Selbst Hähne haben "kalte Füße" bekommen

Dem Himmel sein Dank für die kreativen Interpretationsspielräume bei Auswahl und Ausschmückung von Weihnachtsbäumen. „Meiner muss immer Vierfünfzig hoch sein“, sagte der eine, „Meiner darf nicht weniger als 99 EURO kosten“, prahlte ein anderer. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen protzte ein schmalbrüstiger, schwitzender Freak mit heller Stimme: „An meinem Baum hängt stets nur gläserner, mundgeblasener Baumschmuck von Glasbläsern aus dem Erzgebirge. Er ist so schön und von inniger Erinnerungsgewißheit.“

Larifari am frühen Morgen in der finnischen Sauna. Nebenan in der Biosauna erhitzten sich die Gemüter. „Scheiß Schnee!“ lamentierte einer lauthals, eine andere männliche Stimme wagte die Schicksalsaussage, es sei doch bekannt, dass Winter sei. Und im Winter falle bekanntlich Schnee. Das klang sehr vernünftig und so wendete sich das Gespräch zu den möglichen Ursachen der unerwarteten Schneemassen.

„Alle reden von Erderwärmung, da darf doch kein Schnee fallen, schon gar nicht, wenn in Cancun dem Abschmelzen der Polkappen das Wort geredet wird!“ „Alles Blödsinn“, tönte eine leise, wohltönende, rethorisch geschulte Stimme, „Eiszeiten haben wir immer schon gehabt.“ Frozelt ein anderer: „Kommt alles von der Atomkraft!“ Nach dieser mannhaften Kulturaussage ist erst einmal verblüfftes Schweigen. Man besann sich darauf, das Saunieren auch der Erholung dienen soll. Wie auf Kommando hüllten sich alle in Schweigen.

Meine Gedanken schweiften ab zu unserem Golfplatz. Der ist nun schon in der zweiten Saison völlig lahmgelegt. Still und schweigend liegt er da. Weiß eingehüllt. In der Sonne glitzern die Schneekristalle – was kann schöner sein, etwa die mundgeblasenen Weihnachtskugeln aus dem Erzgebirge? Das dürfte eine Frage der Auslegung sein, würde jetzt ein guter Golffreund von mir sagen. Wenn die elektrischen Kerzen an den Weihnachtsbäumen glühen und sich das Licht in den silbernen Glaskugeln widerspiegelt, ist das schön, schön romantisch. Wenn die Sonnenstrahlen von den Schneekristallen widergespiegelt werden, ist das schaurig schön. Nur kann ich dieses Glitzern nicht ausknipsen wie die Lichter am Weihnachtsbaum. Diese funktionale Erkenntnisgewißheit ist durch nichts zu widerlegen.

Aber Hand aufs Herz, ich vermisse die winterlichen Golfrunden mit meinen Freunden. Auch wenn wir auf holperigen Wintergrüns unsere privaten Wettbewerbsvorlieben pflegen wie die Ostfriesen das Gummistiefelweitwerfen, es macht immer wieder Spaß, den wir nun schon in der zweiten Saison nicht haben. Umso bedauerlicher ist es für jene, die sich für teuer Geld ein Wintergreenfeeticket einer benachbarten Golfanlage besorgt haben. Da hätte man auch gleich Telekomaktien kaufen können. Seid aber getröstet – nach der winterlichen Baisse wird es sicherlich bald eine schneefrei Hausse geben. Mit dem Wetter wird es nämlich ebenso sein wie mit dem Spekulieren an der Börse – man braucht Geduld.

Damit die unfreiwillige golffreie Zeit nicht allzu lang wird, wollen wir uns am Neujahr um 15 Uhr zwanglos im Waldschlößchen treffen, um das alte Jahr zu beschließen und um das neue Jahr mit netten Gesprächen zu begrüßen.

Ab dem 2. bis zum 16. Januar bleibt das Waldschlößchen geschlossen. Danach geht es mit einem neuen Konzept weiter.

Glückauf

Euer Friedrich Schröder