Besser fitten oder biomechanisch optimieren?

Ein biomechanisch optimierter Golfschwung resultiert aus einer Körperposition und Körperbewegung, die nach biomechanischen Kriterien opitmiert wurde. Denn nur sie ermöglicht die wünschenswerte Kombination aus Wirbelsäulenflexion und Wirbelsäulenrotation. Hierzu sei eine 20 Grad vorgebeugte Haltung ideal. Mit gefitteten Schlägern sei man aber nur selten in der Lage, diese Haltung einzunehmen, so der Golfpro Harald Stienemeier.
Statt Fitting empfiehlt Stienemeier das „Setup-Engineering“. Das von der Firma MTM Golf entwickelte System zeigt, dass die biomechanische Ausgangsposition von einem 160 cm großen Golfer und einem 198 cm großen Golfer 20 cm bis 30 cm Schaftlängenunterschied erforderlich macht. Die handelsübliche Fitting-Methode, so Stienemeier, könne allerdings nur um 3,81 cm verlängern.
Dies, so der Bochumer Golflehrer, rühre daher, dass von jedem handelsüblichen Schläger nur Schlägerköpfe mit einem einheitlichen Gewicht gefertigt werden. Dieses Gewicht toleriere nur eine Schaftverlängerung bis zu 3,81 cm. Jede weitere Verlängerung würde den Schläger unspielbar machen. Es sei denn, das Schlägerkopfgewicht würde individuell angepasst. Den Herstellern ist das zu teuer. Bis heute stellt kein Hersteller unterschiedlich schwere Schlägerköpfe für unterschiedliche Schaftlängen her.

Doch eine beliebige Verlängerung der Schäfte ist nicht ohne weiteres möglich, wie der Sportwissenschaftler Florian Kreuzpointner von der TU München zu bedenken gibt. „Wenn man sportliches Werkzeug, wie der Golfschläger eines ist, wirklich um 20 bis 30 cm länger macht, sollte man beachten, dass dann präziser gespielt werden muss, denn ein längerer Schläger erfordert mehr Genauigkeit. Bei längeren Schlägern haben kleine Änderungen des Handgelenkswinkels einen größeren Einfluss auf die Änderung der Treffmomentkomponenten als bei kürzeren Schlägern.“

Doch was genau ist „Setup-Engineering“? Hierbei werden neben der biomechanisch optimierten Haltung und dem biomechanisch optimierten Golfschwung die individuelle Spielereigenschaft, Körperproportionen, Spielstärke und Schlägerkopfgeschwindigkeit berücksichtigt, erklärt Pro Stienemeier. Beim „Clubfitting“ versteht man das individuelle Anpassen eines handelsüblichen Schlägers. Dabei werden, wie beim Setup-Engineering auch, die eigene Spielereigenschaft, Körperproportionen, Spielstärke, Schlägerkopfgeschwindigkeit usw. berücksichtigt.

„Wieso steht beim Fitting ein 2 Meter-Mann mit einer ca. 45 Grad vorgebeugten Haltung am Ball. Das tut beim hinsehen schon weh“, fragt der Bochumer Golflehrer.

Golfprofessional Jody Morris und Wirbelsäulenspezialist Thomas Hoogland wollten wissenschaftlich beweisen, dass mit der Setup-Engineering-Methode ein biomechanisch optimaler Schläger ermittelt werden kann, der den Körper schont.
Dafür implantierten sie einem Spieler Messsonden in die Bandscheibe. Die Messungen ergaben, dass eine im Vergleich zur klassischen Fitting-Methode um 20 Prozent höhere Entlastung des Körpers erzielt wird. Dr. Hooglands Fazit: „Golfer können die auf die Bandscheiben wirkende Belastung mit individuell angepassten Schlägern um ein Fünftel reduzieren.“ Welche Anpassung der Schläger dabei die richtige ist, dass bleibt die entscheidende Frage.

Was denken Sie?