Handicap nach Wunsch

Ich bin im meinem Bekanntenkreis mittlerweile dafür bekannt für den Golfsport zu werben. Letztens kam eine Freundin zu mir, die mit dem Golfen beginnen möchte. Sie erzählte mir von einem Angebot das ich noch nicht kannte und das mich auch etwas stutzig machte.

Das Angebot umfasst die Mitgliedschaft in einem Club in Österreich. Die Konditionen sind äußerst attraktiv: Platzreife, ein Jahr Mitgliedschaft, dazu ein Golfkurs, eine Ausflug nach Salzburg, das alles für rund 300 Euro. Soweit so gut. Was mich stutzig machte: Sie könne das Handicap bekommen, das sie wolle, erzählte sie mir.

Handicap nach Wunsch – ohne Leistung

Das müsse ein Missverständnis sein, sagte ich. Sie bestand aber darauf. Und zeigte mir ihre Karte mit einem sportlichen Handicap 18. Also begann ich zu recherchieren und fand raus, wie diese Handicap möglich wurde: Der Club aus dem Salzburger Land meldete dem Verband ein Turnier, das meine Freundin aber nie gespielt hatte Das Ergebnis das gemeldet wurde entsprach dem gewünschten Handicap. Und so landet es schließlich auf ihrer Karte.

Das ist unglaublich, aber leider ein erneutes Zeichen wie hart der Wettbewerb in diesem Bereich mittlerweile ist. Der Club hat mit seinen Angeboten so mittlerweile insgesamt 6.000 Mitglieder. Ich schätze das ein Großteil davon Fernmitglieder sind, sonst wäre die Anlage wohl fast jeden Tag brechend voll.

Dramatische Ausmaße

Insider schätzen, dass in Österreich von den 110.000 Mitgliedern des dortigen Golfverbandes rund 30.000 Mitglieder durch den entsprechenden Kartenhandel Mitglied wurden. Um diese Zahl bereinigt würde die Zahl der Golfer in Österreich nicht mehr so eindrucksvoll wirken. Und die 150 Golfanlagen hätten noch stärkere wirtschaftliche Probleme. Insbesondere die Clubs um Salzburg, so berichten die Salzburger Nachrichten und Salzburg TV, müssten bei einem Wegfall der verkauften Mitgliedskarten um ihre Existenz fürchten.

Solange aber die Nachbarländer wie Deutschland und Schweiz nichts gegen den Kartenhandel zu Ihren Lasten unternehmen wird dies weitergehen. In der Schweiz gibt es schon einen Club, in dem Schweizer mit der Mitgliedskarte eines bestimmten österreichischen Clubs nicht mehr spielen dürfen. Aber in Deutschland druckt man lieber Hologramme auf die Karten.

 

Gregor Landwehr

Über Gregor Landwehr

C. Gregor Landwehr gründete das Onlinemagazin im Jahr 2005 und leitete die Redaktion bis zum Jahr 2013. Er arbeitet als freier Journalist und schreibt unter anderem für die NZZonline, den Rheinischen Merkur und andere Zeitungen und Onlinemagazine. Landwehr ist Mitglied im Deutschen Journalistenverband. Sie erreichen ihn unter der Emailadresse landwehr at golfsportmagazin.de

Was denken Sie?