Die Stil-Frage

„Das es-sich-bequem-Machen ist der eigentlich Todfeind der Manieren.“ Dieses Zitat stammt von Asfa-Wossen Asserate. Und korrekterweise müsste man schreiben Prinz Asfa-Wossen Asserate. Wer hinter seinem Buch „Manieren“ ein Werk erwartet, welches in guter Ratgebermanier Anleitungen und Tipps verteilt, der wird enttäuscht sein. Denn das Buch ist vielmehr als ein Ratgeber, es reiht sich, sehr wohltuend, nicht in die Liste von Autoren ein, die sich als Knigge-Nachfolger berufen sehen. Um das Buch zu verstehen empfiehlt sich ein Blick auf das Leben des Autors. „Ein Prinz aus dem äthiopischen Kaiserhaus, wurde im Jahr 1948 in Addis Adeba geboren. Nach der äthiopischen Revolution von 1974 ließ er sich in Deutschland nieder. In Tübingen und Cambridge hat er Jura und Geschichte studiert und in Frankfurt am Main promoviert. Er war als Journalist und als Pressechef der Düsseldorfer Messegesellschaft tätig und arbeitet heute als Unternehmensberater für Afrika und den Mittleren Osten.“

Diese Zeilen stammen vom Klappentext seines Werkes und geben uns zumindest einen groben Überblick über die wichtigsten Stationen in seinem Leben. Doch sie bringen natürlich den Mensch Asfa-Wossen Asserate nicht wirklich näher. Er ist Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie, ein umfangreicher Stambaum, mit einer langen Tradition. Asfa-Wossen Asserate gehörte also zur Herrscherschicht. Und aus diesen zwei Perspektiven ist das Buch auch geschrieben. Zum einen aus der Perspektive des Mannes, der als Student nach Deutschland kam und mit seiner Außenperspektive, aber eben aus dem inneren heraus, die Situation erfasst. Und zum anderen aus der Perspektive des Prinzen, der einen Blick auf die Deutsche Gesellschaft wirft.

So lassen sich Kapitel wie „Die Untergebenen“ oder „Das Komische an den Zeremonien“ erklären. So ist es vielmehr als ein „Benimmhandbuch“, es ist eine Werk das in einem beachtlichen sprachlichen Stil einen Überblick über verschiedene kulturelle Aspekte des Zusammenlebens gibt. Eine kritische Bestandsaufnahme, ein Hinterfragen von Gewohnheiten und das aus einer interessanten Perspektive ein Sittenbild zeichnen. Nie belehrend oder mit dem erhobenen Zeigefinger, dafür immer unterhaltend und gelehrt, ein absoluter Lesegenuss. „Manieren“ von Asfa-Wossen Asserate ist im Eichborn Verlag erschienen und kostet 22,90 Euro.