Golfen mit einer Knieprothese?

Immer mehr Angehörige der Generation „55 plus“ halten sich regelmäßig körperlich fit. Trotzdem stellt sich aufgrund von Verschleißerscheinungen oder früheren Verletzungen oft die Maßnahme „Knieprothese“ ein. Eine erforderliche Knieprothese war früher oft das Ende von Sportaktivitäten.

Die Medizintechnik hat aber hier große Fortschritte in den letzten Jahren erzielt, deshalb:

Keine Angst! Auch mit einer Knieprothese lässt sich ausgezeichnet und schmerzfrei golfen, wenn Sie auch auf Grund meiner eigener Erfahrungen einige meiner Tipps beachten.

Exakt 32 Jahre nach dem ersten Kreuzbandriss (damals war mehr als 12 Wochen Gips üblich) war auch für mich der Punkt angekommen, wo die entstandene Arthrose in dem Kniegelenk eine schmerzfreie Golfrunde oder ein gesundes schmerzfreies Schlafen nicht mehr möglich machte.

Jahrelang konnte ich mit Hilfe meines Knie-Spezialisten Dr. Christian Schenk, (Schruns -Austria), selbst ein begeisterter Golfer, eine OP hinauszögern.

Letztendlich ist es wie mit einem abgefahrenen Autoreifen, wenn die Leinwand durchkommt, ist es Zeit zu einem Wechsel.

Dr. Schenk, einer der sicher führenden europäischen Kniespezialisten, der unter anderem schon vielen prominenten Profisportlern die Karriere gerettet hat, kennt sich was die Belastungen, welches das Kniegelenk beim Golfen aushalten muss, sehr gut aus, da er die Bewegungsabläufe während des Golfschwungs als Golfer kennt und versteht.

(Deshalb liebe Leser/innen gehen Sie zu einem Orthopäden der möglichst selbst golft). Je nach Art der Knieverletzung bzw. nach der erfolgten OP – Technik, ob Ganz- oder Teilprothese, ob linkes oder rechtes Knie, ist eine unterschiedliche Vorgangsweise nach erfolgreicher Grundrehabilitation beim Beginn mit dem Golfen zu beachten.

Knie ist nicht gleich Knie

„Knie ist nicht gleich Knie“ – diesen Satz muss man sich einprägen. Man kann nicht von einem Knie aufs andere schließen.

Dr. Schenk empfiehlt unter anderem: „Da das Implantat, bis es wirklich im Knochen solide verankert ist, je nach Oberfläche einen Zeitraum zwischen drei bis sechs Monate braucht, diesen einzukalkulieren.“ Bei einer Vollprothese sind meist die Kreuzbänder nicht mehr vorhanden sind, es muss also die ganze Rotationsstabilität von den Außen und Innenbänder und vom Plastikinlay bewerkstelligt werden, was zu einem früheren Verschleiß desselbigen führen kann, bei falscher Technik oder starker Überbelastung.

Nun so wie bei mir, ist aber eben altersbedingt diese Gruppe der Generation „55 plus“ vor dem Problem der „abgefahrenen Reifen“ wie ich es bezeichne und die Entscheidung einen doch nicht ganz so leichten Eingriff zu einem neuen Kniekunstgelenk vorzunehmen mit nicht unerheblichen Unbehagen erfüllt.

Einerseits die Schmerzen; anderseits möchte man weiterhin sein geliebtes Golf betreiben. 

Die Frage:

Was kann ich anschließend noch machen? wie geht es zum Beispiel mit meinem Golfspiel weiter nach der OP? Das beschäftigte nicht nur mich berufsbedingt, sondern auch eine Menge meiner Golfschüler.

Persönlich machte ich mich auf den Weg und suchte mir eine Klinik die auf Knieprothetik (in diesem Falle die Medizinische Universitätsklinik Innsbruck Prof. Dr. Krismer) spezialisiert war. Dort werden wöchentlich mehr als 30 neue Knieprothesen eingesetzt und die mich operierende Knieteamleiterin Frau Dr. Katrin Sekyra eine ausgewiesene Expertin, erwies sich als Glücksgriff für mich.

Bereits kurz nach der Operation konnte ich wieder aufstehen und nach wenigen Tagen die Klinik verlassen.

Unvermeidlich nach meinen Erfahrungen ist sofort eine intensive Rehabilitation in einer geeigneten Klinik unter fachlicher Anleitung erfahrener Physiotherapeuten.

Natürlich gehört auch eine gesunde Portion Ehrgeiz und Selbstdisziplin dazu, sich täglich aufs Rad, sprich Ergometer, zu setzen und die anderen Übungseinheiten durchzuziehen.

Dabei gilt es in den Körper hineinhorchen, wie viel kann ich mir zumuten. Sie werden erstaunt sein, wie sich in verhältnismäßig kurzer Zeit eine Verbesserung des Knies einstellt.

Erst wenn Sie muskulär wirklich in der Lage sind schmerzfrei und stabil längere Strecken zu gehen oder Treppen zu steigen, ist es ratsam langsam ein paar Golfschwünge unter Anleitung eines erfahrenen Lehrer zu machen.

Der Vergleich mit den Autoreifen ist dabei immer ein guter. Wenn Sie viele Kavalierstarts machen, sprich Sportarten betreiben mit starken Stoppbewegungen dürfte die Gefahr der Abnützung des neuen Gelenks größer sein, als wenn Sie einen Sport mit weichen fließenden Bewegungen ausüben.

Deshalb sollten Sie ein paar Infos über die Belastungen beim Golfspiel auf die Kniegelenke beachten.

Die Maximallasten

Laut Elctromyographic (EMG) Studie der Universität von California ist der Umfang von einigen der Maximallasten am Knie während des Golfschwungs nahe an der Last, die während Knierehabilitation verbotene Tätigkeiten erreicht. Auf alle Fälle sollte Ihr Driver mindestens 6 Monate nach OP „Dunkelhaft“ haben.

Dies haben dort die Forschungen ergeben, dass nach erfolgreicher Rehabilitation vor allem der Typ des Golfers und sein Können bei der Entscheidung wann ich wieder Golf spielen kann, eine bedeutende Rolle spielen.

Der Zeitpunkt sollte jedoch immer in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt erfolgen!

Eine weitere Erkenntnis der Studie war, dass die anstrengendste (stressigste) Phase des Golfschwungs, hinsichtlich des Knies, der Abschwung ist.

Einen „Normalschwung“ gibt es meiner Meinung nach nicht, da jeder Golfspieler einen eigenen, konsequenten, charakteristischen Schwung besitzt und auch das operierte Kniegelenk sehr unterschiedlich darauf reagieren kann Unmöglich erscheint mir, dass man eben bei einem gewollten fließenden, kompakten Schwung hier beim Abschwung plötzlich auf das neue Kniegelenk Rücksicht nehmen soll.

Die Untersuchungen der Universität California an Golfern mit implantierten Knieprothesen ergab, dass bei einer erfolgreichen Rehabilitation und einem später technisch einwandfrei durchgeführten Golfschwung, dies Patienten wieder ohne Probleme Golfen konnten.

Nochmals zum Verständnis für Sie: Der Kompressionsdruck, der durch einen Golfschwung erzeugt wird, beträgt nach einer Studie von Hosea et al ,sowohl bei Amateuren als auch bei Professionals mehr als das Achtfache des Körpergewichts, wobei bei den Amateuren viel höhere Scherkräfte als bei Professionals entstehen, was auf die bessere Technik der Profis zurückzuführen ist.

Ein ganz wesentlicher Aspekt in der Rehabilitation – also auf dem Weg zurück zu schmerzfreiem Golf ist die Koordination.

Golf ist eine Sportart bei der eine Kombination aus Beweglichkeit, Ausdauer und Kraft nur dann funktionieren, wenn der Verstand, also das Gehirn mitspielt. Allzu häufig fallen vor allem Anfänger dem persönlichem Ehrgeiz zum Opfer, dass schnell zu körperlichen Verletzungen des Bewegungsapparats führen kann oder vorhandene verschlimmern. Persönlich stehe ich auch zu viel Krafttraining und Muskelaufbau bei Spitzengolfern sehr skeptisch gegenüber. Zuviel Muskelaufbau behindert meiner Meinung nach die Koordination und Beweglichkeit beim Golfsport und sorgt für sehr große Verletzungsanfälligkeit, wie man auch bei der No.1 des Golfsports Tiger Woods z.Zt. beobachten kann.

Bis unsere Nerven oder das Gehirn wieder eine flüssige Koordination der golfspezifischen Bewegungen zulässt, vergehen sicher einige Monate. Nur mit viel Geduld und fachlicher Anleitung, vor allem auch ohne Krafteinsatz, werden Sie wieder zurück zur vollen Golfleistungsstärke kommen. Es dauert einfach, bis unsere Nerven und das Gehirn sich an die neue Situation mit dem implantierten Kniegelenk gewöhnt hat.

Deshalb sollten Sie schon in der noch „golflosen“ Rehabilitationszeit intensiv an Koordination-Übungen, das heißt Beine – Arme – Körper arbeiten und auch ohne Ball golftypische Bewegungen imitieren.

Verhältnismäßig rasch geht es mit dem Putten, sobald Sie auf beiden Beinen stehen können und was wichtig ist darauf achten, dass Sie diese auch gleichzeitig stark belasten. (Indoor – Trainingsmatten gibt es günstig zu kaufen).

Wenn Sie wie oben beschrieben, sicher auf den Beinen stehen, würde ich am Beginn ein gefühlsames Chippen und Pitchen empfehlen. Achten Sie dabei darauf, dass Sie Ihr neues Knie nicht überstrapazieren, Sie merken es gleich, wenn es „heiß“ wird.

Foto: Landwehr

Foto: Landwehr

Bevor Sie auf die Range gehen, habe ich gute Erfahrungen mit einem kleinen Korb der bekannten Luftbälle (Schaumgummi- oder Plastikbälle) im Garten gemacht.

Die ersten Bälle sollten Sie auf der Range unbedingt von einem Tee schlagen. Vermeiden Sie auf alle Fälle wie erwähnt, abrupte – stoppende Bewegungen.

Eine weitere Empfehlung grundsätzlich zum Stand – beim Ansprechen des Balles: Öffnen Sie beide Fussspitzen etwas nach auswärts (Achtung auf das korrekte Zielen, sonst kommt es zum Slicen). Dadurch verringern Sie den Druck der Rotation im Kniegelenk enorm.

Natürlich gehört ein kniespezifisches Aufwärmprogramm, dass Ihnen Ihr Physiotherapeut sicher gerne zusammenstellt dazu.

Wenn Sie meine Tipps befolgen, stehen Ihnen sicher noch viele erlebnisreiche und tolle Golfrunden bevor.

  • Suchen Sie einen erfahrenen Orthopäden zu dem Sie Vertrauen haben – möglichst ein Golfer!
  • Ziehen Sie eine konsequente Rehabilitation durch.
  • Gehen Sie zu einem gut ausgebildeten Golfpro mit Erfahrung beim Wiedereinstieg ins Golfen.

Abzuraten ist die Einnahme von Schmerzmitteln vor dem Golfen. Es werden auch viele Hilfsmittel angefangen vom Schuhwerk, Schlägern etc. bis hin zur schmerzfreien Golftechnik von diversen Anbietern empfohlen.

Natürlich kann obiges hie und da nützlich sein – eine gesunde Skepsis gegenüber solchen Wunderdingen ist anzuraten.

Aus eigener Erfahrung kann ich hier nur dringend empfehlen, in erster Linie erst wenn die Muskulatur wieder so kräftig ist, dass Sie erfolgreich das Knie schmerzfrei bewegen können, mit dem Golfen zu beginnen. Es gibt keine Wundertechnik und keine Wundermittel! Laut meinen Ärzten dauert es Minimum 6 Wochen bis die Metallteile und die Wunde verwachsen sind, auch wenn Gehen schon sehr viel früher möglich ist.

Nehmen Sie sich Zeit, langsam wie von mir oben beschrieben Ihr „Golf- Feedback“ohne jeglichen Krafteinsatz und Stoppbewegungen zu finden.

Denke Sie daran :„Nur saubere Technik ist gesund und schont Ihr neues Knie“heinz-schmidbauer

Ihr

Heinz Schmidbauer

 

 

Falls Sie liebe Leser/innen, sich mit dem Thema Knie beschäftigen oder Probleme damit haben, gerne stehe ich gerne mit Ratschlägen über das Golfsportmagazin unter: schmidbauer@golfsportmagazin.de zur Verfügung!

 

Heinz Schmidbauer

Über Heinz Schmidbauer

Der Golfpro Heinz Schmidbauer blickt auf eine 40 jährige Golferkarriere zurück. Der Diplomierte Sportlehrer betreute als Trainer viele internationale Sportstars und arbeitete mit berühmten Sportlern wie Arnold Palmer, Nick Bolletieri und Patrick Ortlieb zusammen. Seine Golferfahrung, auch als ehemaliges Mitglied der European Challenge-Tour, brachten ihn auf alle Kontinente der Erde. Wobei er auf 3 Kontinenten Profiturniere gewann. Auch als Erbauer und Manager zahlreicher Golfanlagen (ua. Golfclub Kobernausserwald, GC Maria -Theresia) machte er sich einen Namen. Er lebt heute vorwiegend in Italien und Österreich.

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