Caroline Masson im Interview

Caroline, Sie treten diese Woche für das Team Europa im Solheim Cup an, was ist das für ein Gefühl?

Das ist natürlich ein super Gefühl! Ich habe zwei Jahre lang alles gegeben, um mich in dieses Team zu spielen. Dass ich mich jetzt über die Punkte fest qualifizieren konnte, macht mich sehr stolz und glücklich und ist natürlich eine tolle Bestätigung. Ich konnte die Abreise nach Denver kaum mehr erwarten und bin so glücklich hier zu sein. Du kommst in Dein Hotelzimmer und findest die ganze Ausrüstung. Das Bag mit dem Namen, die gesamte Kleindung, einfach alles, das war unbeschreiblich.

Sie sind nach Elisabeth Esterl, Bettina Hauert und Sandra Gal erst die vierte deutsche Spielerin, die für Europa antreten darf, macht Sie das besonders stolz?

Auf jeden Fall! Jedes Mal, wenn ich die Möglichkeit bekomme, für Deutschland oder Europa zu spielen, ist das etwas ganz Besonderes. Ich freue mich, dass ich mich nun in die Liste der deut­schen Solheim Cup Spielerinnen einreihen darf und hoffe, dass es auch in den nächsten Jahren immer wieder deutsche Spielerinnen in das Team schaffen werden.

Der Solheim Cup wird im Gegensatz zu fast allen Turnieren in den USA oder Europa als Match Play Wettbewerb ausgetragen, also Loch Wettspiel. Was ist für Sie das Besondere an diesem Format?

Es ist schon etwas ganz anderes als die Strokeplay Turniere, die wir Woche für Woche spielen. Im Matchplay geht es einzig und allein darum, den Gegner zu besiegen. Jedes Loch bietet eine neue Chance und es ist bis zum Schluss alles möglich. Mental ist Matchplay sicherlich eine noch größere Herausforderung, da man einen direkten Gegner hat!

 

Wie bereiten Sie sich auf diese Spiele „Frau gegen Frau“ vor?

Sicherlich werde ich vermehrt Wert aufs Putten legen und mir Aufgaben stellen, die ein wenig den Druck simulieren, den ich in Denver bei jedem Putt spüren werde. Ansonsten werde ich mich im kurzen Spiel auf flache Chips konzentrieren, da der Platz wohl ziemlich hart sein wird und es nicht viel Rough um die Grüns gibt.

An den beiden ersten Tagen werden zwei Klassische Vierer und zweimal Vierball-Bestball ge­spielt. Bei welchen dieser Wettbewerbe hoffen Sie zum Einsatz zu kommen.

Ich hoffe natürlich, so oft wie möglich spielen zu dürfen. Ich glaube, dass ich sowohl im Best­ball, als auch im klassischen Vierer Stärken habe und mit den richtigen Partnerinnen gut funkti­onieren kann. Aber klar ist auch, dass ich nicht bei jedem Match im Einsatz sein werde. Egal was kommt, ich respektiere die Entscheidungen unserer Kapitänin zu 100% und werde das Team in jeder Lage unterstützen.

Mit wem als Partnerin würden Sie dann gerne antreten?

Eigentlich bin ich da wirklich offen. Ich komme mit allen Spielerinnen gut klar und kann mir vieles vorstellen. Ein Bestball mit Carlota Ciganda könnte sicherlich gut funktionieren, da unser Spiel unterschiedlich ist und wir uns gut ergänzen könnten. Außerdem verstehen wir uns super. Auch mit Caro Hedwall würde ich gerne spielen, wir kennen uns schließlich aus gemeinsamen Collegezeiten. Catriona Matthew fände ich ebenfalls klasse als Partnerin, sie ist wahnsinnig erfahren und sehr ruhig und entspannt auf dem Platz. Ich glaube, dass wir einen guten klassi­schen Vierer abgeben würden.

Und natürlich die Frage, gibt es „Lieblingsgegnerinnen“?

Eigentlich nicht wirklich, jede Amerikanerin wird eine schwierige Aufgabe sein. Allerdings wäre es natürlich schon klasse, gegen jemanden wie Cristie Kerr anzutreten. So eine Spielerin vor gegnerischem Publikum zu schlagen wäre der Hammer!

Martin Kaymer hat den entscheidenden Putt zum Sieg für Europa im Ryder Cup 2012 verwan­delt und könnte sicher auch Tipps geben. Haben Sie mit ihm gesprochen oder werden Sie das noch tun?

Martin steckte in den Vorbereitungen zur PGA Championship und hat dieses letzte Major des Jahres gespielt, da hatte er andere Dinge im Kopf. Aber sollte ich noch die Gelegenheit be­kommen, würde ich natürlich gerne mal mit ihm über seine Erfahrungen sprechen.

 

Sie haben vor den beiden letzten Qualifikationsturnieren in Deutschland trainiert, wo und mit wem haben Sie sich vorbereitet?

Ich habe im Golf Club St. Leon-Rot viel mit Moritz Lampert zusammen trainiert, der in den Wo­chen auch vor Ort war. Ansonsten habe ich viel Zeit ins Athletiktraining mit meinem Trainer Christian Marysko gesteckt und habe einen Tag mit Stephan Morales, dem Bundestrainer der Damen gearbeitet.

 Zuvor waren Sie von Lotta Neumann zu einer Trainingswoche auf dem Turnierplatz des Solheim Cup 2013 eingeladen. Konnten Sie aufgrund Ihrer Verletzung spielen und wie wichtig war dieses Kennenlernen des Austragungsortes?

Ich habe aufgrund der Verletzung nicht gespielt, aber es war trotzdem sehr hilfreich, den Platz schon einmal zu sehen. Ich bin mit den anderen Spielerinnen mitgelaufen und habe ein paar Chips und Putts machen können. Es ist immer gut zu wissen, welche Bedingungen einen er­warten und wie sich der Platz spielen wird. So kann ich mich optimal auf diese Woche vorbe­reiten.

Europa hat noch nie seinen Titel verteidigt und noch nie in den USA gewonnen. Wie sehen Sie die Chancen, dass dies 2013 gelingen könnte?

Es wird sicherlich eine schwierige Aufgabe, auf amerikanischem Boden zu gewinnen. Aber ich glaube wirklich, dass wir ein richtig gutes Team und eine gute Chance haben, den Pokal zum ersten Mal nach Europa zurückzubringen. Wenn wir als Team zusammenstehen und uns nicht zu sehr von den vielen amerikanischen Fans beeindrucken lassen, können wir das durchaus schaffen.

Der Golf Club St. Leon-Rot ist Ausrichter des nächsten Solheim Cup in Europa, im Jahr 2015. Sie kennen diesen Club sehr gut und trainieren regelmäßig dort. Denken Sie jetzt schon an den Solheim Cup in Ihrer Heimat? Sicher nicht wenn Sie auf den Runden sind, aber vielleicht am Rande des eigentlichen Wettbewerbs?

Caroline Masson. Foto: pr.

Klar, es ist der Wahnsinn, dass wir dieses Event nach Deutschland holen konnten. Ich werde versuchen, alle Eindrücke in diesem Jahr aufzunehmen und Ideen zu sammeln, sodass ich viel­leicht auch ein wenig dazu beitragen kann, dass der Solheim Cup im Golf Club St. Leon- Rot ein voller Erfolg wird.

Eine Delegation aus Deutschland mit Repräsentanten des Deutschen Golf Verbandes, der Ver­einigung clubfreier Golfer, des Golf Clubs St. Leon-Rot, Repräsentanten von Wirtschaft und Politik sowie Journalisten besucht den Solheim Cup 2013 und wird Sie dabei auch anfeuern. Freuen Sie sich über diese Unterstützung aus der Heimat?

Auf jeden Fall, ich freue mich sehr auf die Unterstützung der deutschen Delegation und hoffe, dass alle auch ordentlich Lärm für Europa machen. Schließlich werden über 100.000 amerikani­sche Fans erwartet, da können wir ein paar laute Stimmen sehr gut gebrauchen.

Der Solheim Cup ist sicher der Höhepunkt der Golfsaison 2013, aber noch nicht das Ende. Wie sieht Ihre Planung nach dem 18. August aus und welche Ziele haben Sie für den Rest der Sai­son?

Direkt nach dem Solheim Cup stehen bei mir noch zwei Turniere der LPGA in den USA an, da­nach geht es dann zurück nach Europa, zum Evian Championship. Im September und Oktober spielt die LPGA ausschließlich in Asien. Um dort teilnehmen zu dürfen, muss ich in den Top 60 der LPGA Money List bleiben. Das zu schaffen, ist erst einmal das große Ziel in den Wochen nach dem Solheim Cup. Die Saison beenden werde ich wie in den Vorjahren beim Omega Dubai Ladies Masters.

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