Golfmedien: Was sich bei den Golfmagazinen ändern müsste

Wer kennt dies nicht: Geht man in ein Clubhaus, egal wo, es liegen unzählige, bunte Hochglanzmagazine kostenlos für Besucher bereit. Man wird quasi erschlagen von einem Berg an Zeitungen und Magazinen zum Thema Golf. Und trotzdem gibt es ein Problem mit diesen Golfmedien.

Die Magazine überschlagen sich mit Reisereportagen über die entferntesten Golfplätzen der Erde, toll aufbereitet und mit vielen schönen Fotos garniert. Meist ist es dann auch ein „Muss“ für den Leser unbedingt diese Plätze zu besuchen.

Die „Tests“

Tests über die neueste Hardware, angefangen bei Schlägern, besonders beliebt dabei die „Drivertests“ welche immer weitere, unvorstellbare Längen anpreisen, bis hin zu Bällen, Schuhen, Entfernungsmessern und allem, was ein Golfer besitzen sollte, wird angepriesen.
Schier unglaublich was man nicht alles testen kann, und was dabei fast alles als hervorragend empfohlen wird. Als Tester sind dabei in der Regel, neben einem Pro, fast immer irgendwelche VIP`s zur Stelle, garniert mit einem „Otto-Normal-Golfer“.

Natürlich dürfen Golftipps und Regelfragen von Experten nicht fehlen, auch diese Themen sind unerschöpflich, sowie die Berichte von den letzten großen Profiturnieren – am besten von dem letzten Major, auch wenn viele deutsche Golfer damit wenig anfangen können und der Bericht bei seiner Veröffentlichung im Internetzeitalter längst ein alter Hut ist.

Meist im hinteren Teil des Heftes wird dann von den Geschehnissen in den Clubs berichtet und unter Kleingedrucktes finden Sie dann alles mögliche von Partnerschaftsanzeigen bis zum Verkauf von Clubmitgliedschaften.

Soweit, so gut, irgendwie ähneln sich alle diese Golfjournale seit Jahrzehnten.

Seit dem Beginn der Digitalisierung müssen diese Medien nun auch noch mit unzähligen Golfblogs und Onlinemagazinen, die sich ebenfalls mit allen möglichen Aspekten des Golfsports befassen, konkurrieren.
Kaum eines dieser Printmedien kann sehr ertragreich wirtschaften, angesichts der geringen Anzahl von Golfsportlern hierzulande und der großen Konkurrenz der Golfmedien.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich diese Medien nur durch Anzeigen, Reklame und immer öfter auch (nicht als solche gekennzeichnete) PR-Artikel oder als steuerliche Abschreibungsprojekte über Wasser halten können.

Nach den vielen Jahrzehnten im Golfsport, vermisse ich aber im deutschsprachigen Raum, ganz im Gegensatz zu den amerikanischen oder UK- Medien eines: Wo bleibt die journalistische kritische Auseinandersetzung mit Golfthemen?

Bei allem Verständnis für die Finanzierung diverser Blätter, fast alle sind zu reinen Reklameheften mutiert. Die Grenzen zwischen bezahlten und journalistischen Inhalten sind kaum noch wahrnehmbar. Mehr oder weniger geschickt werden meist verdeckte Promotionsartikel dem Leser untergejubelt.

Golfmedien: Wo bleibt die kritische Auseinandersetzung?

Trotz langem Kramen in meinem Gedächtnis fällt mir nicht ein Artikel in den letzten Jahren ein, der sich beispielsweise kritisch mit viel zu vielen Änderungen im Regelwerk in Deutschland und Österreich befasst hätte. Auch jetzt noch, wenn längst R&A sowie USGA, angesichts enorm einbrechender Golferzahlen ab 2019 eine Straffung und Erleichterung des Regelwerks beschlossen haben und sogar ein weltweit einheitliches Handicapsystem einführen wollen, beharren hier die Verbände auf ein Handicap von 37-54 und einer Prüfung bevor man einen Golfplatz betreten darf. (Siehe dazu diesen Beitrag)

Anscheinend will oder kann man sich in den Chefetagen der Verbände nicht in den Kopf von „Otto-Normal-Golfern“ versetzen, die vielleicht an Golf interessiert wären, aber denen die komplizierten Einstiegshürden bei uns (im Gegensatz zu UK und USA) mit Prüfungen, usw. zu hoch sind. Warum setzten hier die Medien nicht an um eine Debatte loszutreten?

Auch der Kartenzwang bei uns ist im internationalen Vergleich nicht zeitgemäß. Gerade die Reisejournalisten wissen doch, dass man im Ausland weder PE -prüfung noch Kartenzwang kennt.

Man wird auch keine kritischen Berichte über Golfanlagen finden, auch wenn mancherorts noch so große Umweltsünden begangen wurden.

Der Wettbewerb um künftige, dringend benötigte Golfer ist wesentlich härter geworden als noch vor 10 Jahren. Die vielen in den letzten Jahren errichteten Anlagen, die auf einen Golfboom hofften warten dringend auf Neuzugänge.

Da von Seiten der Verbände kaum gravierende Änderungen zu erwarten sind, außer einem unendlichem Wust an Änderungen im HC und Regelbereich, sollte von den Medien vermehrt Druck gemacht worden, dass man auch bei uns sich internationalen Gepflogenheiten anschließt.
Man beruft sich doch so gerne auf R& A bei jeder Gelegenheit und dann kommen Einstiegshürden die man dort so nicht kennt.
Fast kann man den Verdacht hegen, dass manche honorige Golfclubs und ihre Vertreter in den Verbänden eine „elitäre“ Zeit wie früher herbeiwünschen. Neueinsteiger sind, vielleicht eine deutsche Mentalität, viel zu obrigkeitsgläubig, und das auch, weil eine kritische Presse fehlt.

Sind die finanziellen Probleme diverser Anlagen noch nicht groß genug?

Dies kann sein, noch sind bei uns zu wenige Anlagen wieder geschlossen worden um Überlegungen anzustellen, was man anders machen könnte.
Bei der Gewinnung von Jugendlichen höre ich oft: „Heutzutage spielen die nur noch mit dem PC und dem Smartphone!“ Dies mag schon sein, aber man vergisst, dass das Freizeitangebot und die Konkurrenz mit den vielen anderen Freizeitangeboten, die teilweise einen in vielfacher Hinsicht leichteren Einstieg bieten als Golf, enorm ist.

Junge Golfer rekrutieren sich bei uns – im Gegensatz zu den Ländern, in denen es jede Menge öffentliche Plätze gibt – fast nur aus dem Umfeld golfspielender Eltern. Ob sich daraus die Menge Golfer entwickeln lässt, die man benötigt um die Anlagen zu füllen?

Wenn Golf bei uns ein Volkssport werden soll, dann braucht es dazu endlich auch kritische Medien, die Ihre journalistische Aufgabe wahrnehmen und die Entwicklung kritisch begleiten, anstatt zu reinen Anzeigenblättern zu verkümmern.

Heinz Schmidbauer

Heinz Schmidbauer

 

Heinz Schmidbauer

Über Heinz Schmidbauer

Der Golfpro Heinz Schmidbauer blickt auf eine 40 jährige Golferkarriere zurück. Der Diplomierte Sportlehrer betreute als Trainer viele internationale Sportstars und arbeitete mit berühmten Sportlern wie Arnold Palmer, Nick Bolletieri und Patrick Ortlieb zusammen. Seine Golferfahrung, auch als ehemaliges Mitglied der European Challenge-Tour, brachten ihn auf alle Kontinente der Erde. Wobei er auf 3 Kontinenten Profiturniere gewann. Auch als Erbauer und Manager zahlreicher Golfanlagen (ua. Golfclub Kobernausserwald, GC Maria -Theresia) machte er sich einen Namen. Er lebt heute vorwiegend in Italien und Österreich.

Was denken Sie?