Martin Kaymer: Gefeiert und Geliebt

 

 

Herr Kaymer, Sie wurden eben nach Ihrer Runde gefeiert wie ein Popstar. Wie haben Sie es überhaupt hierher in den Medienbereich geschafft?

Martin Kaymer: Es war ein bisschen schwierig. Ich gehe gleich noch mal raus (lacht). Mal schauen, wie es dann wird.

Frage: Sie haben eine 69 zum Abschluss gespielt. Wie lautet Ihr Resümee der heutigen Runde und der ganzen Woche?

Ich bin sehr zufrieden, gerade mit dem Schwung. Spielerisch war das gut, mein einziges Problem war auf den Grüns. Es sind zu wenige Putts gefallen, vor allem an den letzten beiden Tagen. Mal sehen, wer jetzt das Turnier gewinnt. Ich habe mein Bestes gegeben und freue mich auf die nächsten Wochen.

Wäre der Sieg heute noch möglich gewesen?

Kaymer: Ja. Ich habe den Ball gut getroffen, die Fairways gut getroffen und meine Drives waren auch relativ lang. Meine Wedges waren heute vielleicht nicht ganz so präzise, aber vor allem hat es eben auf den Grüns nicht geklappt.

Sie haben diese Woche öfters davon gesprochen, wie gern Sie auf das 18.Grün in Eichenried zugehen – die vollen Tribünen, die Erinnerungen an Ihren Sieg 2008. War es heute wieder so schön?

Kaymer: Es ist einfach eines der schönsten Schlusslöcher, die wir auf der European Tour haben. Als Deutscher macht das natürlich besonders viel Spaß und dort mit einem Birdie aufzuhören, macht noch mehr Spaß – zum Glück ist mir das dieses Jahr in allen vier Runden gelungen. Mal sehen, wie es nächstes Jahr in Köln wird. Wenn dann genauso viele Zuschauer kommen, können wir sehr zufrieden sein.

Hat sich die intensive Arbeit diese Woche mit Trainer Günter Kesser gelohnt? Sind Sie weiter gekommen bei ihrer Schwungverbesserung?

Kaymer: Wir haben vor allem über die Basics gesprochen. Ich bin froh, dass es die Tage hier so gut funktioniert hat. Ich bin auf einem guten Weg und nehme sehr viel Positives aus dieser BMW International Open mit. Ich denke, das Schwungthema kann man jetzt abhaken. Ich muss einfach nur weiter arbeiten, dann kann ich wieder Turniere gewinnen.

Ihrem Flightpartner Scott Jamieson ist mit einer 64 genau die Runde gelungen, die Sie sich wohl auch gewünscht hätten.

Kaymer: Vom Spielerischen waren wir ungefähr gleichauf, er hat einfach mehr Putts gemacht. Aber ich spiele ja nicht nur gegen ihn. Und ich freue mich für ihn, es ist sein erstes Jahr auf der European Tour, und er hat heute einen Riesenschritt gemacht, Rookie of the Year auf der European Tour zu werden.

Ist so eine Woche, in der Sie zuhause spielen und im Mittelpunkt stehen, unangenehmer für Sie als eine normale Tourwoche?

Kaymer: Überhaupt nicht. Es macht viel mehr Spaß. Vor den deutschen Zuschauer zu spielen, ist großartig, und so viele Jugendliche und Kinder auf dem Platz zu sehen, hat mich besonders gefreut. Am Ende sind mir die Bälle ausgegangen, weil ich so viele verschenkt habe. Das macht riesig Spaß. Ich habe hier auch mit Marcel Siem darüber gesprochen, und wir waren uns einig: Wir müssen mehr Turniere in Deutschland bekommen.

Heute waren 17 400 Zuschauer hier, mit insgesamt 62 700 Fans wurde der Turnierrekord von 2006 nur knapp verpasst.

Kaymer: Das ist schön. Ich denke, für die Fans wäre mehr Golf in Deutschland riesig und für die Profis auch toll. Wir hatten früher mal drei bis vier European-Tour-Turniere in Deutschland, und momentan gibt es nur die BMW International Open. Ich würde mich riesig freuen, wenn wir noch zwei bis drei Turniere dazu bekommen würden.

Was machen denn Ihre eigenen Ambitionen als Veranstalter aufzutreten?

Kaymer: Die Pläne dazu haben wir auf jeden Fall, die sind fertig. Wir wollen aber erstmal klein anfangen, auf der Challenge Tour, und dort Erfahrungen sammeln. Das wird entweder nächstes Jahr oder übernächstes Jahr auf jeden Fall passieren. Die European Tour ist noch mal eine andere Ebene, da müssen wir mal abwarten.

Sergio García spielt um den Sieg. Was würde ein Sieg von ihm bedeuten?

Kaymer: Er ist die letzten zwei Jahre ein bisschen abgerutscht. Deshalb freut es mich riesig, dass er wieder gut spielt. Ich komme sehr gut mit ihm zurecht. Er ist natürlich sehr begabt, deshalb hatte er immer extrem hohen Erwartungsdruck. Es würde mich freuen, wenn er hier gewinnen sollte.

Wie fühlen Sie sich als Botschafter des deutschen Golfs?

Kaymer: Super. Ich finde das sehr gut. Dass auf das Turnier hier so viele Jugendliche und Kinder kommen, das macht eine Riesenfreude. Ich freue mich darauf, irgendwann mit diesen Jungs zu spielen. Zu Beginn der Woche hat mich hier ein Neunjähriger angesprochen, Steve aus Bergisch Gladbach. Er sagte: ‚In zehn, 15 Jahren schlage ich Dich!’ Wir haben dann ein paar Bälle miteinander geschlagen. Und das sah wirklich sehr gut aus.

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