Auf Bahn 16 des WM Phoenix Open ist es kurz vor Sonnenuntergang, die Zuschauer:innen stehen in vier Reihen, doch alle Augen richten sich nicht nur auf den Abschlag – sondern auf die Smartphone-Bildschirme, und das nicht. um die besten Online-Casinos zu besichen. Die drei junge Frauen filmen sich abwechselnd beim Jubeln, schneiden sofort Reels und schicken sie an ihre Follower auf Instagram und TikTok. Was hier wie eine ganz normale Social‑Media‑Szene wirkt, verändert gerade die Golfwelt: Eine neue Generation Mädchen und junger Frauen entdeckt den Sport über ihre Feeds.
Social Media fungiert für viele junge Frauen erster Kontakt zum Golfsport. Erst kommt Clips, Reels, dann die Range, irgendwann die Platzreife. Kurzvideos von Creatorinnen und Spielerinnen tauchen im Feed auf – oft als humorvoller Alltag, Mode‑Content bei dem der Spaß im Vordergrund steht. nicht Golftraining oder Mitgliedschaften. Was wie leichter Entertainment‑Content wirkt, erfüllt eine zentrale Funktion: Golf wird in unterschiedlichen Lebenssiturationen und Spielstärken sichtbar. Distanz und Berührungsängste bauen sich so ab.
Hashtags wie #WomenInGolf, #GirlsWhoGolf oder #GolfGirlNetwork bündeln diese Inhalte zu Communities, die Orientierung und Zugehörigkeit bieten. Anfängerinnen stellen ihre Fragen, verabreden Runden, teilen Frust und Erfolge – ohne den sozialen Druck den Verbände und Vereinie oft mit sich bringen. Off‑Course‑Formate wie Topgolf, Simulator-Events fungieren als nächster Schritt zum Einstieg in den Golfsport.
Eine Facebook‑Gruppe, 20.000 Frauen: Wie sich Golferinnen selbst organisieren
Ein besonders plastisches Beispiel für diese neue Infrastruktur ist das „Golf Girl Network“, eine Facebook‑Community, die von der früheren College‑Golferin und Content‑Creatorin Haley Bookholdt aufgebaut wurde. Aus ihren Social‑Media‑Aktivitäten entstand zunächst eine lose Gruppe von Followerinnen, die nach Mitspielerinnen suchten – heute zählt die Community mehr als 20.000 Mitglieder.
Bookholdt beschreibt ihre Motivation so: Sie habe sich als junge Spielerin oft gewünscht, Freundinnen zu haben, mit denen sie Golf spielen und reisen könne, und versuche nun, genau diese Räume für andere zu schaffen. In Interviews betont sie, dass Social Media Golferinnen aller Altersklassen und Spielstärken zusammenbringe und dass es sie berühre, wenn Frauen berichten, sie fühlten sich dank der Community erstmals sicher genug, allein auf eine Anlage zu gehen. In der Praxis fungiert das Netzwerk als Marktplatz für Runden, Reisen, Tipps und mentale Unterstützung – organisiert von Frauen für Frauen.
Die Creator Economy im Golfsport
Parallel entstehen Content‑Teams, die Golf als Gruppen‑Erlebnis inszenieren – ein Kontrast zum klassischen Bild vom einsamen Tour‑Pro. Rund um bekannte YouTube‑Formate haben sich in den vergangenen Jahren Frauen‑Gruppen gebildet, die Challenges, Vlogs und Match‑Plays produzieren und dabei bewusst auch Anfängerinnen‑Perspektiven zulassen. Die Botschaft lautet: Du musst nicht gut spielen, um Spaß zu haben – du musst nur bereit sein, dich zu zeigen.
Solche Teams kooperieren mit Marken, Off‑Course‑Venues und Turnieren und bringen ihre Community physisch auf die Anlagen, etwa bei Meet‑ups oder Social‑Turnieren. Für viele junge Zuschauerinnen sind diese Creatorinnen näher an der eigenen Realität als Major‑Siegerinnen im TV – und dadurch stärkere Identifikationsfiguren.
Frauen sorgen für Wachstum im Golfsport
Frauen treiben rund 46 % des aktuellen Golfwachstums; Off‑Course‑Formate und Lifestyle‑Angebote sind zentrale Eintrittstore. Daten aus USA und UK deuten darauf hin, dass Frauen einen großen Teil des Netto‑Wachstums tragen und neue Konsummuster mitbringen, von Off‑Course‑Golf bis Reisen und Fashion. Wer sie im Angebot, im Kursprogramm und in der Kommunikation nicht mitdenkt, verzichtet bewusst auf einen zentralen Wachstumstreiber.
Besonders dynamisch wächst die Gruppe der unter 30‑Jährigen, die Golf als Teil eines aktiven, sozialen Lifestyles sieht – nicht als elitäres Hobby. Viele dieser neuen Spielerinnen haben kaum klassische Clubbiografien; ihr Einstieg verläuft über Social‑Media‑Content, Freund:innen und Event‑Formate.
In den USA lag der Frauenanteil 2025 bei rund 28 % der 50 Mio. Golfer, bei den unter 18‑Jährigen sind bereits etwa 35 % weiblich – Tendenz steigend. Zahlen, von denen wir in Deutschland bislang noch weit entfernt sind. Aber Zahlen, die zeigen, in welche Richtung es sich bewegen könnte, wenn Clubmanager in Deutschland diesen Trend mitnehmen würden.
Im deutschsprachigen Golf wirkt der Social‑Media‑getriebene Frauen‑Boom bisher kaum angekommen, zumindest nicht in der öffentlichen Wahrnehmung. Es fehlen sichtbare deutschsprachige Creatorinnen‑Teams mit größerer Reichweite und systematische Social‑Golf‑Events für Frauen. Für Anlagen und Verbände stellt sich damit weniger die Frage, ob der Trend auch hier relevant wird, sondern wer ihn aktiv aufgreift.