Sieg für Nicholas Hubbard bei der HDI German PGA Seniors Championship

Überlegen hat der Engländer Nicholas Hubbard den größten Turniererfolg seiner Profikarriere perfekt gemacht: Im Golfclub Jakobsberg in Boppard setzte sich der PGA Golfprofessional des Essener Golfclub Haus Oefte mit gesamt 8 unter Par (72, 65, 71) klar gegen seine Kontrahenten durch und entschied die HDI German PGA Seniors Championship 2015 schließlich mit fünf Schlägen Vorsprung vor seinem Landsmann David Blakeman (74, 70, 69/-3) vom GC Am Reichswald für sich. Auch der dritte Rang der Deutschen Meisterschaft ging an einen Engländer: Andrew MacDonald vom GC Sonnenalp-Oberallgäu notierte Runden von 68, 75 und 71 Schlägen, gesamt 2 unter Par.

 

Er hatte trainiert wie noch nie zuvor in seinem Leben. 600 Bälle am Tag. Die Schwielen an den Händen verschwanden in den letzten Wochen nicht mehr. „Es hat sich gelohnt!“, sagt Nicholas Hubbard, und das Lachen in seinem Gesicht lässt keinen Zweifel daran, dass er an diesem Nachmittag der glücklichste Mensch ist im Golfclub Jakobsberg. Eine 71 hat der Rookie am Finaltag der DM notiert. Rookie deshalb, weil er in diesem Jahr zum ersten Mal bei den Senioren der PGA of Germany an den Start gehen darf. Im Dezember feierte er seinen 50. Geburtstag. Vier Birdies, dreimal Bogey. Eine solide Schlussrunde, mit der er sich für seinen sensationellen Auftritt am zweiten Tag dieser offiziellen Deutschen Meisterschaft der über 50-Jährigen Mitglieder der PGA of Germany belohnt hat, an dem er, wie er selbst sagt, „die beste Runde meines Lebens“ gespielt hat. Nun sind 65 Schläge auf den ersten Blick zwar ein sehr gutes Ergebnis, aber nichts, was Tages­gespräch bei einem Profiturnier wäre. Diese 65er-Runde aber war in aller Munde am Jakobsberg. „Das ist nicht nur ein sensationeller Score, das ist fast übermenschlich“, schwärmte etwa Titelverteidiger Heinz-Peter Thül der nach Durchgang 2 selbst eine 80 unterschrieben hatte. Am gesamten zweiten Turniertag fegte ein heftiger Sturm über den Platz hoch über der Rheinschleife, und allein schon die Runde einigermaßen unbeschadet zu überstehen, war ein großer Erfolg. Mehrfach rückte Turnierdirektor Andrew Duck mit dem Windmesser aus und prüfte, ob bei bis zu 6 Beaufort überhaupt weitergespielt werden konnte. Sobald die Bälle auf dem Grün vom Wind getrieben zu rollen beginnen, muss abgebrochen werden. „Die Bälle sind nicht gerollt, aber sie haben schon angefangen zu zittern“, beschrieb Hubbard die Situation auf den Grüns.

Wovon er sich freilich am allerwenigsten irritieren ließ. Souverän puttete der Brite auch aus der Distanz ein, las in seiner unvergleichlichen Art in Bauchlage die Puttlinien und schickte den Ball an diesem Tag siebenmal zum Birdie ins Loch. Grundlage seiner fehlerfreien Vorstellung im Sturm waren allerdings seine perfekten langen Abschläge: Hubbard, der im englischen Leicester aufgewachsen ist und seit seinem 14. Lebensjahr Golf spielt, zirkelte seine Bälle mit hoher Präzision und großem Tempo in den Wind, platzierte sie perfekt und spielte, als gäbe es gar keine heftigen Windböen, die allen Akteuren das Spielen, ja teilweise schon das Vorwärtskommen beschwerlich machten: „Wir mussten heute wirklich im Wind kämpfen. Es war schwer, zu laufen! Und trotzdem habe ich alle Fairways und Grüns getroffen und dann ‒ auch etwas glücklich ‒ mit Birdie, Birdie, Eagle aufgehört. Das war wirklich eine Super-Runde“, so Hubbard, für die er sich tags darauf mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft belohnte. Und feststellte: „Ich wollte eigentlich nicht 50 werden. Keinesfalls. Ich wollte das auch nicht feiern. Aber jetzt bin ich mehr als froh, dass ist bei den Senioren spielen kann. Und ich werde weiter trainieren. So viel wie noch nie in meinem Leben.“ Nächstes Ziel des 50-jährigen Rookies: Die The Senior Open Championship. „Das wäre ein Traum!“ Was bereits in Erfüllung gegangen ist: Bei der WINSTONgolf Senior Open in Vorbeck ist Hubbard vom 10. bis 12. Juli 2015 als Deutscher Meister startberechtigt.

Während Hubbard eine Siegerbörse von 3100 Euro erhielt und Blakeman und MacDonald Schecks über 2000 beziehungsweise 1500 Euro entgegennehmen konnten, gab es noch einen weiteren Gewinner am Jakobsberg: Bernd Schul entschied die erstmals ausgespielte Super-Seniors-Wertung für sich, die Sonderwertung für Spieler über 60 Jahre. Die Plätze 2 und 3 gingen hier an Miroslav Nemec und Sookdeo Maharaj. Den Ü-60-Wettbewerb hatte PGA Mitglied Dr. Volker Bernhardt angeregt und auch finanziell unterstützt.

Der Golfclub Jakobsberg in Boppard war zum vierten Mal in Folge Gastgeber der Deutschen Meisterschaft der Senioren, und ebenso zuverlässig präsentierte der Club einen Platz in ausgezeichnetem Zustand, mit sehr schnellen und treuen Grüns. Die HDI German PGA Championship bildet traditionell den Auftakt des Turnierjahres der PGA of Germany, in dem noch drei Teacher-Turniere der H&H Club Professional Series, die HDI PGA Championship der Damen und Herren sowie die H&H Golf PGA Teachers Championship für Herren und Senioren auf dem Programm stehen. Nicholas Hubbard ist für alle Events startberechtigt und gehört jeweils zu den absoluten Top-Favoriten. Nicht nur, wenn der Sturm mit sechs Beaufort über die Anlage bläst.

  

HDI German PGA Seniors Championship 2015

Deutsche Meisterschaft 2015 der Senioren (Ü50) der PGA of Germany, 1. bis 3. Juni 2015, GC Jakobsberg, Boppard

Platz Name Land +/- R1 R2 R3 Gesamt Preisgeld in Euro
                 
1 Nicholas Hubbard England -8 72 65 71 208 3100,00
2 David Blakeman England -3 74 70 69 213 2000,00
3 Andrew MacDonald England -2 68 75 71 214 1500,00
T4 Philipp Gresswell England 0 68 80 68 216 950,00
T4 Martin Pyatt England 0 73 70 73 216 950,00
T5 Howard Francis England +1 72 71 74 217 650,00
T5 John Lovell England +1 74 73 70 217 650,00

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