beruf zu machen, so wie ich, da muss ich heute noch ein großes Danke an alle meine Sportlehrer/Trainer senden, die mich begleiteten.
Ich wünsche Ihnen, liebe Leser/innen, ebensolche Trainer und eine erfolgreiche Golfsaison 26.
Ihr
Heinz Schmidbauer