Interview zum 10-jährigen Jubiläum der Kramski-Putter

Seit nunmehr 10 Jahren gibt es  Kramski Putter bereits. Wir sprachen mit dem Gründer Wiestaw Kramski. Dabei resümiert er über Hürden, Schwabenstreiche und warum es wichtig ist, dei eigenen Zielen zu verfolgen.

Der Weg vom Küchentisch bis zur Produktion ist ein langer. Welche Hürden galt es zu überwinden, bis der erste HPP 330 das Licht der Welt erblickte?

Da ich von Putterentwicklung keine Ahnung hatte, aber auch keine Ahnung von den Golfregeln für Putter, war dies ein wirklicher Hürdenlauf. Hier nur einige Beispiele: Das Gewicht des Putterkopfs war unklar, die Positionierung des Schaftes im Putterkopf war ein ebenso großes Problem wie beispielsweise die Bezugsquellen für Schäfte.

Bei der Vorstellung des HPP 330 im Jahr 2004 schockierten Sie die Golfwelt mit einem Schwabenstreich, indem Sie ganz unschwäbisch der Fachwelt den stolzen Preis von 1000 Euro präsentierten. Wie war das Feedback?

Der Preis war damals über 1.200 Euro. Meine persönliche Einstellung als Verkäufer, aber auch als Käufer war schon immer: Ein gutes Produkt kann nicht billig sein. Da wir den Putter in „made in Germany“-Qualität produzieren und wirklich für jeden Spieler maßschneidern, hat sich das Feedback in den letzten Jahren gewaltig geändert. Anfangs war natürlich der Preis eine Riesendiskussion. Heute kommt vom Kunden oft die Antwort: Naja, wenn man bedenkt, wie viele Schläge ich mit dem Driver mache, und was ein guter Driver kostet, dann ist der Preis akzeptabel.

Wie groß ist der Schritt zwischen Hochleistungswerkzeug und Hochleistungsputter?

Nach 10 Jahren Entwicklung weiß ich, wie ein perfekter Putter auszusehen hat. Bei einem Hochleistungs- oder Stanzwerkzeug stehen wir vor zig Unbekannten und müssen Garantien abgeben betreffend der Geschwindigkeit, Lebensdauer, Schärfintervallen. Da muss ich sagen, ist die Putterentwicklung aus heutiger Sicht ein Klacks. Übrigens haben wir natürlich das gesamte Equipment im Haus.

Ein kleiner Schritt für Sie, aber ein großer Schritt für den Golfsport – inwiefern hat sich die Golfwelt nach zehn Jahren Kramski Putter verändert?

Mit Sicherheit haben die Perfektion aus unserem Werkzeugbau und meine 50-jährige Erfahrung als Werkzeugmacher, Konstrukteur und Unternehmer mitgeholfen, dass die Präzision auch ins Putten übertragen wurde. Nachdem Kramski das individuelle Fitting mit entsprechender Fittingstation, Fittingequipment soweit perfektioniert hat, sind nun die anderen Wettbewerber gezwungen, zumindest mal ein Fitting anzubieten. Aber ich muss gleich dazusagen, Fitting ist nicht gleich Fitting.

Auf den HPP folgten der High Precision Grip (HPG) sowie einige Produkte, die ein effizientes Training unterstützen. Welche Novitäten aus dem Hause Kramski werden noch folgen? Sind bereits Neuentwicklungen in Aussicht, auf die wir uns schon in 2012 freuen können?

Nach acht Jahren Putterentwicklung und 15 Puttermodellen habe ich erkannt, dass viele Fehler aus den Griffen kommen. Daraufhin habe ich mich fast zwei Jahre nur mit Griffen beschäftigt. Heute gibt es sieben im Durchmesser unterschiedliche Griffe, die für jede Schaftlänge von 24 inch bis 36 inch geeignet sind. Die Neuentwicklungen in 2012 werden zuerst einmal Junior-Putter sein, also für Kinder von sechs bis ca. zehn Jahren. Diese Putter können gewichtsmäßig so geändert werden, dass die Kinder den Putter einige Jahre spielen können. Für mich ist wichtig, dass bereits die Anfänger richtig putten lernen, denn was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr oder hat es sehr viel schwerer, sich falsche Gewohnheiten abzutrainieren.

Bei einer so etablierten Sportart wie dem Golf gibt es meist eine Vielzahl von Equipmentanbietern. Sie konkurrieren mit großen Herstellern wie Callaway, Scotty oder Ping. Was steckt in einem Kramski-Putter, das ihn in der großen Angebotsmasse so einzigartig macht?

Im Spaß sage ich oft: der Preis! Tatsächlich ist es die Ganzheitlichkeit, also Fitting der Person, Fitting eines angepassten Putters und dann unsere Putting Academy, die Ihnen innerhalb von einem Tag garantiert das richtige Putten beibringt. Da wir ein sehr kleiner Anbieter sind, können wir uns natürlich auch entsprechend intensiv um die Spielerinnen oder Spieler kümmern. Eine Beurteilung nach dem Seminar ist für uns die tolle Bestätigung, wie gut wir unterrichtet haben.

Wie unterscheidet sich Ihr Fitting von dem der Konkurrenz? Was erwartet mich als Golfer, wenn ich mich in die Hände Kramskis begebe?

Es fängt alles beim Griff an. Die meisten Spieler betreiben beim Handschuhkauf einen Riesenaufwand greifen aber zu Puttern, deren Griffe Personen mit einer Körpergröße von 1,60 bis 2,00 m passen sollen – das funktioniert nicht. Wir bei Kramski beginnen mit der Griffhaltung und der Schwungebene des Spielers. Nach erfolgreichen Putts mit dem Testputter werden die Daten festgehalten und erst danach gelangt der Putter in die Endfertigung.

Anders als zum Beispiel in Korea, wo Golf einen Status hat, wie hier beispielsweise Fußball, ist im allgemeinen deutschen Verständnis der Golfsport, ähnlich wie Polo, ein elitärer. Sie versuchen diese Distanz bzw. Berührungsängste ein wenig zu relativieren, um Golf attraktiver zu machen. Was sind Ihre Strategien?

Es ist richtig, es gibt Länder, in denen Golf sozusagen zum Schulsport gehört. In Deutschland ist der Golfsport in der Meinung der Öffentlichkeit immer noch elitär, aber tatsächlich ist es nicht so. Wir von Kramski Putter bieten den Schülern unserer Realschule in Birkenfeld an, einen Schnupperkurs im Putten zu machen. Der Golfclub Pforzheim bemüht sich ebenfalls um Schulklassen, und soweit ich weiß, sind einige Nachbarclubs in unserer Region auch damit schon unterwegs und gut gefahren.

Seit 1978 laufen die Kramski-Maschinen auf Hochtouren. Vor zehn Jahren kam Kramski Putter hinzu, 2009 gründeten Sie die mittlerweile weltweit bekannte Putting Academy, ein Jahr später riefen Sie ein eigenes Golfturnier ins Leben. Sie sind ein Familienmensch, reisen viel, geben Kurse und doch hat auch Ihr Tag, wie der jedes anderen Menschen auch nur 24 Stunden, wie funktioniert ein solcher Spagat?

Das funktioniert, da ich trotz meines bald anstehenden Rentenalters noch voll leistungsfähig bin, und wirklich jede freie Minute sinnvoll nutze. Vor allem bereitet es mir unwahrscheinliche Freude mit jungen Menschen zu trainieren, zu üben und auch Top-Spielern das perfekte Putten beizubringen.

 Um noch einmal auf Ihre volle Agenda zurückzukommen. Ihr Terminplan platzt scheinbar aus allen Nähten und dennoch schrecken Sie nicht davor zurück, wenn es um neue Projekte geht. Sie nehmen sich Zeit, anderen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Sie sind Baujahr 1947 und haben mehr Energie als so mancher 20-Jährige. Woher nehmen Sie die?

Zuerst einmal bin ich ein sehr positiv denkender Mensch, der nicht die Probleme sieht, sondern eine Lösung dazu sucht. Ebenso ernähre ich mich natürlich entsprechend. Ich esse seit vielen Jahren fleischlos (Fisch und Scampi sind noch erlaubt). Ich trinke seit Jahren keinen Alkohol mehr, geraucht habe ich sowieso noch nie und versuche, mich mit Mineralien und Vitaminen so zu versorgen, dass ich weiterhin dieses große Rad drehen kann.

Nach und nach erkennen auch Studien die höhere Leistungsfähigkeit älterer Menschen an. Kramski Putter ist nicht nur Vorreiter in puncto Putten, sondern kehrt auch in der Mitarbeiterpolitik den gängigen Praktiken den Rücken. Was hat Sie dazu bewogen?

In der Kramski Putter GmbH habe ich gezielt über 50-Jährige, die arbeitslos waren und aus einem technischen Beruf stammten, eingestellt. Ich wollte zu der Zeit gegen den Strom schwimmen, das heißt, dass viele Großfirmen diese Menschen dann in den Vorruhestand geschickt oder entlassen haben. Auch in der Kramski GmbH stellen wir immer noch ältere Mitarbeiter ein, der Älteste in 2011 war 58 Jahre alt. Was mich dazu bewogen hat? Es war einfach eine soziale Grundhaltung, die man als Unternehmer haben muss.

1Nach zehn Jahren Kramski Putter, wie lautet diesbezüglich  Ihr Resümee?

Im Großen und Ganzen bin ich mit meiner Strategie gut gefahren. Die meisten älteren Mitarbeiter, die wir eingestellt haben, sind noch bei uns. Die Leute sind sehr zuverlässig und sehr gewissenhaft und die Arbeiten können sie bis zum Renteneintritt locker bewältigen.

Was wünschen Sie sich für Kramski Putter und die Kramski Putting Academy in zehn Jahren?

Ich denke doch, dass sich Kramski Putter und auch die Kramski Putting Academy weltweit etabliert haben. Die Ergebnisse mit meinem Putter, die Meldungen der Akademy-Teilnehmer sind ausgezeichnet und auch die Erfahrungen, die ich mit Tour-Pros oder EuropameisterInnen gemacht habe, zeigen mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin und dass wir zurzeit die einzige Firma weltweit sind, die ein ganzheitliches Putting-Konzept bietet.


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