Mit dem Anodyne Shirt schmerzfrei golfen?

„Haltungskorrigierende Kleidung“, das löst zwei Assoziationen aus. Ich denke an Sanitätshäuser und Einlagen, und ich frage mich, ob es wirklich so einfach ist: Kleidung an, Haltung korrigiert, fertig. Um es vorwegzunehmen: so einfach ist es natürlich nicht. Warum sich aber grade für Golfer ein Blick auf die Shirts von Anodyne lohnt, haben wir getestet.

Sie kennen vielleicht die Tapes die sich manche Sportler aufkleben, Physiotherapeuten nenne diese kinesiologische Tapes. Sie sollen positive Veränderung der Muskelaktivität hervorrufen, Gewebe nach einer Schädigung entlasten oder den Blutkreislauf ankurbeln. Eine ähnliche Wirkung versprechen auch die Shirts. Sie, aktivieren die Rückenmuskulatur, was zur richtigen Haltung bei Schultern und Kopf führen soll.

Getestet haben wir das „Posture Shirt 2.0“ (109 Euro). Für uns als Journalisten, also einer Tätigkeit bei der man viel sitzt, und zudem noch golfend unterwegs ist, sind wir wohl eine ideale Zielgruppe. Das der Rücken einen plagt bleibt bei der Kombination so gut wie nie aus. Also: Shirt an, Schmerzen und Verspannungen aus. So einfach?

Am Anfang trage ich das Anodyne Shirt eine halbe Stunde, danach bin ich froh, es wieder ausziehen zu können. Denn es ist eng, klar, irgendwie muss der Effekt auch zu Stande kommen. Wie es der Hersteller empfiehlt steigere ich die Tragedauer um den Körper daran zu gewöhnen. Trotz der engen Passform geht das erstaunlich gut. Und während ich mich am Anfang äußerst unelegant in das Shirt zwänge und mir insgeheim so ein Gerät wünsche, mit dem man in der Weihnachtszeit die Tannenbäume verpackt, einfach reinschieben, und drin, geht auch das mit der Zeit besser. Wer von der Bewegung etwas eingeschränkt ist kann auch auf ein Modell mir Reizverschluss zurückgreifen.

Ist man einmal drin, dann sitzt es auch. Dann fühle ich den leichten Druck, der aber nicht unangenehm ist. Mit einem Korsett hat so ein Shirt übrigens nichts zu tun, denn das würde Teile des Körpers nur fixieren, beim Shirt von Anodyne geht es darum, Muskeln zu stimulieren, allerdings ohne zu fixieren. Die Stimulation erfolgt über den Sitz, aber auch das Gewebe, was auf der Rückseite stellenweise eine Netzstruktur hat.

Effekte schnell spürbar

Der Effekt einer Haltungskorrektur ist relativ schnell spürbar, ungefähr so, also ob jemand einem sanft die Schultern nach hinten zieht. Warum das so ist? Für uns als Laien ist das schwer zu erklären, wir haben den Effekt aber beobachtet. Ob es das Kleidungsstück ist, oder doch ein Placebo-Effekt, oder ob alleine das Tragen zur besseren Haltung mahnt, das lässt sich nicht abschließend beantworten.

Um ein runderen Bild zu bekommen ging es mit dem Shirt auch auf den Golfplatz. Im Vergleich zur Arbeit am Schreibtisch ist es hier in Bewegung, auch hier schränkt den den Bewegungsablauf im Golfschwung nicht ein. Und natürlich lässt es keine Schmerzen verschwinden und auch keine Bälle besser fliegen. Aber es kann ein anderes Körperbewusstsein auf der Runde schaffen, so fördert es die Konzentration, und letztendlich auch den sportlichen Erfolg.

Der Golf-Test in der Schweiz

Andrej Kübli ist Inhaber eines Golf-Geschäftes in Zürich. Er ist seit seiner Jugend regelmäßig auf dem Golfplatz und hat mit dem City Golf Shop sein Hobby zum Beruf gemacht. 2016 hat er Anodyne in sein Sortiment aufgenommen und hat es vorher ausgiebig getestet. Er hat eine Woche lang mit dem Shirt trainiert. Klare Vorteile für ihn: Die Posture-Shirts verbessern nicht nur die Haltung, sondern sie erhalten auch die Konzentration und die Kraft beim Abschlag.

Herr Kübli, woher kommt bei Ihnen Begeisterung für Anodyne Shirts?

Bei solchen Innovationen bin ich immer sehr skeptisch, es kommt einfach viel unnützes Zeug auf den Markt, und das sollen wir dann verkaufen. Ich selbst habe jedoch seit 18 Jahren Rückenprobleme und dachte mir daher, ein Versuch schadet nicht. Ich habe das Shirt dann während einer Woche Golfen einfach mal ausgiebig getestet.

Wie hat es sich angefühlt?

Schon beim Anziehen habe ich die Wirkung gespürt und gemerkt wie die Schultern nach hinten gezogen wurden. Mein Gang wurde aufrechter und die Haltung hat sich insgesamt merklich verbessert.

Und auf dem Green?

Als ich dann auf dem Putting Green war und meinen Ball spielen wollte, fand ich mich automatisch in der richtigen Ansprechposition und Putt-Haltung wieder, ohne mich überhaupt auf die Haltung konzentrieren zu müssen. Es war total natürlich und automatisch korrekt. Ein echter Wow-Effekt. Die Putts gingen zwar nicht aufgrund des Shirts automatisch ins Loch, aber die Haltung fühlte sich toll an und mein Rücken schmerzte auch nicht. Nach der Runde habe ich mich auch nicht wie sonst total erschöpft gefühlt. Häufig saß ich mit dem Gefühl im Clubhaus, dass mir gleich die Wirbelsäule aus dem Rücken springt, nach diesem Tag war ich angenehm müde, wie es nach dem Sport sein sollte.

Sie haben das Shirt ganze Woche lang getestet. Wie ging es dann weiter?

Ich habe der Ruhe nicht gleich getraut. Aber dem Rücken ging es auch am nächsten Tag gut. Noch immer war ich null erschöpft. Am dritten Tag wollte ich testen, ob es wirklich am Shirt liegt und habe es einfach weggelassen. Also habe eine Runde ohne Shirt gespielt und es bitter bereut. Spätestens ab diesem Moment war meine letzte Skepsis am Anodyne-Shirt verflogen.

Können Sie kurz zusammenfassen, warum das Shirt so gut für Golfer ist?

Das Shirt hilft Golfern, schneller eine korrekte Haltung einzunehmen, vor allem beim Putten. Der Rücken wird durch das Shirt entlastet und die Kompression durch das Shirt bewirkt, dass der Körper nicht so schnell ermüdet, da die Durchblutung einfach besser ist. Mir hat es mit meinem Rückenproblem extrem geholfen, dadurch konnte ich wieder mal eine ganze Woche Golf am Stück spielen.

Würden Sie denn sagen, dass das Shirt auch die Leistung steigert? Schlägt man besser ab?

Rein schwungtechnisch hat das Shirt meiner Meinung nach kaum einen Einfluss. Da ist die Arbeit mit dem Lehrer im Golfclub unabdingbar. Da aber die Muskulatur durch das Shirt aktiviert wird, bin ich überzeugt, dass die Schläge über kurz oder lang auch weiter fliegen werden. Mehr Power in der Muskulatur kombiniert mit einem technisch sauberen Schwung – da bringt das Shirt ganz sicher etwas.

Das Handicap verbessert sich also nicht automatisch und sofort?

Naja, indirekt vielleicht schon. Viele Golfer haben nach 14 oder 15 Löchern einen massiven Einbruch in Konzentration, Energie und Durchhaltevermögen. Dann geht das Resultat einer bis dahin tollen Golfrunde den Bach herunter, wenn man die letzten 3 oder 4 Löcher aus Erschöpfung einfach verhaut. Beim Golf spielt sich sehr viel im Kopf ab. Wenn ich körperlich und geistig bis zum Schluss auf der Höhe bin, gibt es auch ein besseres Resultat.

Können Sie denn eine bestimmte Altersgruppe festmachen, bei der das Shirt besonders beliebt ist?

Momentan können wir keine bestimmte Altersgruppe definieren. Wir haben Shirts verkauft an Golfer im Alter von 24 bis 70. Ich bin aber der Meinung, dass das Shirt bei höherem Alter mehr Vorteile bringt.

Was denken Sie?