„Wir carven mit dem Schlägerkopf relaxt durch den Äther“

Jürgen Bechler, 1940 in München geboren, ist ein Unikum, ein Tüftler, ein Golf-Wahnsinniger. Eichenrieds früherer Geschäftsführer Dieter von Restorff, der zufällig beim Interviewtermin im Clubhaus vorbeikommt, kennt den Carving Golf Erfinder schon seit den 80er Jahren und hat ihn entweder euphorisch oder fluchend erlebt – je nachdem, ob er gerade wieder eine neue Golf-Technik ausprobiert hat, die zum sehr raschen Erfolg führte, oder ob er von dieser wieder einmal schwer enttäuscht worden ist.

Mitglied auf Lebenszeit im GC Katmandu

Die Golf-Laufbahn des Handicap- 12, 13, 14, 15, 16-Spielers („so ungefähr“) begann 1983 ausgerechnet in Nepal! Grund war eine am schlechten Wetter gescheiterte Expedition. „Wir saßen in Katmandu fest und haben aus Langeweile dort einfach mit 50 Jahre alten Schlägern angefangen zu spielen.“ Seitdem ist er Mitglied auf Lebenszeit im GC Katmandu – wer kann das schon von sich sagen? Schon damals trieb ihn die Frage um: Warum trifft man den Ball nicht immer gut? Bechler hat sie alle durchprobiert, die heute weltbekannten Trainer: Willi Hoffmann, Bernhard Langers späteren Erfolgscoach, hat er noch als Lehrling erlebt, Pro Peter Kostis war wegbereitend. Der sagte ihm schon 1986: „Alles was das Pendel stört, ist schlecht, und was es unterstützt, ist gut.“.

Die Idee kam nach dem Skifahren

Trotz dieser sich später als grundlegend erweisenden Aussage dauerte es noch einige Jahre bzw. Jahrzehnte bis der gelernte Statiker und Diplom-Ingenieur die zündende Idee hatte: Im Januar 2002 kam er vom Skifahren zurück, spielte rhythmisch Golf wie ein junger Gott und erzählte allen: „Das ist ganz einfach. Wir müssen nur relaxt mit dem Schlägerkopf durch den Äther carven.“ Jürgen Bechler rief sofort seinen Patentanwalt an und ließ sich den Begriff „Carving Golf“ patentieren. Wenig später stieß er auf Thomas Thöni, PGA 1* Professional und Leiter der Carving Golf Schule, und Jock Reetz, Sportwissenschaftler der TU München. Zusammen mit den beiden Spezialisten tüftelte er an der ihm vorschwebenden „easy going“- Golf-Technik:

„Wir wollten vereinfachen, reduzieren. Denn eines hatte ich schon festgestellt: Für die Mehrheit der Golfer ist die aktive Rotation der Sargnagel des Pendels. Der geringste Bewegungsfehler und die aufgebauten Energien brechen zusammen.“

Geholfen haben ihm bei dieser Erkenntnis die Beobachtung einfacher Dinge wie einer Kuckucksuhr an der Wand oder einer Schiffsschaukel. Vor zwei Jahren stießen schließlich die beiden TU-Sportwissenschaftler Dr. Ferdinand Tusker und Florian Kreuzpointner dazu. Der Erfinder atmete auf: „Dank ihrer wissenschaftlichen Untersuchungen kann ich sagen: Jetzt stimmt`s. Wichtig ist die Deaktivierung der Rotation. Man braucht weniger Muskelkraft als Muskelspannung für den Schwung. Die Lehre ist nun für jeden nutzbar.“

Text: Heidi Rauch
Foto: Gregor Bresser