"Golf und Natur" einmal aus anderer Sicht

Für einen begeisterten Golfspieler gibt es nichts Schöneres, sein Hobby auf einer top gepflegten Anlage in landschaftlich reizvoller Umgebung auszuüben. Die Beurteilung der Erlebnisqualität in einer Golfanlage basiert nicht nur auf den platzspezifischen Merkmalen, sondern wird auch durch Natur- und Umwelteindrücke geprägt. Positiv erlebte Erfahrungen werden gerne unter den Golfern ausgetauscht. Häufig hört man von traumhaften Plätzen, die im Einklang mit der Natur stehen. Doch wie sieht es momentan in Deutschland aus. Der Anspruch einer umweltgerecht und wirtschaftlich geführten Golfanlage einhergehend mit gleichzeitiger Verbesserung der Spielbedingungen für Mitglieder und Gäste ist Hauptinhalt des Umweltprogramms „Golf und Natur“ vom Deutschen Golf Verband. Nach knapp sechs Jahren der Initiierung des DGV Konzeptes wurden inzwischen über 62 Golfanlagen mit einem Zertifikat ausgezeichnet.

Weitere 35 Clubs nehmen derzeitig am Programm teil. Einerseits sprechen diese Zahlen für das Programm, andererseits hat die Mehrheit der deutschen Golfer nach wie vor keine Kenntnis darüber, worum es sich dabei handelt.

Der Grund liegt darin, dass das Programm an die Betreiber und Verantwortlichen der über 700 Golfanlagen in Deutschland gerichtet ist. Sie sind seitens des DGV eingeladen, nicht nur ökologisch nachhaltig zu wirtschaften, sondern auch einen aktiven Beitrag für den Umweltschutz zu leisten. Bei der Umsetzung des Programms bekommt der Deutsche Golf Verband Unterstützung durch den Greenkeeper Verband Deutschland und durch den Golf Management Verband Deutschland. Wissenschaftlich begleitet wird das Programm durch die Rasen-Fachstelle an der Universität Hohenheim.

Viele Golfanlagen stehen dem Programm dennoch reserviert gegenüber. Die Abwägung von Aufwand und Nutzen sowie das Ausmaß einer finanziellen und zeitlichen Belastung sind unter wirtschaftlichen Aspekten schwer abzuschätzen. Darüber hinaus müssen die eigenen Mitglieder überzeugt werden, dass eine Teilnahme am Programm für die Golfanlage, und somit auch für sie, vorteilhaft ist.

Der beste Weg, das Programm wirksamer und vor allem nachhaltiger bekannt zu machen, ist eine bessere Kommunikation zu allen DGV-Mitgliedern. Zwar findet man eine Reihe von Informationen und Veröffentlichungen im Internet, jedoch erreichen diese nicht die breite Masse. Die Aufgeschlossenheit der Mitglieder in Bezug auf Qualitätsmanagement und Umweltbewusstsein ist sicherlich unter der Voraussetzung gegeben, dass man die Information und Transparenz der Thematik an erste Stelle setzt. Dazu bedarf es einer offenen und gezielten Kommunikationsstrategie seitens des Verbandes in Wiesbaden.

Es bleibt zu hoffen, dass sich der Bekanntheitsgrad des Programms und die Anzahl der teilnehmenden Anlagen weiter erhöht. Davon würden letztendlich alle profitieren, die Golfanlagen, die Golfer und letztendlich auch die Natur.

Der Autor: Thomas Rauschenbach (48 Jahre) ist Unternehmensberater und Senior Golfmanager (FH)