Frösche am Fairway – Das Golf Resort Achental im Chiemgau

„Denken Sie an die 15 Minuten Pause im Seehaus nach der 10. Bahn…“, gibt die große Blonde an der Rezeption uns noch mit auf den Weg. Sie zitiert damit eine der wichtigsten Platzregeln. Von einer Zwangspause zu sprechen wäre verfehlt, denn das hölzerne Halfway-Seehaus mit dem weiten Blick in die voralpenländische Moorlandschaft möchte man am liebsten gar nicht mehr verlassen, wenn man einmal seinen Charme genossen hat. Neben Weißwurst oder hausgemachtem Kuchen gibt es dort auch die volle Auswahl an Titleist-Bällen – was manchen platzunkundigen Spieler noch gerade rechtzeitig gerettet haben soll.

Die Golfrunde wird zur Safari

Noch vor acht Jahren waren hier nur Ackerflächen und Maisfelder. Nicht gerade ein Paradies für heimische Tierarten. Das hat sich hörbar geändert. An jedem der vielen Teiche, Bäche und Tümpel quakt und platscht es den Spielern entgegen. Rehe, Feldhasen und ein Biber – die Natur ist wieder da. Viele Wasservogelarten fühlen sich hier wohl und haben per Luftfracht auch gleich ein Sortiment Fischlaich mitgebracht. Kurzum – jede Platzrunde ist auch eine kleine Safari.

Vielleicht fühlt sich auch deshalb Dieter Müller hier so wohl. Der Gründer und CEO der MotelOne-Hotelkette ist regelmäßiger Gast in Achental, obwohl er nicht gerade nebenan wohnt. Ihm gehören Platz und das 210-Zimmer-Hotel nebenan. Warum er nicht einfach auf einem der vielen Münchener Plätze spielt? „Ich habe ja schon 1986 das Hotel übernommen, es entwickelt und es seitdem zum Golf Resort Achental ausgebaut. Ich bin also ein Stück weit zu Hause in Grassau.“ Ein Jahr nach der Übernahme fing Müller an Golf zu spielen, heute hat er ein Handicap von 16. Der erfolgreiche Hotelier hat sich mit der Erweiterung um einen Golfplatz auf 90 Hektar Grund Zeit gelassen. Eröffnung war 2013.

Ungestörtes Golfen

Ob es sich auf der eigenen Anlage anders spiele, möchte ich stellvertretend für alle Nicht-Golfplatzbesitzer wissen: „ Ja es spielt sich etwas anders, denn ich konzentriere mich nicht nur auf mein Spiel sondern natürlich auch auf die viele Details auf dem Platz.“ Ob ihm dabei jüngst noch ein Verbesserungsvorschlag gekommen ist: „Vielleicht ein paar Regentage weniger wären schön.“

Auf einer Runde mit seinem langjährigen Hoteldirektor Gerhard Braun, einem kräftig gebauten Franken wird schnell deutlich, was die Grundphilosophie in Achental ist: „Unser wichtigster USP sind vielleicht die viertelstündigen Abschlagzeiten. Wir wollen, dass unsere Gäste maximal ungestört Golf spielen können.“ Braun weiß von gestressten Münchenern zu berichten, die kürzere Abschlagzeiten gewöhnt sind und hier im Chiemgau erst einmal runterkommen müssen. Und weil die Hotelgäste im Fokus stehen, ist auch die Zahl der Mitglieder auf weniger als 200 limitiert. Die Resortgäste sollen jederzeit spielen können. Zwar sind nur rund fünf Prozent von ihnen aktive Golfer, aber viele Tagungsgäste kommen über Schnupperrunden oder abendliche Incentives auf der Driving Range auf die Golfspur. Dabei hilft sicher auch das sachkundige Hotelpersonal. Jedem seiner Mitarbeiter ermöglicht Direktor Braun mindestens die Platzreife. Jeder Barmann, jede Kellnerin soll wissen worum es geht, wenn von Albatrossen, Chips und Longhittern die Rede ist.

Und der Platz selbst? Architekt Thomas Himmel und Präsident Horst Schaffer haben einen nur vordergründig leicht spielbaren Par-72-Platz kreiert. Viele Wasserhindernisse, uralte Eichen, ausgeprägte Bunkerlandschaften und ein paar S-förmige Fairways machen Achental zu einem Platz für Taktiker. Golf-Aficionado Schaffer: „Wir hatten kürzlich mal einen der besten deutschen Spieler hier. Der hat seine erste Runde hoch in den Achtzigern gespielt und war völlig verzweifelt. Die zweite Runde brachte ihn immerhin in die Siebziger. Dann hat er stundenlang das Birdie Book studiert, die Bahnen analysiert und es lief besser…“

2000 Golfbälle

Ein Turnierplatz ist Achental freilich nicht. Aber ein ziemlich ambitionierter Freizeitparcours. Jährlich über 2.000 beim herbstlichen Schnitt im Rough gefundene Bälle sprechen für sich. Achental das heißt auch erstklassig gepflegte Grüns – dank hauseigenem Greenkeeping-Team; ein Dutzend neuester E-Buggys samt Navi-Tablets; eigene Golfakademie und Gratis-Tees an allen relevanten Stellen. Das vielleicht magischste Fleckchen entstammt allerdings einer anderen Zeit – das hölzerne Wegkreuz unter der markanten Eiche an Loch 3 mit Blick auf einen fein geharkten Bunker und ein kleines Schilf-Biotop. Und dazu quaken die Frösche im vielstimmigen Chor.

Weitere Infos zum Golf Resort Achental:

Golf Resort Achental, Mietenkammer Straße 65, 83224 Grassau

Tel. 08641-4010

info@golf-resort-Achental.com

Greenfee werktags 79€, am Wochenende 99€, für Hotelgäste 59 und 69€

Die Assoziation Golfland Chiemsee-Chiemgau vereint im Umkreis von 30 Kilometern sechs Golfplätze und bietet günstige Arrangements für Übernachtungen und Spiel an. Mehr Infos zur Chiemsee Golfcard gibt es hier.

 

Stefan Quante

Über Stefan Quante

Stefan Quante, seit über 30 Jahren Journalist, Filmemacher, Autor für Print, TV, Radio und das Netz. Er ist spät berufener Golfer, aber umso leidenschaftlicher beim schönsten Spiel der Welt. Er ist Fachmann für die Themen Kulinarik, Wirtschaft, Reisen, Tauchen und Personenportraits.

Was denken Sie?