Meine Golf-Karriere…

Ich war so etwa Mitte 40, auf der Geburtstagsfeier einer Kollegin. Ich bekam zufällig Gesprächsfetzen vom Nachbartisch mit. Dort saßen etliche ältliche Herren, so Mitte 60, und unterhielten sich überaus angeregt. An keinem anderen Tisch wurde mit einer derartigen Vehemenz geredet. Ich schnappte als erstes das Wort „Huk“ auf und dachte, die eloquenten Herren seien von der Versicherung. Dann hörte ich was von „begnadetem Abschlag“ und „einlochen“, und wusste, aha, Golfer unter sich. Ich lauschte spöttisch. Golf war damals für mich so was wie Geh – Hockey und Pilze suchen, von den vielen gehässigen Anspielungen zum Sex ganz zu schweigen. Ich lehnte mich zurück und lauschte weiter.

„Ich habe an der Vier eine Fünf gespielt“ hörte ich den einen sagen.
„Und ich an der Fünf eine Vier“ raunte ein anderer bedeutungsschwanger und schien stolz darauf zu sein. Ich dachte an meine Vieren und Fünfen in der Schule und war mir sicher, ich hätte eine Zwei gespielt.
Ich gurkte damals zwischen den Knieschmerzen noch ab und zu auf dem Fußballplatz rum. Die Liga nannte sich sinnigerweise Alt Alt. Nach den Spielen war ich drei Tage krank und zog mich am Geländer die Treppe hoch.
5 Jahre später war es mit dem Fußballspielen endgültig vorbei, ich spielte nur noch Tennis. Wir spielten in der Verbands – Liga, weil es ohne Verbände nicht mehr ging. Diclofenac-Liga wäre auch richtig gewesen. Nach den Spielen war ich wieder drei Tage krank und zog mich am Geländer die Treppe hoch. Einige Tenniskumpel wanderten bereits zum Golf ab, unsere höhnischen Kommentare ignorierend. Wenn wir uns zufällig trafen, erzählten sie von der großartigen Entdeckung, die sie mit dem Golfspiel gemacht hätten.
Als weitere fünf Jahre ins Land gezogen waren, war es auch mit dem Tennis vorbei. Nun blieb wirklich nur noch Golf. Meine einstige Überheblichkeit wandelte sich sehr schnell in Frustration. Was dieser kleine Ball mit mir machte, war eine Frechheit, ich steckte eine Demütigung nach der anderen ein. Nun stand ich selber an der „Vier“ und spielte eine „Neun“. Dabei hatte ich noch einen Schlag abgeschummelt. An der „Fünf“ verlor ich vier Bälle, die zielsicher den Weg ins Biotop gefunden hatten.

Auch die neue Terminologie bereitete mir Schwierigkeiten, altersbedingt.
Meine als Expertenmeinung gedachte Bemerkung: „Das Greefee müsste auch mal wieder gemäht werden!“ stieß auf ebenso wenig Begeisterung wie: „Bei meinen neuen Carry on funktionieren die Räder nicht….“
Weitere Jahre zogen ins Land. Nun begann bei mir die Erneuerungsphase. Nicht, dass es mir gelang, meine Schläge zu erneuern. Man baute mir ein neues künstliches Knie ein. Wenig später kriegte ich auch eine schicke Hüfte aus Titan.

Inzwischen bin ich im Pensionsalter. Meine Qualitäten beim Golf haben sich ein wenig gebessert. Ein Marxist würde sagen, meine Schläge seien vom Reich des Zufalls in das Reich der Notwendigkeit übergewechselt.
Neulich, auf einer Feier, saß am Nebentisch so ein junger Schnösel Mitte 40. Sportliche Figur, vermutlich ehemaliger Fußballspieler im Übergang zum Tennis. Wir älteren, gesetzten Herren unterhielten uns natürlich über unsere begnadeten Abschläge und darüber, dass wir auf der „Vier“ eine „Fünf“ und auf der „Fünf“ eine „Vier“ gespielt haben. Der junge Mann am Nachbartisch lauschte und lehnte sich spöttisch zurück.
Ich warf ihm meinerseits einen wissenden Blick zu und dachte: „Warte man die Zeit ab.“
Aber bis dahin werde ich vermutlich schon wieder noch eine Stufe weiter sein….

Autor: Dr. Jörg Hellmann, er ist Autor des Buches:

„Kleine Geschichten über Golf“, aus dem auch diese Satire stammt.

Informationen unter: www.golfsatire.de