Wahr oder nicht wahr, das ist nicht die Frage

„Disse Geschicht is lögenhaft to vertellen, awer wahr is se doch! Wahr mutt se doch sien, leve Golfer, anners kunn man se jo nich vertellen!“ Der Ryder Cup in Deutschland steht auf der Kippe. Der Bund gibt kein Geld. Bayern hat die Unterstützung zurückgezogen. B. L. ließ die Muskeln spielen und polterte gegen die Politiker. War das Lobbyarbeit in Reinkultur?

Auch ohne L.’s Intervention: Welche Möglichkeiten hätten deutsche Golfer, sich politisch durchzusetzen? Lobbyismus hat nichts genützt. Denn die Gruppe der deutschen Profigolfer – und seien sie noch so erfolgreich -, ist kleiner als die kleinste Fraktion im Bundestag. Der Golfverband? Das sind Funktionäre, keine professionellen Lobbyisten.

Müssen wir Amateurgolfer es deshalb dulden, dass Politik sie nicht auf dem Schirm hat, noch nicht einmal ignoriert? Wissen die eigentlich, wen sie gegen sich haben?

Da kommt so’ne Lena und schon fallen Politiker, allen voran der Bundespräsident, um. Hat ja internationale Bedeutung, so ein Sog’n-dat-i-nix-Contest, bei dem Kosten keine Rolex spielen.

Eigentlich sind wir deutschen Amateurgolfer mit gut 700.000 Mitgliedern stark und mächtig. Wir wären stärker als die größte Volkspartei. Unter den Landesverbänden hat Bayern die meisten Amateurgolfer. Sind sie Alpha-Golfer? Ohne Frage! Seit über sechzehn Jahren kommen die deutschen Golfpräsidenten aus Bayern und ein nächster steht im Alpenland möglicherweise schon Ante Portas. Es könnte, wenn man es richtig anpackt, eine BGU – Bayerische Golf Union und eine RDGU – Rest Deutschland Golf Union geben.

Dass Bayern im Bundesverband und daheim gut miteinander können, ist nicht von der Hand zu weisen. Devise: Wenn Ryder Cup, dann in Bayern. Und so kam es. Nur ist der bayerische Golferlobbyismus ins Leere gelaufen. Seehofer sagte dem Ryder Cup in Bayern spontan finanzielle Unterstützung zu. Berlin sagte „Nö“. Seehofer zog zurück. Bekäme Deutschland (Bayern) im April doch den Ryder Cup, wäre das für Gesamtdeutschland gut – und für Bayern.

Ist doch gar nicht abwegig, wenn Golfer eine eigene Partei gründeten? Die Grünen sind doch auch aus Bewegungen hervorgegangen, die unpolitisch waren und sich etwa dem Vogelschutz oder dem Naturschutz verschrieben hatten? Gedanklich sollte diese Parallelwelt mal durchdacht werden. Golfer als praktizierende Umweltschützer könnten politisch etwas bewegen. Mehrere tausend Quadratkilometer Golfanlagen pflegen sie, sie schützen Biotope, sie freuen sich über den tierischen Artenreichtum auf ihren Golfplätzen – das, liebe Golfer, hat human touch, das ist glaubwürdig, das hat einen sympathischen Markenkern, wäre also unverwechselbar.

Wahr oder nicht wahr? Paperlapap! Sich mit diesen Gedanken zu befassen, weil Politik den Ryder Cup finanziell nicht unterstützt, ist Quatsch. Denn Golf ist demnächst Olympische Disziplin. Olympia gehört den Amateuren. Dass Politik sich für Olympia finanziell engagiert, ist nur folgerichtig. Dass die Medien für Olympia weltweit Kanäle freischlagen, entspricht dem internationalen olympischen Geist, dessen knisternde Spannung die Fernsehzuschauer auch in Isla San Ambrosio, irgendwo im Pazifik erreicht.

Was Amateursportler (-golfer) vor und nach Olympia an Kohle machen, dürfte den deutschen Amateurgolfern schlicht egal sein. Olympia ist quasi Gleichbehandlung von Sportlern und Weltbürgern im besten Sinne des Wortes und ist stets auf Sendung. In diesem Licht betrachtet unterstütze ich aus vollem Herzen den Ryder Cup in Deutschland, sozusagen als Teaser für Olympia und drücke für die Entscheidung im April die Daumen.

Glückauf Ryder Cup, Glückauf liebe Amateurgolfer

Euer Friedrich Schröder