Conrad International Disabled Open: „Das Besondere an diesem Turnier aber war, dass ihr uns nicht wie Behinderte behandelt habt, sondern einfach wie Golfer.“

Auf der Anlage des Golfclubs Schwanhof fanden vom 23. bis 25. September die ersten Conrad International Disabled Open statt. Veranstaltet vom Verein zur Förderung des Golfsports, der seinen Sitz am Schwanhof hat, in Zusammenarbeit mit dem Behinderten Golf Club Deutschland, war dies eine der größten Veranstaltungen der Turnierserie der European Disabled Golfer Association (EDGA).

Die deutschen Teilnehmer

Die deutschen Teilnehmer

Als Eröffnungsevent fand am Freitag ein Integrationsturnier statt, bei dem Mitglieder und Sponsorenvertreter gemeinsam mit den behinderten Golfern an den Start gingen. Bei dem Florida Scramble über 18 Löcher stand der gemeinsame sportliche Wettkampf im Vordergrund. Es war ein unvergessliches

Gerd Schönfelder

Gerd Schönfelder

Erlebnis für die Mitglieder des Golfclubs Schwanhof. Zu erleben, wie ein Rollstuhlfahrer mithilfe eines eigens gebauten „Powergolfers“ spielen kann, wie man mit einer Hand ein Single Handicap spielt oder als Blinder zielgenau putten kann, war faszinierend. Bei der Siegerehrung am Abend im Clubhaus haben Jugendliche des Golfclubs, alle in bayerischer Tracht, in einer beeindruckenden Zeremonie die Flaggen der 12 teilnehmenden Nationen ins Clubhaus getragen.

Unter den Spielern des 3-tägigen Turniers fand man auch prominente Sportler, wie den Ski-Rennfahrer und mehrfache Paralympics-Sieger Gerd Schönfelder, der selbst Mitglied im Golfclub Schwanhof ist. „Ich bin stolz, dass eines der weltweit bedeutendsten Golfturniere für Behinderte in meinem Heimatclub Schwanhof stattfindet. Golf ist für mich die absolute Herausforderung und ich freue mich schon riesig auf das Turnier und den Wettkampf mit so vielen hervorragenden Sportlern“ sagte der Ski-Star im Vorfeld des Turniers.

 

„Ich hasse Golfcarts. Golf ist ein Sport und ich bin ein Athlet – also laufe ich“

Manuel de los Santos

Manuel de los Santos

Ein weiterer Star unter den Teilnehmern war der 27- jährige Manuel de los Santos. Der in der Dominikanischen Republik geborene junge Mann war in seiner Jugend auf dem Weg zum Profi-Baseballspieler, als im Februar 2003 nach einem Verkehrsunfall sein linkes Bein oberhalb des Knies amputiert werden musste und somit alle seine Pläne und Träume zerstört waren. Unmittelbar nach seinem Unfall heiratete er die Spanierin Elena Salazar und zog mit ihr nach Paris, wo er auch heute noch ansässig ist. Dort begann er, inspiriert durch den Kinofilm „Die Legende von Bagger Vance“, im Jahr 2004 mit dem Golfspielen und spielt heute ein Handicap von 4,4. Dank seiner hoch entwickelten koordinativen Fähigkeiten schlägt de los Santos die Bälle einbeinig, ohne Unterstützung einer Prothese. Zudem verzichtet er auf die Nutzung eines Golfcarts. Auf die Frage, warum er nicht fährt, antwortete er lachend: „Ich hasse Golfcarts. Golf ist ein Sport und ich bin ein Athlet – also laufe ich“. Und laufen ist auch der richtige Ausdruck, denn die Geschwindigkeit, mit der er sich auf seinen Krücken fortbewegt, ist enorm.

Insgesamt waren unter den 70 Teilnehmern 28 deutsche Spieler am Start, darunter der Deutsche Meister der blinden Golfer Bernd Walsch und Publikumsliebling Kai Sehmer, der am Down-Syndrom leidet.

Bei den Damen gewann Tineke Loogman mit insgesamt 184 Schlägen. Bei den Herren konnte sich Manuel de los Santos der mit einer 81er Runde am ersten Tag und einer 76er Runde am zweiten Tag gegen die Konkurrenz durchsetzen und war mit insgesamt 157 Schlägen bester Spieler des Turniers.

Dass Manuel die Herzen der Zuschauer im Sturm erobert hat, lag aber nicht nur an seiner hervorragenden golferischen Leistung, sondern viel mehr an seinem strahlenden Wesen. Sein einzigartiger Lebenslauf nach seinem tragischen Unfall sind Symbol für Hoffnung, Ehrgeiz und Lebensbejahung trotz Behinderung. In seiner Siegerrede bedankte sich der junge Mann bei allen Beteiligten für die perfekte Organisation und den hervorragenden Zustand des Platzes: „Das Besondere an diesem Turnier aber war, dass ihr uns nicht wie Behinderte behandelt habt, sondern einfach wie Golfer.“ Dass er mit diesem Statement vielen Teilnehmern aus dem Herzen gesprochen hat, ließ der tosende Applaus vermuten.

Unterstützt wurde das Turnier vom europaweit größten Versandhaus und Onlineshop für Technik „Conrad Electronic“ sowie den Loew’schen Einrichtungen, die sich bayernweit für Menschen mit geistiger, psychischer und körperlicher Behinderung engagieren.

Ergebnisse

1. Brutto Gesamt Damen

Tineke Loogman (90/94 Schläge)

 

1. Brutto Gesamt Herren

Manuel de los Santos (81/76 Schläge)

 

1. Brutto Armbehinderte

Mathieu Cauneau (83/83 Schläge)

 

1. Netto Armbehinderte

Markus Hirschbühl (72/77 Schläge)

 

1. Brutto Rollstuhlfahrer

Urs Bucher

 

1. Netto Rollstuhlfahrer

Ulrich Estermann (22/18 Punkte)

 

1. Brutto Beinbehinderte

Manuel de los Santos (81/76 Schläge)

 

1. Netto Beinbehinderte

Daniel Engel (41/35 Punkte)

 

1. Brutto Blinde

Bernd Walsch (12/13 Punkte)

 

1. Brutto Gehörlose

Thomas Maurer

 

1. Brutto mental Behinderte

Curt Reineck (7/12 Punkte)

 

1. Netto mental behinderte

Kai Sehmer (22/15 Punkte)

 

1. Brutto allgemein Behinderte

Andreas Süli (82/77 Schläge)

 

1. Netto allgemein Behinderte

Marko Lund (29/39 Punkte)

 

Preis des Fördervereins Netto

Daniel Engel

 

Preis des Fördervereins netto Senioren

Bernd Walsch

 

BU 1: Die deutschen Teilnehmer an der Conrad International Disabled Open mit Sponsor Klaus Conrad (links im Bild)

BU 2: Gerd Schönfelder, mehrfacher Paralympics-Sieger im Skifahren, beim Putten

BU 3: Manuel de los Santos war der erfolgreichste Golfer an diesem Wochenende

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