Golflehrer: vom Generalisten zum Spezialisten

Schon heute erleben wir in der Golfbranche ein gigantisches Spezialisierungsnetz. Ein Golflehrer aus den 50er oder 60er Jahren, der seine Ausbildung beendet hatte, war dadurch gekennzeichnet viele Tätigkeiten auf der Golfanlage zu absolvieren. Er gab Unterricht im klassischen Sinne, er besaß ein kleinen Pro Shop wo er Golfartikel verkaufte, er reparierte Schläger, war bei der Wettspielorganisation beteiligt und womöglich mähte der eine oder andere auch noch den Rasen. Das war zu der Zeit auch noch möglich, da die einzelnen Tätigkeitsfelder nicht komplex waren, sondern allgemein gehalten wurden.

Wenn ein Golflehrer im 21. Jahrhundert auch nur zwei oder drei dieser Tätigkeitsfelder im vollen Umfang absolviert, wird er schnell in eine Überforderung münden.

Wie eingangs erklärt wird durch die Digitalisierung jedes Tätigkeitsfeld fachlich komplexer und bedarf einer langwierigen Spezialisierung. Die Zeit, die man also benötigt um sich auf ein Tätigkeitsfeld in der Golfbranche so zu spezialisieren, dass man konkurrenzfähig bleibt, raubt einem die Möglichkeit, sich gleichzeitig auf ein anderes Tätigkeitsfeld zu konzentrieren.

Ein Golflehrer der heute seine Ausbildung absolviert, hat also nach Beendigung dieser lediglich die Basis geschaffen, um sich in eine bestimmte Richtung zu spezialisieren. Die Ausbildung alleine ist womöglich nicht mehr ausreichend um in der Golfwelt Fuß zu fassen.

Die Frage, die sich nun aufdrängt ist, schaffen das viele Menschen, die den Beruf des Golflehrers lieben und leben wollen?

Was passiert mit der großen Anzahl derer, die weiterhin überwiegend im klassischen Sinne Golfunterricht geben möchten? Wird klassischer Golfunterricht noch als glaubwürdige Dienstleistung anerkannt?  Und vor allen Dingen sind die womöglich unabdingbaren Spezialisierungen für jeden bezahlbar?

Fachliche Weiterbildungen werden weiterhin ein erhebliches Maß an Kosten mit sich bringen. Wenn klassischer Golfunterricht im Zuge der Digitalisierung rapide sinkt, wird es auch bei vielen Golflehrern zunächst zu drastischen Umsatzeinbußen kommen und somit wird jegliche Spezialisierung nicht mehr leistbar. Ein erheblicher Teil derer, die also digitalen Golfunterricht nicht wollen und/ oder sich eine Spezialisierung nicht leisten können wird womöglich auf der Strecke bleiben und nur die wenigsten werden sich etablieren können.

Der zukünftige Golflehrer wird sich dadurch auszeichnen, dass er immer mehr ein Fachmann für hoch entwickelte IT Geräte sein muss und basierend auf diesen Kenntnissen sich nochmals in eine Branche spezialisiert. Branchen wie Schlägerherstellung, Sportwissenschaften oder aber Golfartikelanbieter in der sich immer mehr durchsetzenden Internetwirtschaft. Der dienstleistende Golflehrer, bei dem es darum geht innerhalb einer Unterrichtseinheit das Spiel eines jeden Golfer zu verbessern, wird es nur noch eingeschränkt geben. Er wird womöglich nicht wegfallen, jedoch wird der Sinn sich verändern. Es wird immer noch Menschen geben, die sich lediglich darüber freuen ein paar Worte zu wechseln. Menschen die auf der Suche nach einer „vis a vis“ Aufmerksamkeit sind. Im Umkehrschluss bedeutet das eine steigernde sozialpädagogische Kompetenz und die Bereitschaft, für andere Menschen da zu sein und wertvolle Zeit mit Ihnen zu investieren. Schon heute kann man diesen veränderten Prozess des Unterrichts erkennen.

Wir erleben also den Beginn eines sich immer mehr auflösenden klassischen Golflehrers, der durch sein Wissen und seine Begeisterung zum Spiel Menschen geholfen hat, besser zu werden und eröffnen eine steigernde zwanghafte Flexibilisierung des Menschen innerhalb eines sich ständig weiter entwickelten Spezialisierungsnetz, welches immer weniger mit dem eigentlichen Spiel in Verbindung gebracht werden kann.

Jerome Bureau

Über Jerome Bureau

Jerome Bureau, 28 Jahre alt, ist Golftrainer seit 2008. Er arbeitete bereits in Deutschland, Österreich und Spanien. Momentan ist er als Golftrainer im Golfclub Glashofen Neusass bei Walldürn beschäftigt.

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