Wasser ist zum Waschen da

Putzen in seiner schönsten Form

Reinligkeit ist eine Tugend, die im südwestdeutschen Raum weit
verbreitet ist. Im Land der Nordlichter, also jenseits des Weiß-
wurstäquators, spricht man sogar von einem peniblen Reinigungs-
zwang. Dieser soll fest verankert sein im Charakter des schwäbi-
schen Landvolks. Äußeres Erkennungsmerkmal sei die weit über die
Grenzen des Württembergischen Territoriums hinaus zelebrierte
Kehrwoche, so der Rest der Welt unisono.

Auch der GC Reutlingen-Sonnenbühl hat sich der Sauberkeit aller
Orten verschrieben. Ein ganz sensibler Bereich sind nicht etwa
die Anlagen zur Verrichtung jedweder Notdurft, sondern vielmehr
die Plätze zur Reinigung von Schlag-, Schuh- und Fahrwerk. Dazu
braucht es Wasser und mit viel Druck beladene Luft. So weit so
einfach, könnte man meinen.

Nicht so drei Golfer, die sich trafen, um das Thema Waschplatz
neu zu definieren. Hans Herrmann, Walter Speidel und zeitweise
Peter Gonska machten sich daran, einen Trog zu bauen, der sich
gewaschen hat. Das kubische Element, nunmehr ummantelt mit Riemen
von hellem Travertin, soll fortan ein Quell der Waschlust für alle
Golfer nach der Runde sein. Gedeckelt von edlem Granit und mit mas-
siven, in der horizontalen verschiebbaren Tableaus bestückt, harren
Putter, Eisen und Hölzer einer perfekten Waschung.

Doch damit nicht genug. Die Unermüdlichen kümmerten sich gleich auch
um den Bereich für die Luftnummern. Diesen unterteilten sie akkurat
in Schuh- und Trolley-Areas. Mächtige Pistolen, aus denen die Luft wie
der Teufel schießt, befördern Gras und Dreck so schnell ins Jenseits,
dass es eine wahre Freude ist. Halfter gleich stehen Haken bereit, um
die Waffen nach Gebrauch gut greifbar für die Nächsten zu verwahren.
Dicht daneben und fein sauber an der Wand drapiert, verführen Besen und
Kehrschaufel zur Reinigung des Feldes nach der Schlacht.

Man muss lange suchen, auf anderen Golfplätzen etwas Vergleichbares zu
finden. Meist entweicht den dortigen Druckluft-Spielsachen nur ein laues
Lüftchen. Die Waschbehälter sind so klein, dass höchstens eine Person zum
Bürsten der Schläger Platz hat. Allenfalls Belek kann mit Sonnenbühl
konkurrieren, aber nur deshalb, weil dort Personal den Gästen das lästige
Putzen abnimmt. „Selbst in Griesbach, der größten Golfregion Europas, gibt
es nichts besseres“, so der Club-Vize Dieter Maier aus eigener Erfahrung.

Dem kann man nur zustimmen und danke sagen für diesen Vorzeigebereich mit
allergrößtem Nutzwert. Eine riesen Leistung haben sie vollbracht, die
Männer Hans Herrmann und Walter Speidel mit Unterstützung von Peter Gonska.
Da wird der Rest der Welt verstummen. Ein Schelm wer dabei denkt, die
Kehrwoche sei nun doch im Golfclub eingezogen.

JSC/17.5.2013

Hans Herrmann und Walter Speidel legen los. Das Thema Waschplatz wird neu definiert.

Riemen aus schwäbischem Travertin ummanteln den Trog und steigern die Lust am Waschen.

In der Horizontalen verschiebbare Tableaus aus massivem Holz sind ungemein praktisch.
Hier können mehrere Golfer gleichzeitig ihre Babies reinigen, ohne sich in die Quere
zu kommen.

Genügend Platz für geordnete Luftnummern. Mächtige Pistolen machen richtig Dampf.
So sind Schuhe und Trolleys blitzschnell von Gras und Erde befreit.

Fotos: Golfclub Reutlingen-Sonnenbühl