Eignet sich der Golfplatz als eine Location für ein erstes Date? Oder benötigt man gar kein Tinder, und startet mit der Partnersuche direkt auf dem Golfplatz? Portale wie Single Golf Club (mittlerweile eingestellt) wollten die Zielgruppe der golfenden Singles adressieren. Spezielle Partnerbörsen wie Golfverliebt richten sich an Golferinnen und Golfer. Doch ist ein Golfplatz der Ort für ein erstes Date?
Eine Runde über achtzehn Löcher dauert vier bis fünf Stunden. In dieser Zeit wird vielleicht eine Stunde tatsächlich gespielt. Der Rest ist Gehen, Warten, Suchen, Reden – und Schweigen, ohne dass es unangenehm wird. So gesehen ist ein Golfplatz keine schlechte Umgebung für ein Date.
Auf dem Fairway entstehen Gespräche nebenbei, weil beide in dieselbe Richtung laufen, statt sich gegenüberzusitzen. Es gibt konstant etwas zu tun, worauf man ausweichen kann. So wird es auch nicht peinlich, auch wenn es vielleicht nicht so gut läuft.
Anja Völker hat 2015 eine der ersten deutschsprachigen Facebook-Gruppen für golfende Singles gründete. Sie gibt dem Spiel beim Flirtfaktor zehn von zehn Punkten. Ihre Begründung ist unsentimental: viereinhalb Stunden seien schlicht genug Zeit, um herauszufinden, ob man zusammen lachen kann. Alles andere sei nachrangig.
Birdie, Bogey, Bauchgefühl
Dating-Ratgeber empfehlen häufig, auf Signale zu achten. Auf dem Golfplatz braucht man das nicht. Das Verhalten hier sagt viel aus. Deshalb finden auch geschäftliche Kontakte manchmal bei einer Golfrunde statt.
Ein Mensch zeigt auf achtzehn Löchern zuverlässig, wie er mit dem eigenen Scheitern umgeht. Der dritte Ball im Wasser ist eine ehrlichere Charakterprüfung als jede Frage nach dem Lieblingsfilm. Wer danach den Schläger wirft, hat eine Antwort gegeben. Wer lacht und weitergeht, auch.
Die Etikette zeigt ebenfalls viel. Wird die Fahne zurückgesteckt? Werden Pitchmarken ausgebessert, auch die fremden? Lässt der Flight den schnelleren hinter sich durchspielen? Wird der eigene Score ehrlich gezählt, wenn niemand hinschaut? Und, die vielleicht aufschlussreichste Frage: Wie reagiert jemand auf einen schlechteren Mitspieler — mit Geduld, mit ungefragten Tipps oder mit schlecht verborgener Ungeduld?
Das eigentliche Date beginnt am 19. Loch
Wer sich nach der Runde noch hinsetzt, hat damit schon eine Entscheidung getroffen. Und das, ohne die Peinlichkeit, nach einem zweiten Treffen fragen zu müssen.
Das Problem ist, dass die meisten Gespräche am 19. Loch bei dem hängen bleiben, was gerade passiert ist. Der verzogene Drive auf der Zwölf. Der Putt, der am Loch vorbeigerollt ist.
Die besseren Fragen liegen direkt daneben und haben mit Golf nur am Rand zu tun: Wie jemand zum Spiel gekommen ist. Wer es ihm beigebracht hat. Welcher Platz in Erinnerung geblieben ist und warum ausgerechnet dieser. Was jemand am Spiel eigentlich sucht — Wettkampf, Ruhe, Gesellschaft oder vier Stunden ohne Telefon..
Kennenlernen auf dem Golfplatz – die andere Seite
Ein Flight beim Golf ist eine Zwangsgemeinschaft. Fünf Stunden ohne Ausstiegsmöglichkeit sind kein Date, sondern im schlimmsten Fall eine Höflichkeitsübung mit Schlägern. Wer auf dem Platz offensiv flirtet, nutzt aus, dass die anderen nicht einfach gehen können. Achtzehn Löcher als erstes Treffen sind deshalb eine schlechte Idee. Neun reichen, und die Driving Range reicht auch manchmal. Wer es noch schneller und effektiver mag: Videochats wie Ome TV bieten Funktionen wie eine geografische Suche, um neue Leute kennenzulernen.
Überhaupt wird die Romantik des gemeinsamen Golfspiels regelmäßig überschätzt. Es gehört zum Erfahrungsschatz vieler Clubs, dass Paare, die sich über das Golfen kennengelernt haben, als Paar spürbar weniger miteinander spielen. Was vorher Leichtigkeit war, wird zum Reibungspunkt: Schlagfrust, ungefragte Korrekturen, der unausgesprochene Vergleich der Handicaps. Zwei Menschen, die zusammen gut Golf spielen, sind nicht automatisch zwei Menschen, die zusammen gut leben.
Auf dem durchschnittlichen deutschen Platz trifft ein Mittdreißiger an einem Dienstagvormittag statistisch vor allem Menschen im Ruhestand. Der Golfplatz als Singlebörse ist eine Frage der Startzeit.
Niemand ist auf dem Golfplatz, um jemanden kennenzulernen. Und genau darin liegt sein Vorteil: Was passiert, passiert nebenbei, und was nebenbei passiert, hat keine Erwartung zu erfüllen.
Nach fünf Stunden ist bekannt, wie jemand verliert, ob er auf andere wartet und ob gemeinsames Schweigen auszuhalten ist. Das sind drei Informationen, für die Dating-Apps im Schnitt drei Monate brauchen.
Ob daraus etwas wird, entscheidet der Platz nicht. Aber er stellt die richtigen Fragen, und er stellt sie, bevor jemand auf die Idee kommt, sie zu beantworten.