Folgenschwerer Wunschpunsch

Über dem Kaminsims rasselte die Pendeluhr. Ihr kunstvolles Spielwerk stellte einen wehen Daumen dar, auf den ein Hammer schlug. „Aua!“ – „Aua!“ – „Aua!“ -„Aua!“ – „Aua!“, schrie der Daumen bei jedem Hammerschlag. Es war also fünf Uhr. Gramerfüllt saß der geheime Zauberrat Beelzebub Irrwitzer in einem geräumigen Ohrenbackensessel, den vor vierhundert Jahren ein handwerklich begabter Vampir aus Sargbrettern geschreinert hatte. Er rauchte aus einer kleinen, grünen, gläsernen Totenkopfpfeife und um ihn herum Rauchwölkcken … kleine Gespenster …. Aber hauptsächlich Fragezeichen.

Rezitatoren Franziska Rufflet und Jochen Heilmann waren wieder in ihrem Element. Sie schlüpften mühelos in Rollen, die sie stimmgewaltig lebten und hauchten der Zaubergeschichte „Der Wunschpunsch“ liebevoll Leben ein. Neunzig Minuten lang ein Trommelfeuer an Bällen, die sich Rufflet und Heilmann gegenseitig in den verschiedenen Rollen zuwarfen. Es ging um das Elixier Nummer 92, das zum Jahreswechsel um Mitternacht fertig sein musste.

Einer wartete schon auf den Zauberdrink, nämlich der geheime Zauberrat Professor Doktor Beelzebub Irrwitzer. Er pochte auf die Einhaltung eines Vertrags, nach dem Irrwitzer außerordentliche Machtbefugnisse über die gesamte Natur eingeräumt worden waren. Etwa, Tierarten auszurotten, Flüsse zu vergiften, Bäume sterben zu lassen, neue Seuchen in die Welt zu setzen, die Jahreszeiten durcheinander zu bringen, damit Dürre und Überschwemmungen herrschen.

Da Beelzebub noch bis Mitternacht Zeit hatte, einen entsprechenden Zaubertrank zu mixen, machte er sich ans Werk, mixte und mixte, probierte und probierte den Wunschpunsch, was ihn und seine Laborhelfer alsbald trunken machte. Die Wirkung des Zaubertranks zeigte indes gegenteilige Wirkung: „Punsch aller Pünsche, erfüll meine Wünsche, keine neuen Seuchen sollen entstehen, nicht natürlich, noch künstlich gemacht – hoppla – und die alten sollen verschwinden, vergehen – und zwar über Nacht.“

Oder: „Punschallapinsche, erf …..füll meine Wünsche, Jacob Krakel soll keine Schmerzen mehr haben, nix Wund und nix Rheumatismus, sonnern `s schönste Gefieder von allen Ra … Raraben un´ den kräftigsten Organismus – (hicks)!

Dass Michael Ende für diese Lesefassung der beiden Akteure Pate gestanden hat, dürfte klar sein. Schwierige Themen romantisch zu verklären, verrät seine Handschrift. Dass die Lesefassung aus der Feder von Jochen Heilmann stammt, weiß, wer ihn kennt. Zusammen mit der stimmgenialen Franziska Rufflet zogen sie Golfer und Gäste in ihren Bann. Neunzig Minuten Wirbelwind, Spuk und Fantasie hat erlebt, wer gestern Abend in Bad Münder im Clubhaus der Golfer, im Waldschlößchen, dabei war. f.s.