Mit dem Golfcar aus der Krise?

Dass der Golfsport in Deutschland und Österreich kränkelt dürfte hinreichend bekannt sein. Verschärft durch die heurige schlimme Wettersituation leiden viele Golfbetriebe.

Zurückgehende Nachfrage – das bedeutet weniger Neugolfer – zu viele Golfanlagen, diese noch dazu vielfach am Bedarf vorbeigebaut und vor allem durch die hierzulande ziemlich einseitige Möglichkeit Golf zu erlernen, immer verbunden mit einer zwangsweisen Mitgliedschaft in einem Club/Verband, bringt viele Golfanlagen in Nöte.

Es erreichen mich zunehmend Hilferufe von Präsidenten auch alteingesessener Golfclubs mit der Frage: „ Was kann man gegen den Mitgliederschwund – Desinteresse an Golf  unternehmen“?

Lange Zeit hat man versucht durch Aktionen wie Regeländerungen, Ausdehnungen von Handicaps von 36 auf 54,  Neun – Loch – vorgabewirksamen Turnieren , kostenloses Schnuppern, kostenlose Jugendarbeit, usw., also die allseits bekannten  Marketingmaßnahmen dem Trend entgegen zu steuern.

Fehler gehen schon bei Planung der Anlagen los

In meinen Augen wurden primäre Fehler von angehenden Betreibern schon bei der Planung der Anlagen gemacht. Grundsätzlich sollte man bedenken, jede Sportart ist mit dem sozialen Leben der jeweiligen Nation verbunden. Sie werden es  z.b. in den  USA, Indien usw. nie erreichen, dass dort Fußball, Skifahren usw. zum Nationalsport wird.

Golf, verbunden mit seinem Gesellschaftssystem des sozialen Lebens in Clubs verdankt seine Verbreitung ua. dem englischen Lebensstil und dem damaligen Commonwealth.

Damit ergibt sich automatisch, dass in bestimmten Ländern nur jeweils ein bestimmter Prozentsatz der Bevölkerung an einer  bestimmten Sportart Interesse zeigt. Sonst gäbe es nur Reiter, Schwimmer usw. Golf hat mittlerweile, die von Marktforschern vorher prognostizierten Zahlen (ca. 3 % der Bevölkerung haben bei  uns Interesse an Golf), erreicht.

Diese Kernaussage wurde von vielen Golfbetreibern gründlich vernachlässigt in der Euphorie der Jahre 1990 – 2000.  Nur Experten warnten dabei schon damals (ua. A.Hartl, Gründer von Bad Griesbach), dass Golf nie ein Massensport bei uns werden wird.

Der damalige Innenminister in Deutschland, Lothar de Maiziere, brachte es zum Entsetzen der Golfergemeinschaft auf den Punkt, als er eine Unterstützung der Bewerbung für einen Rydercup in Deutschland mit den Worten, für eine Randsportart könne er keine (steuerliche) Ausnahmegenehmigung erteilen,  ablehnte. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätten Verbände und Clubs hellhörig werden müssen.

Tennis, Ski usw. hatten ebenfalls nach ihren Boomzeiten Einbußen , aber mittlerweile hat sich bei diesen Sportarten die Zahl der Sportler eingependelt. Allerdings, auch nach der Schließung nichtrentabler Anlagen und der Anpassung an die heutige Situation der Gesellschaft. (Es gibt sehr viele Anlagen ohne Clubzwang, ohne Turnierstress usw).

Die Stilblüten wie 9-Lochturniere, HC 54 usw, sowie vor allem der Handel mit Fernmitgliedschaften, Platzreifen verbunden mit goldenen, silbernen, bronzenen Mitgliedskarten gehören schleunigst ad acta gelegt.

Warum orientieren wir  uns nicht an dem weltweit bewährten System wie in den USA? Öffentliche Clubs, private Clubs – semi-private Clubs usw.  Der Club entscheidet wer hier spielt und die Marktwirtschaft entscheidet über das Wohl und Wehe der Anlage. Solange dies nicht der Fall ist, was natürlich zu einem gewissen Machtverlust der Verbände führen kann,  wird die Krise sicher nicht gelöst.

Allein, dass es in Deutschland nur noch ein großes PGA –Turnier gibt, zeigt auch, dass die Wirtschaft erkannt hat, dass man durch Golf nur eine kleine Zielgruppe erreichen kann.

Über all diesen erwähnten Aktionen haben aber Clubs und Verbände in meinen Augen die  KERNKUNDSCHAFT , die altbewährten Spieler/innen in der letzten Zeit aus den Augen verloren.

Diese sind nämlich der Hauptbestand unseres Golfs. Es ist ja bekannt, dass die Zielgruppe Golfer/innen 45 plus ist und war, aus vielerlei Gründen.

Nun ist aber gerade diese Kernkundschaft, entstanden in den  Boomjahren der 90 er Jahre auch im fortgeschrittenen Alter angelangt und teilweise jenseits der 60.

Golfcars für Kernkundschaft

Hier erleben  nun Clubs vielfache Einbrüche in den Mitgliederzahlen durch Aufgabe des Sports oder Desinteresse. Einerseits körperlicher Art, da Arthritis-, Knie- Hüft – und sonstige Beschwerden leider auch vor Golfer/innen nicht halt machen.

Andererseits kommt ein gewisser Sättigungsgrad zum Tragen, der verbunden mit dem undurchlässigen Handicapsystem, das ein leichteres, Anpassen des Handicaps im Alter unmöglich macht, vielen Personen dieser Zielgruppe das Golfen verleidet oder sogar zum Ausscheiden bewegt. (Um z.B. von HC 19 auf 20 zu kommen, haben Sie 10 x Frust und sind doch erst bei 20, zusätzlich zum Taschenrechner, den Sie bei sich haben müssen um Ihr HCP ausrechnen zu können).

Dem ersten Punkt, den körperlichen Beschwerden, die altersgemäß normal sind, schenken bei uns die Clubs viel zuwenig Beachtung. Die Benützung und zur Verfügung Stellung von Golfcars, in USA etc absolut üblich, wird bei uns unverständlicherweise immer noch sehr verpönt.

Gerade bei hügeligen, steilen Golfanlagen sollten den Golfern Golfcarts zu humanen Preisen (inkl. Greenfee)  zur Verfügung gestellt werden. Ein Blick ins Greenfee- und Golfrundenbuch  müsste jeden Betreiber  dazu veranlassen.

Dieser Punkt, dass auch die Golfboom-Generation der 90 er Jahre mittlerweile ein gewisses Alter erreicht hat, dem man als Golfclub Tribut zahlen sollte, ist vielfach noch zuwenig in das Bewusstsein der Betreiber gelangt.

Sicher sind die beiden Punkte –  Golfcarts und durchlässigeres, sowie viel weniger kompliziertes Handicapsystem – kein Allheilmittel, aber sicher bessere Marketinginstrumente, als vielfach angebotene Schnupperkurse, verschleuderte Platzreifen oder Verkauf von  Billig-Mitgliedschaften auf Plastikkarten.

Mit der Bitte um wieder stärkere Berücksichtigung der Kernkundschaft, der treuen jahrelangen  Golfer und Golferinnen

schmidbauerverbleibe ich

mit besten Grüsse

Heinz Schmidbauer

Heinz Schmidbauer

Über Heinz Schmidbauer

Der Golfpro Heinz Schmidbauer blickt auf eine 40 jährige Golferkarriere zurück. Der Diplomierte Sportlehrer betreute als Trainer viele internationale Sportstars und arbeitete mit berühmten Sportlern wie Arnold Palmer, Nick Bolletieri und Patrick Ortlieb zusammen. Seine Golferfahrung, auch als ehemaliges Mitglied der European Challenge-Tour, brachten ihn auf alle Kontinente der Erde. Wobei er auf 3 Kontinenten Profiturniere gewann. Auch als Erbauer und Manager zahlreicher Golfanlagen (ua. Golfclub Kobernausserwald, GC Maria -Theresia) machte er sich einen Namen. Er lebt heute vorwiegend in Italien und Österreich.

There are 3 comments

    1. Redaktion

      Wir wollen ja nicht pessimistisch sein. Aber die „Leute mit Macht“ hatten schon sehr lange Zeit etwas zu ändern. Was geändert wurde, ging leider oft in die falsche Richtung….

  1. glaser fritz

    Golfcars zu ermäßigten Preisen für Senioren ist sicher ein gutes Beispiel, um körperlich nicht mehr ganz fitte Golfer trotzdem ihre Runden ohne größere Beschwerden bewältigen lassen zu können. Ich zahle z.B. als Mitglied beim „Römergolf“ 10 Euro für das Car am Panoramaplatz, den ich sonst nicht mehr bespielen könnte.
    Doch dringend notwendig wäre, wie Heinz Schmidbauer in seinem Kommentar richtig feststellt, eine Reform der Handicap-Regelung. Viel zu kompliziert!

    Fritz Glaser

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