Pletsch’s Typenkunde: Das Mysterium der Golfer

 

Lange fast vier Jahre ist es schon wieder her, als der in Golferkreisen nicht gerade unbekannte Autor Eugen Pletsch sein letztes Werk veröffentlichte. In seinem neuen Buch „Achtung Golfer!“ mit dem erläuternden Zusatz „Schlägertypen in Wald und Flur“ bricht er nicht mit seinem typischen, tiefgründigen, selbstkritischen und immer mit einer Prise Humor unterlegten Schreibstil. Und gerade dieser breit aufgestellt wortgewandte Stil ist es, der den Leser fesselt – eigentlich fast egal, ob Golfspieler oder nicht.

Pletsch versucht und beginnt damit, die ach so verschiedenen Charaktere von Golfspielern unter einen Hut zu bringen und eine Art Bestimmungsbuch dieser nicht selten schrägen Spezies zu schaffen. Weder über die Horoskoptheorien unter Mithilfe seiner netten Nachbarin Frau Liebeseel noch per Excelliste will das klappen. Und dann quält ihn auch noch der Chefredakteur damit, dass es doch ein lustiges Buch werden soll – über die finalen Inhalte diskutiert er im Verlaufe des Buchs häufiger recht kontrovers mit der Verlagshoheit.

Eugen Pletsch’s Typenkunde

So kommt es dem Autor recht gelegen, dass er von seinem guten Freund Janzen in seinen alten Golfclub Bauernburg eingeladen wird, um die Sommervertretung im dort innovativen „Golftherapeutischen Pflegedienst“ (kurz: GTP) zu übernehmen. Für seine ethnologischen Feldstudien eignete sich diese Tätigkeit perfekt, denn die nach der Golfrunde angefressenen Seelen der Spieler und -innen brauchten doch Beistand, Auswege als Hilfe oder einfach nur jemanden, der mitfühlend zuhört. Golf kann so gemein sein, die Mitspieler natürlich ganz besonders.

Eugen Pletsch gelingt es im Buch ausgesprochen gut, die so vielen unterschiedlichen Spielertypen zu charakterisieren – und das natürlich auf seine ureigen satirische Art. Nicht als schnöde Liste, sondern in kompakt griffigen Kapiteln hält er so manchem Golfer gar den Spiegel vor. Die GTP-Konversationen sind so bildhaft toll geschrieben, dass man meint, dabei gewesen zu sein. Stammleser seiner Bücher werden alte Bekannte wie Mulligan oder Grötschmann wiedertreffen, aber auch sein tibetischer Kamerad Ho Lin Wan fehlt nicht.

Der Autor hat aber auch die Fähigkeit, fast rührende Inhalte einzubauen. So redet er häufiger mit dem kleinen Pferd Ed, das am Fuße seines Pensionszimmers auf der Weide grast, über seine täglichen Erlebnisse bis es plötzlich verschwunden ist. Aber auch die kleinen Geschichten über Golfercharaktere im Kaminzimmer des Clubhauses, am letzten Tage vor seiner Heimreise, sind lebensnah und mitunter ergreifend zu lesen.

Mit „Achtung Golfer!“ hat Eugen Pletsch die konsequente Linie seiner Bücher auf äußerst unterhaltsame Weise fortgesetzt. Es spricht Golfer, Mitleidende und gar Nicht-Golfer an, die diesen Menschenschlag am virtuellen Rande der Gesellschaft endlich mal verstehen wollen. Das Warten hat sich gelohnt.

Erschienen ist dieses Buch mit Hardcover im Franckh-Kosmos Verlag und für 19,99 Euro im Buchhandel oder via Internet erhältlich. Parallel dazu ist auch die elektronische Variante in verschiedenen Standards für den modernen Leser als eBook erhältlich, die für 12,99 Euro in den Reader wandert.

Text: Thomas Klages, Cover: Kosmos Verlag

Über Thomas Klages

Thomas Klages wohnt in der Nähe von Braunschweig und spielt seit 1999 Golf. Seitdem führen ihn seine Reisen auch stets auf ausgesuchte Golfplätze. Seit Ende 2002 betrieb er eine private Internetseite, auf der besuchte Ziele und Golfplätze in teils umfangreicher Weise beschrieben und beurteilt wurden. Daraus resultiert auch die über die Jahre gewachsene Schreiblust zum Thema und die dementsprechende Objektfotografie. Weiterhin ist er regelmäßig für ein im Printbereich erscheinendes Golfjournal tätig und hat inzwischen seine private Golf-Website komplett neu relauncht.

There are 2 comments

    1. Thomas Klages

      Lieber Herr Kohlmann. Vorab vielen Dank dafür, dass Sie sich die Mühe machten, einen Kommentar zu hinterlassen.

      Vor knapp einem Jahr können Sie dieses Buch von Eugen Pletsch noch nicht gelesen haben, da es als elektronische Version für eBook-Reader bzw. Kindle Geräte erstmals im Dezember 2012 erschien. Das jedoch war ein Novum des Verlages in Zusammenhang mit diesem Autor, eine eBook Variante deutlich vor dem gedruckten Buch auf den Markt zu bringen.

      Die gebundene Ausgabe des Buches ist erst am 7. Juni 2013 erschienen – also rund drei Wochen vor der Rezension dazu hier auf Golfsportmagazin. Sicher können Sie sich vorstellen, dass die innovativere Art des Lesens von Büchern auf modernen elektronischen Reader nicht jedem gefällt sowie erst nach und nach in Schwung kommt. Deshalb bervorzugen die meisten Leser ein ‚real blätterbares‘ Buch – und genau auf dies erst kürzlich erschienene Buch bezieht sich diese Rezension.

      Herzliche Grüße von der Redaktion!

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